Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran über das Atomprogramm gehen weiter. Ein neuer US-Vorschlag sieht Einschränkungen bei der Urananreicherung und mögliche Lockerungen von Sanktionen vor. Katar drängt derweil auf eine weitergehende Einigung. Mehr im Liveticker.
Nach den Angriffen der USA und Israels auf den Iran gilt seit mehreren Wochen eine Waffenruhe im Nahen Osten. Doch die Feuerpause ist fragil. Die iranische Regierung prüfte eigenen Angaben zufolge einen neuen Verhandlungsvorschlag der USA, US-Präsident Trump gibt sich zuversichtlich.
Alle Entwicklungen zum Krieg in Nahost im Liveticker:
06:29 Uhr – Satellitenbilder zeigen Ölteppich vor iranischer Insel Charg
Im Persischen Golf ist vor der iranischen Öl-Insel Charg ein Ölteppich entdeckt worden. Dieser war auf Satellitenbildern zu erkennen, die am Freitag vom Conflict and Environment Observatory (CEOBS) veröffentlicht wurden. Nach Angaben der Organisation mit Sitz in Großbritannien handelt es sich um einen der größten Ölteppiche, die seit Beginn der US-israelischen Angriffe auf den Iran am 28. Februar im Golf entdeckt wurden.
Die Ursache der Ölpest sei unbekannt, erklärte CEOBS im Onlinedienst X. Die „New York Times“ berichtete unter Verweis auf Analysen der Satellitenaufnahmen durch das Unternehmen Orbital EOS, dass sich der Ölteppich am Donnerstag auf mehr als 50 Quadratkilometer erstreckte. Dem Bericht zufolge könnte es sich um „mehr als 3000 Barrel Öl“ handeln. CEOBS zufolge treibt der Ölteppich in Richtung Süden.
Die im Norden des Persischen Golfs gelegene Insel Charg ist der wichtigste iranische Ölterminal, über den normalerweise 90 Prozent des Rohöls aus dem Land umgeschlagen werden. Ende März hatte US-Präsident Donald Trump gedroht, die Insel zu „vernichten“, sollte der Iran die Straße von Hormus nicht wieder für den Schiffsverkehr freigeben.
03:51 Uhr – Katars Regierungschef fordert bei Treffen mit Vance Wiederbelebung der Iran-Verhandlungen
Der katarische Regierungschef Mohammed bin Abdelrahman Al-Thani hat bei einem Treffen mit US-Vizepräsident J.D. Vance in Washington eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen für ein Ende des Iran-Kriegs gefordert. Al-Thani habe bei dem Treffen betont, dass sich „alle Parteien an den laufenden Vermittlungsbemühungen beteiligen müssen, um den Weg zu ebnen für die Bekämpfung der Ursachen der Krise durch friedliche Mittel und Dialog“, teilte das katarische Außenministerium am Freitag im Onlinedienst X mit.
Ziel sei ein „umfassendes Abkommen, das dauerhaften Frieden in der Region gewährleistet“, sagte al-Thani dem Ministerium zufolge.
02:58 Uhr – Neue Iran-Sanktionen treffen chinesische Firmen
Wenige Tage vor dem geplanten Treffen von Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping treffen neue Iran-Sanktionen der USA auch mehrere chinesische Unternehmen. Sie hätten eine Rolle bei der Beschaffung von Waffen sowie Bauteilen für das iranische Drohnen- und Raketenprogramm gespielt, teilte das US-Finanzministerium mit. Weitere betroffene Unternehmen kommen unter anderem aus Belarus und den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Die Unterstützung aus China für den Iran ist ein Spannungspunkt im Verhältnis zwischen Washington und Peking. So sind etwa chinesische Raffinerien ein führender Käufer von Erdöl aus dem Iran. Das Iran-Thema dürfte neben dem Handelskonflikt eine wichtige Rolle bei dem für kommende Woche angesetzten Treffen von Trump und Xi in Peking spielen.
02:34 Uhr – US-Blockade setzt iranischer Ölindustrie zu
Mit seiner Sperrung der Straße von Hormus setzt der Iran Staaten auf der ganzen Welt zu, die auf Öl und Flüssiggas aus der Region angewiesen sind. Doch Teherans eigene Ölindustrie leidet ebenfalls zunehmend unter der US-Blockade, die den Export von gefördertem Öl verhindert. Da zugleich die Kapazitäten für eine Lagerung im Inland schrumpfen, könnte der Iran gezwungen sein, seine Ölproduktion stark zu reduzieren oder in einigen Fördergebieten sogar einzustellen.
Die Analysefirma Kpler geht davon aus, dass das Land noch über Kapazitäten verfüge, um die Ölfördermenge von zwei Wochen einzulagern – selbst nach einer Reduzierung des Outputs. „Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Umsatz sind zwar begrenzt, aber operative Restriktionen erzwingen jetzt Produktionskürzungen und ziehen einen verzögerten, doch beträchtlichen finanziellen Engpass nach sich“, schreibt Kpler-Analyst Homayoun Falakshahi.
Eine andere Öl-Analysefirma, Wood Mackenzie, schätzt, dass dem Iran in etwa drei Wochen die Lagerkapazität ausgehen dürfe. „Wenn die Blockade andauert, werden Kürzungen unausweichlich“, erklärt Alexandre Araman von Wood Mackenzie. Durch Abschaltungen von mehr als einem Monat drohten langfristige Schäden.
02:28 Uhr – Trump erwartet „heute Abend“ Antwort von Teheran auf US-Vorschlag
US-Präsident Donald Trump hat eigenen Angaben zufolge noch am Freitagabend (Ortszeit) mit einer Antwort des Iran auf den jüngsten US-Vorschlag für ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs gerechnet. „Ich erhalte angeblich heute Abend einen Brief, also werden wir sehen, wie das läuft“, sagte Trump am Freitag vor dem Weißen Haus zu Journalisten.
Die iranische Regierung prüfte eigenen Angaben zufolge einen neuen Verhandlungsvorschlag der USA. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmail Bakaei, erklärte, Teheran werde seinen Standpunkt dem Vermittler Pakistan „nach Abschluss seiner Beratungen“ übermitteln.
Medienberichten zufolge liegt bislang ein einseitiges Memorandum aus Washington vor, auf dessen Grundlage über eine umfassende Friedenslösung weiter verhandelt werden soll. Als Bedingung für eine Einigung nannte Trump den Verzicht der Islamischen Republik auf Atomwaffen.
Laut dem Nachrichtenportal Axios sieht die Vereinbarung vor, dass sich der Iran zu einem Moratorium für die Urananreicherung verpflichtet und die USA im Gegenzug eingefrorene iranische Gelder in Milliardenhöhe freigeben. Dem Bericht zufolge setzte Trump dem Iran eine 48-stündige Frist zur Einigung auf die Kernpunkte.
01:25 Uhr – Katar ermahnt Kriegsparteien: Verhandlungen als Chance für Frieden
Nach den jüngsten militärischen Konfrontationen zwischen den USA und dem Iran ruft Katar alle Kriegsparteien auf, sich auf Vermittlungsbemühungen einzulassen. Das habe Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani bei einem Treffen mit US-Vizepräsident JD Vance in Washington betont, wie das katarische Außenministerium auf der Plattform X mitteilte. Die Verhandlungen könnten zu einem umfassenden Abkommen für dauerhaften Frieden in der Region führen, hieß es weiter.
In der katarischen Mitteilung hieß es weiter, beide Seiten hätten die pakistanischen Vermittlungsbemühungen erörtert, die auf eine Deeskalation der Spannungen abzielten. Aktuell wartet das Weiße Haus auf eine Reaktion des Irans auf eine vorgeschlagene Absichtserklärung. Deren Ziel ist es unter anderem, einen Rahmen für zunächst 30 Tage dauernde Verhandlungen zu schaffen, um den Krieg zu beenden. Diskutiert werden Medienberichten zufolge auch eine Lockerung von US-Sanktionen sowie Vereinbarungen zur Zukunft der Straße von Hormus. Zudem soll eine Grundlage für Verhandlungen über Irans umstrittenes Atomprogramm geschaffen werden. Irans Regierung hatte am Donnerstag mitgeteilt, man prüfe einen Vorschlag aus den USA.
AFP/dpa/ceb/krott