• Viele Essens- und Getränkeläden in Bremens Innenstadt nutzen überwiegend englische Begriffe wie „Hot Dog“, „Street Food“ und „Home of the Smash Burger“.
  • Der WESER-KURIER vermeidet bewusst Anglizismen in seinen Artikeln, verwendet stattdessen deutsche Begriffe wie „Rückmeldung“ oder „heruntergeladen“.
  • Vereinzelt verwenden Betriebe in Bremen auch traditionelle deutsche Bezeichnungen, zum Beispiel „Außerhausverkauf“ oder „Hausgemacht“.

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Wer als Redakteur für den WESER-KURIER schreibt, ist angehalten, Anglizismen so weit wie möglich zu vermeiden. In den Artikeln gibt es kein Canceln, Downloaden oder Shoppen, hier wird abgesagt, heruntergeladen und eingekauft. Ein Treffen ist ein Treffen, kein Meeting, Mode bleibt Mode, nicht Fashion, und vom geneigten Leser gibt es genau dafür manchmal kein Feedback, sondern eine positive Rückmeldung.

Für die vielen kleinen Läden und Kioske, die in Bremen Essen und Trinken anbieten, gilt diese sprachliche Etikette ganz offensichtlich nicht. Zumindest deutet eine Fahrt mit der Straßenbahn vom Bahnhof zur Domsheide dies an. Kulinarisch gibt es da kein Vorbeikommen mehr – Bremen is(s)t englisch.

Los geht’s in der Bahnhofstraße mit dem Nova Kiosk. Er wirbt im Schaufenster mit „Hot Dog“ und „Coffee to go“, gleich daneben folgen „Food & Drinks“ bei Mohona, und an der Ecke zum Breitenweg sind „Deal Days“ angesagt. Hier bietet Kentucky Fried Chicken – Donald Trump lässt grüßen – diverse „Super Deals“ an und außerdem noch den „Hot Wings Dienstag“ und den „Crispy Donnerstag“.

Trauriges Intermezzo

Es folgt ein trauriges Intermezzo – der verwaiste Kiefert-Pavillon rückt ins Blickfeld. Nix Bratwurst, nix Sausage, stattdessen pure Tristesse: ein paar hingeschmierte Graffiti der hässlichen Art, dazu ein altes Plakat für eine Veranstaltung zum Weltfrauentag am 8. März. Das allerdings folgt dem nun schon bekannten Muster: „Come out – fight together – Solidarity is our Weapon!“

Dann ein Abweichler. Ein Laden allerdings, bei dem man ohnehin versucht ist, zu sagen, dass es deutscher nicht geht: „Hansa Jagdausrüstung“. Anschließend aber sofort weiter im (englischen) Text: keine „Deals“ bei CKT’s, dafür „Pommes for President“, gefolgt von „Paffkaff“, dem „Urban Kiosk“, der sich zugleich als „Smoke Station“ und „Drink Zone“ identifiziert.

Kültür Kebaphaus dagegen fällt eindeutig aus der Reihe. „Bei uns wird alles Hausgemacht!“ ist quer über die Fensterfront zu lesen. Über die Schreibweise ließe sich kleinlich streiten, aber nicht über die eigentliche Botschaft. Was ebenso für den Satz darunter gilt: „Jeden morgen frische Suppe“.

Die benachbarte Goldschmiede verzichtet auf sprachlichen Schnickschnack. Ein kleines Wortspiel – „Trau dich mit … – Sudmann“, ansonsten klare Ansage: „Trauringstudio & Schmuck“. Piadina wirbt am Herdentorsteinweg dann wieder mit „Street Food“, gefolgt vom Numa Matcha, das seinen Kunden „Balance your Mind“ empfiehlt.

Das urbane Flair von Bremen

Es folgt SAM, der „urban baker“, und hier schweifen die Gedanken dann schon mal ab. Wie gerne wäre man Mäuschen bei der Sitzung, in der dieser sprachliche Coup das Licht der Welt erblickte. „Leute, der Name. Wir brauchen eine zündende Idee!“, fordert der Geschäftsführer, pardon, Managing Director, bei der morgendlichen Zusammenkunft der kreativsten Köpfe des Unternehmens. „Stadtbäckerei?“, schlägt der neue, noch etwas unbedarfte Marketingassistent vor. Der eisige Blick seines Chefs sagt ihm, dass morgens vor dem Spiegel zu stehen und zehnmal „today will be my day“ zu brüllen keine Garantie dafür ist, den Tag zu überstehen. „Wir müssen das Urbane von Bremen besser rausarbeiten“, wirft eine altgediente Werbe-Strategin ein. „Wie wäre es mit ‚urban baker‘?“ Begeisterung brandet auf. „Awesome!“ Auch der Chef ist zufrieden: „So vermitteln wir den Hillbillies aus dem Umland morgens auf ihrem Weg zur Arbeit gleich eine Prise Großstadtflair“, nickt er und greift zum Diktiergerät: „Notiz ans Finance Department – Brötchen nochmal fünf Cent teurer machen. Ach was, lieber gleich zehn!“

Im Schaufenster des urbanen Bäckers durfte sich besagte Kreativabteilung dann gleich noch einmal austoben: „I am Sam Fan“ ist dort zu lesen. Dagegen kommt der Aufsteller direkt davor wohltuend unprätentiös daher: „Rockefeller – Geile Backwaren“.

Dass es auch anders geht, zeigt sich an der Domsheide. Dort findet sich „Deine Backstube“, unterstützt noch von einem Aufsteller: „Für dich da!“ Aber weil das dann doch zu viel des Deutschen sein könnte, geht auch die Backstube zumindest bei ihrem Online-Angebot auf Nummer sicher: „click & collect“.

Gleich daneben steht eine Neueröffnung an („coming soon“) – gewaltige Fotos von Hamburgern im Schaufenster zeigen, was die Kunden hier demnächst erwartet. Natürlich textlich unterfüttert: „Home of the Smash Burger“.

Tapfere Gegenwehr

Am Schüsselkorb setzt das Fischrestaurant und Bistro „Knurrhahn“ dem „To go“-Hype tapfer ein „Außerhausverkauf“ entgegen, und gleich nebenan wartet mit Tenter’s „Ihr Bremer Bäcker“. Wer „Handwerkskunst für Bremen seit 1886“ bietet, darf das wohl sagen.

Mai-Mai an der Ecke zum Domshof bietet „good asian food“. Und das war’s dann auch schon fast. In der Violenstraße kommt noch ein Friseur – „Beauty & Style“, was sonst? –, dann rumpelt die Straßenbahn vorbei an Landgericht und Glocke gen Haltestelle Domsheide. Und dort, ganz am Ende des sprachlich-kulinarischen Kurztrips, steht sie dann doch, die ultimative Botschaft auf Deutsch: „Hier iss lecker!“ Im Schaufenster von McDonald’s. Ausgerechnet!

Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.

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