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Die hohen Öl- und Gaspreise sorgen beim Ölkonzern Shell für einen deutlichen Gewinnsprung. Währenddessen versucht die Merz-Regierung vergeblich, die Autofahrer zu entlasten.
London – Der Iran-Krieg hat die Gas- und Ölpreise in Rekordhöhen schießen lassen – und Shell enorme Gewinne beschert. Der um Sonderposten bereinigte Gewinn des britischen Ölkonzerns belief sich im ersten Quartal auf 6,9 Milliarden US-Dollar (5,9 Milliarden Euro), wie die Financial Times berichtet. Das ist laut boerse.de mehr als doppelt so viel wie im Vorquartal. Selbst Analysten sind über den hohen Gewinnsprung überrascht: Sie hatten laut Financial Times mit etwa 6,3 Milliarden Dollar gerechnet.
Der Iran-Krieg hat die Gas- und Ölpreise in Rekordhöhen schießen lassen – und Shell enorme Gewinne beschert. (Symbolbild) © Sebastian Derix/ImagoÖlkonzern Shell verdoppelt Gewinne – trotz LNG-Probleme
Dem Ölkonzern geht es blendend: Im Februar hatte Shell für 2025 einen um elf Prozent gestiegenen Jahresüberschuss von 17,838 Milliarden Dollar bekannt gegeben, obwohl die Ölpreise im vergangenen Jahr gesunken waren. Der Rückgang sei über das Absatzvolumen und gesunkene Kosten ausgeglichen worden, erklärte der Konzern damals.
Die Gewinne helfen auch über die LNG‑Probleme hinweg, die Shell hat: Der Konzern hat langfristige Verträge mit Katar abgeschlossen, dessen LNG-Produktion wegen iranischer Angriffe auf seine Anlagen erheblich eingeschränkt ist. Zudem ist die Straße von Hormus für den Seetransport von LNG blockiert. Doch die Blockade hat auf der anderen Seite zu den steigenden Preisen und dem deutlichen Gewinnsprung geführt.
ADAC-Kritik: Tankrabatt wird nicht vollständig an die Kunden weitergegeben
Während die Ölkonzerne Gewinne einfahren, fruchten die Bemühungen der Regierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU), die die Autofahrer angesichts hoher Spritpreise entlasten wollen, nicht. So kommt der seit dem 1. Mai geltende Tankrabatt dem ADAC zufolge nicht vollständig an den Zapfsäulen an. Im Vergleich zum vergangenen Donnerstag waren die Spritpreise zuletzt rund elf Cent niedriger. Die seit Mai geltende niedrigere Energiesteuer müsste aber eine Entlastung von 16,7 Cent pro Liter ergeben, wie der Automobilclub am Montag (4. Mai) mitteilte. Auch die Entwicklung des Rohölpreises könne dies nicht erklären.
Weil der Rohölpreis aktuell niedriger liegt als am 30. April, müssten die Preise an den Tankstellen eigentlich stärker sinken als um den Betrag der Energiesteuersenkung, wie der ADAC ausführte. Doch über die vergangenen Tage waren die Preise für Diesel und Benzin an den Zapfsäulen tendenziell eher gestiegen. Hinzu kommt, dass die Spritpreise am vergangenen Donnerstag, also kurz vor Inkrafttreten des Tankrabatts, teils drastisch erhöht worden waren.
„Es ist unsere klare Erwartung, dass die Mineralölkonzerne diese Steuersenkung weitergeben“
„Es ist unsere klare Erwartung, dass die Mineralölkonzerne diese Steuersenkung weitergeben“, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums. „Das gilt es jetzt zu beobachten.“ Die Bundesregierung habe Mittel geschaffen, um bei den Konzernen „genau hinzuschauen“. Das Bundeskartellamt analysiere „ab der Stunde null“, welche Preise wie entstehen und wirken, ergänzte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums. Es müsse seine Ermittlungen ausweiten, „wenn es denn Anzeichen für eine Nichtweitergabe der Steuersenkung gäbe“.
Kartellamtschef Andreas Mundt forderte die Mineralölkonzerne erneut auf, die Steuersenkung weiterzureichen. Der Tankrabatt „soll Verbraucherinnen, Verbraucher und die Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten“, erklärte er. „Die Mineralölkonzerne sind allenfalls Treuhänder dieser Entlastung, sie ist nicht für sie bestimmt.“ (Quellen: Financial Times, Boerse.de, AFP, Reuters)