„Für euch“ – das ist das Motto, unter dem das Museum für Frühindustrialisierung am Wochenende die Wiedereröffnung feiert. Ein möglichst breites, vielfältiges Publikum soll das neue Konzept ansprechen. Die Wiedereröffnung ist Teil einer jahrelangen Neugestaltung des Museumsstandorts in Barmen.
Schon vorab zeigten Lars Bluma, Leiter des Zentrums für Stadtgeschichte und Industriekultur, und seine Kollegin Anna-Lena Geisel, wissenschaftliche Referentin und Kuratorin, was Besucherinnen und Besucher erwarten können. Die Reise durch die Geschichte der Frühindustrialisierung in Wuppertal beginnt im Flechtraum, wo man dem ersten mechanisierten Gewerbe der Region begegnet – die im Tal produzierten „Barmer Artikel“ waren weltberühmt. Der Wupperraum zeigt die geografischen Voraussetzungen auf, die Wuppertal zur Wiege der Industrie machten – das Wasser der Wupper war für Bleichen, Mühlen und das Metallgewerbe unverzichtbar.
Weiter können Besucherinnen und Besucher sehen, wie sich der urbane Raum im Tal entwickelt hat, wie global Wuppertaler Unternehmer damals agierten, wie der gesellschaftliche Wandel vom feudalen zum kapitalistischen Zeitalter vonstattenging – und wie die Industrialisierung uns bis heute prägt.
Das Ausstellungskonzept folgt einem multiperspektivischen Ansatz, erklärte Bluma. Die Entwicklungen in der Zeit, sowohl technisch, wirtschaftlich als auch sozial, sollen nicht isoliert dargestellt werden, sondern in ihren Wechselwirkungen. Protagonisten dieser Zeit schildern ihre Eindrücke und kommentieren verschiedene Ausstellungsstücke, etwa Unternehmer aus dem Bergischen Land, Arbeiterinnen, Kinderarbeiter, ein englischer Ingenieur – und natürlich Friedrich Engels. Multimedial und erlebnisreich soll die Ausstellung sein – ohne dabei auf die Vermittlung von Wissen zu verzichten. Ein entsprechender Multimedia-Guide wird Besuchern ab Herbst zur Verfügung stehen.
Ein besonderer Höhepunkt im Museum ist das Stadtmodell im Maßstab 1:1000, das audiovisuell eindrucksvoll in Szene setzt, wie sich Barmen und Elberfeld in den vergangenen Jahrhunderten entwickelt haben. Schweres Gerät wie Webstühle und eine Dampfmaschine warten auf der Ausstellungsfläche von 1130 Quadratmetern. Nicht alle, aber viele der etwa 800 Ausstellungsstücke dürfen berührt werden und sind entsprechend markiert.
Nur nicht räumlich, auch inhaltlich legt das Museum einen großen Wert auf Barrierefreiheit. Tast- und Inklusionsstationen sollen dafür sorgen, dass die Bedürfnisse aller Menschen berücksichtigt werden. Das Konzept zur Barrierefreiheit hat das Museum mit dem Landschaftsverband Rheinland (LVR) und dem Beirat für Menschen mit Behinderung erarbeitet.
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff zeigte sich erfreut über die Wiedereröffnung mit einem „modernen, zeitgemäßen Konzept“. „Besucherinnen und Besucher können sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild von den Zuständen vergangener Zeiten machen.“ Die für Kultureinrichtungen des Gebäudemanagements zuständige Annette Sengespeick erklärte, dass es sich um eine „besondere Liegenschaft“ mit Gebäuden aus verschiedenen Epochen handele. Ein neu errichtetes Besucherzentrum schafft nun einen zentralen Zugang zum Gebäudeensemble. Überhaupt einen Aufzugsschacht anlegen zu können, war eine gewaltige Herausforderung, erklärte sie.
Einen wichtigen Teil bei der Konzeption und Wiedereröffnung nimmt der LVR ein, der das Projekt mit 400 000 Euro auch finanziell maßgeblich gefördert hat. Auch Fördermittel vom Bund in Höhe von 2,5 Millionen Euro flossen mit in die Finanzierung ein. Bluma merkte an, dass man insgesamt im Budget bleiben konnte.
Er betonte auch immer wieder den Bezug zur Gegenwart. So wartet in einer Ecke des Museums eine Wand mit Kacheln, die Wuppertals Industriedenkmäler zeigen, mitsamt relevanten Informationen und Adresse. „Wir animieren, auf Entdeckungstour in der Stadt zu gehen“, sagte er mit Vorfreude auf das Wochenende.
Das Museum für Frühindustrialisierung wird am heutigen Freitag mit einem Festakt eröffnet. Ab Samstag, 9. Mai, ist das Museum dann für die Öffentlichkeit zugänglich. Der Eintritt am Samstag und Sonntag ist frei. Der 10. Mai steht zugleich im Zeichen des „Tages der Industriekultur in Wuppertal“ (»S. 16). Dazu ist ein vielfältiges Programm geplant. Weitere Informationen zur Ausstellung, zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen im Internet unter