Das Staatstheater holt die Liebe auf die Bühne – und prüft sie vor Publikum als Beziehungsexperiment.
Man muss es klar sagen: Die Oper wagt etwas. Sie zitiert nicht nur, sie prüft. Sie stellt aus. Und sie fordert heraus. Am Hessisches Staatstheater Wiesbaden verwandelt sich Così fan tutte ährend der kommenden Spielzeit in ein Beziehungsexperiment – und das Publikum sitzt nicht mehr sicher im Dunkel. Es sitzt mittendrin.
Così fan tutte: Eure Plätze auf der Bühne
Termine
Mi, 17. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus (Premiere)
Fr, 19. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
So, 21. Juni 2026, 18.00 Uhr, Großes Haus
Di, 23. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
Do, 25. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
Sa, 27. Juni 2026, 19.30 Uhr, Großes Haus
20 Paare, ein Spiel mit der Wahrheit
Zwanzig junge Paare nehmen Platz auf der Bühne. Sie sehen nicht nur zu. Sie werden gesehen. Regisseurin Marie-Ève Signeyrole verschiebt die Perspektive und legt damit den Kern frei: Nähe, Begehren, Treue – das sind keine schönen Worte, das sind Konflikte. Schon Wolfgang Amadeus Mozart wusste, wie leicht Gefühle kippen. Jetzt dürfen Paare das am eigenen Leib erfahren.
Don Alfonso, dieser zynische Lehrer des Zweifels, inszeniert sein Experiment als Campusspiel. Die Bühne wird zur Kunsthochschule, das Publikum zu Studierenden. Wer glaubt, hier nur Musik zu hören, irrt. Hier wird beobachtet, getestet, gespiegelt.
Theater, das keine Distanz duldet
Und der Abend beginnt nicht im Parkett, sondern hinter den Kulissen. Kostüme, Wege, Blicke – alles zieht die Teilnehmenden hinein. Die Distanz verschwindet. Und genau das ist der Punkt: Theater soll nicht nur gefallen. Es soll verunsichern.
Signeyrole gelingt ein Zugriff, der klug und unbequem wirkt. Sie nutzt das Format nicht als Gimmick. Sie zwingt die Oper, sich selbst zu befragen. Was bleibt von der Treue, wenn man sie prüft? Was bleibt von der Liebe, wenn man sie zeigt?
Lust am Risiko
Das Angebot richtet sich an junge Paare zwischen 18 und 35 Jahren. Man braucht kein Vorwissen, nur Mut. Und vielleicht ein wenig Humor. Denn wer sich auf dieses Spiel einlässt, wird sich selbst begegnen. Die Karten kosten zehn Euro. Der Preis ist niedrig. Der Einsatz hoch.
Foto – Premierenabend im Hessischen Staatstheater ©2026 Sven Helge Czichy
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