Die Europäische Union will ihre eigenen Methanregeln offenbar deutlich abschwächen – unter Druck aus Washington und der fossilen Industrie. Wie aus einem internen Entwurf hervorgeht, über den Politico berichtet, plant die EU-Kommission grosszügige Ausnahmen bei Strafen gegen Öl- und Gaskonzerne, falls Versorgungskrisen drohen. Damit würde eines der zentralen Klimagesetze der EU faktisch entschärft.

HANNIBAL HANSCHKE / KEYSTONE

epa12845892 A view of PCK oil refinery in Schwedt, Germany, 24 March 2026

HANNIBAL HANSCHKE / KEYSTONE

Die ursprüngliche Methanverordnung verpflichtet Öl- und Gasunternehmen dazu, Lecks rasch zu reparieren sowie das Abfackeln und Ablassen von Methan weitgehend zu stoppen. Ab 2027 sollten diese Regeln auch für sämtliche Gas- und Ölimporte in die EU gelten. Genau dagegen laufen die USA und die Branche Sturm.

Die Regierung Trump erhöhte den Druck zuletzt massiv. US-Botschafter Andrew Puzder warnte, die EU-Regeln könnten «eine neue Energiekrise» auslösen. Die Vereinigten Staaten liefern inzwischen 28 Prozent des europäischen Gases – 2021 waren es erst 6 Prozent. Auch die Industrie argumentiert, strengere Vorgaben würden Energie verteuern und die Versorgung gefährden.

_e(‚Werbung‘, ‚weltwoche‘); ?>

Kritiker sprechen dagegen von einer Kapitulation Brüssels. Die deutsche Grünen-Europaabgeordnete Jutta Paulus warnte vor einem «desaströsen Signal» gegenüber Washington. Umweltorganisationen sprechen bereits von einer «Zombie-Verordnung»: Das Gesetz bleibe formal bestehen, werde aber kaum mehr durchgesetzt.

Methan gilt als besonders klimaschädliches Treibhausgas und ist laut Wissenschaftlern für rund ein Drittel der globalen Erwärmung seit der Industrialisierung verantwortlich. Gerade im Öl- und Gassektor könnten Emissionen vergleichsweise einfach reduziert werden. Trotzdem rückt Brüssel nun die Versorgungssicherheit stärker in den Vordergrund – auch wegen steigender Energiepreise und der Unsicherheit rund um den Krieg mit Iran.