Bis zum 10. Mai läuft in verschiedenen Kinos in Potsdam und Berlin das 32. Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg (JFBB). Bereits am Freitagabend (8.5.) wurden die Hauptpreise des Festivals bekannt: Der Gershon-Klein-Spielfilmpreis ging an „Book of Ruth“ von Esty Shushan, der Dokumentarfilmpreis an Barbara Bernáths „Reward for the Rain“. Eine Special Mention erhielt „Where to?“ von Assaf Machnes. Für Letzteren war es die zweite Ehrung im Rahmen des Festivals.

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„Book of Ruth“ erzählt von Ruth und ihrem Mann Shmuel, die nach dem Tod ihres kleinen Sohnes in ihrer ultraorthodoxen Gemeinde nach einem Weg suchen, mit dem Unfassbaren weiterzuleben. Während Shmuel sich zunehmend in eine gottesfürchtige, patriarchale Ordnung flüchtet, beginnt Ruth zu zweifeln und sucht nach eigenen Antworten auf Schmerz und Trauer.

„Reward for the Rain“ begleitet die Holocaust-Überlebende Eva Fáhidi, die sich im hohen Alter noch einmal ihrer Vergangenheit stellt und für einen VR-Film die Geschichte der ungarischen Juden und Jüdinnen für jüngere Generationen festhält. Zugleich erzählt der Film von ihrer späten Liebe und ihrem Alltag mit ihrem Partner Bandi.

Kamerafrau Maayane Bouhnik beim Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg im Hans Otto Theater Potsdam Kamerafrau Maayane Bouhnik bei der Eröffnung des Jüdischen Filmfestivals im Hans Otto Theater Potsdam.

© JFBB

Die in Berlin lebende Kamerafrau Maayane Bouhnik war bereits zum Auftakt des Jüdischen Filmfestivals Berlin Brandenburg in Potsdam für ihre Arbeit an „Where to?“ ausgezeichnet worden. Der Film von Assaf Machnes wird im Spielfilm-Wettbewerb des diesjährigen Festivals gezeigt. Überreicht wurde der Preis von Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader, die zugleich als „Gesicht“ für die 32. Festivalausgabe warb.

Maayane Bouhnik wurde in Haifa geboren und studierte an der DFFB in Berlin, wo sie heute lebt. Als Kamerafrau war sie bereits für 33 Produktionen verantwortlich, von Studierenden- und Kurzfilmen bis zu Musikvideos. „Where to?“, bereits auf der letzten Berlinale zu sehen, ist ihr erster Spielfilm. Er erzählt von den Begegnungen zwischen dem palästinensischen Familienvater Hassan und dem jungen homosexuellen Israeli Amir, die sich auf nächtlichen Taxifahrten durch Berlin immer wieder begegnen.

Schrader würdigte in ihrer Laudatio die Bildsprache des Films: Bouhniks Stil sei unaufdringlich und doch „mittendrin“ und subjektiv. „Wir spüren die Sympathie ebenso wie das Zögern. Mit einer pointierten Mischung aus Intimität und Fremdeln macht sie die Zerrissenheit zwischen Zuneigung und der Suche nach einem eigenen Standpunkt spürbar“, so Schrader, „jene Ambivalenz, die es uns in unserer Gesellschaft oft so schwer macht, miteinander auszukommen.“

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Das 32. Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg zeigt bis zum 10. Mai in sechzig Filmen aus 22 Ländern aktuelles jüdisches Kino aus aller Welt in den Potsdamer Kino Thalia und Filmmuseum sowie in zahlreichen Kinos Berlins und weiteren Orten Brandenburgs. Zur Eröffnung am 5. Mai waren unter anderem Ministerpräsident Dietmar Woidke und Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel, Berlinale-Chefin Tricia Tuttle und der Schriftsteller Max Czollek ins Hans Otto Theater gekommen.