In Berlin und Brandenburg lebten 2025 laut Mikrozensus rund 832.000 Mütter. Die Daten, die das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg vor dem Muttertag veröffentlicht hat, zeichnen ein Bild deutlicher Ungleichgewichte bei Erwerbstätigkeit, Elterngeldbezug und Geburtenentwicklung.
Besonders auffällig ist die Diskrepanz beim Teilzeitanteil: In Berlin arbeiteten erwerbstätige Mütter nahezu gleich häufig in Voll- wie in Teilzeit. In Brandenburg gingen rund 47 Prozent der erwerbstätigen Mütter einer Teilzeitstelle nach. Väter hingegen arbeiteten deutlich seltener verkürzt – lediglich 18 Prozent in Berlin und zehn Prozent in Brandenburg. Bemerkenswert: Frauen ohne Kinder im Haushalt arbeiten seltener in Teilzeit als Mütter, während es bei Männern umgekehrt ist – Väter greifen also weniger auf Teilzeit zurück als kinderlose Männer.
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Auch beim Elterngeld zeigt sich ein unausgewogenes Bild. In beiden Bundesländern war die Zahl der Frauen, die 2025 Elterngeld bezogen, mehr als doppelt so hoch wie die der Männer. Berliner Mütter erhielten das Elterngeld im Schnitt 12,9 Monate lang – fast dreimal so lang wie Väter mit 4,5 Monaten. In Brandenburg lag die Bezugsdauer der Väter bei 3,2 Monaten, die der Mütter ebenfalls bei 12,9 Monaten. Die Bezugsdauer der Berliner Väter liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 3,3 Monaten.
Beim monatlichen Elterngeldanspruch spiegelt sich der Gender Pay Gap wider: Väter hatten in beiden Ländern einen höheren Anspruch als Mütter. In Berlin betrug der Unterschied vier Prozent, in Brandenburg zwölf Prozent, bundesweit sogar 34 Prozent. Berliner Mütter beanspruchten im Schnitt 1168 Euro monatlich und lagen damit über dem Bundesdurchschnitt von 1029 Euro.
Alleinerziehende sind überwiegend weiblich: Ihr Anteil lag 2025 in Berlin bei 81 Prozent, in Brandenburg bei 78 Prozent.
Unterdessen sinken die Geburtenzahlen weiter. Berlin verzeichnete 2024 mit rund 33.700 Geburten den tiefsten Stand seit zehn Jahren; Brandenburg mit 15.100 Lebendgeborenen sogar den niedrigsten Wert seit 1995. Für 2025 wird ein weiterer Rückgang erwartet.
Zugleich steigt das Alter bei der ersten Geburt: Berliner Erstgebärende waren 2024 im Schnitt 31,2 Jahre alt, gut ein Jahr älter als noch 2015. Die Geburtenziffer je Frau lag 2024 in Berlin bei 1,20, in Brandenburg bei 1,33 – und sinkt in beiden Ländern seit 2015 nahezu kontinuierlich.
Muttertag wird in mehr als 40 Ländern gefeiert
Der Muttertag als Feiertag zu Ehren der Mütter wird immer am zweiten Maisonntag in mehr als 40 Ländern begangen. Er geht zurück auf die amerikanische Methodistin Ann Jarvis. Ab 1907 kämpfte sie für einen Mütter-Ehrentag. Anlass war der erste Todestag ihrer eigenen Mutter.
US-Präsident Thomas Woodrow Wilson erklärte 1914 per Gesetz den Muttertag zum offiziellen Staatsfeiertag. In Deutschland wurde der neue Brauch vor allem durch die Förderung des Verbandes Deutscher Blumenhändler nach dem Ersten Weltkrieg übernommen; die weiße Nelke galt damals als Symbol des Muttertags.
Vereinnahmt von den Nazis
Die Nationalsozialisten machten den Muttertag 1934 erstmals zum offiziellen Staatsfeiertag; sie vereinnahmten ihn für ihren Mutterkult. Von 1939 an zeichneten sie am „Tag der deutschen Mutter“ kinderreiche Frauen mit dem Mutterkreuz aus.
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Seit 1950 wirbt das von der Frau des ersten deutschen Bundespräsidenten, Elly Heuss-Knapp, gegründete Müttergenesungswerk am Muttertag für seine Anliegen und Spenden. Heutzutage profitieren vor allem die Blumenhändler von dem Gedenktag. Nach Schätzungen des Fachverbands Deutscher Floristen beträgt der Umsatz an diesem Termin ein Drittel mehr als an anderen Tagen. (mit AFP)