Peter Karst, Conrad Vinken, Wiebke Schepelmann, Eva Bender, Moderator Oliver Kuklinski, Sinja Münzberg und Belit Onay. Nicht auf dem Bild aber dabei waren: Mizgin Cifti und Bruno Adam.
Bei der Podiumsdiskussion „Verkehrspolitik: Es geht auch anders?!“ hat sich das Bündnis WESTprotest als vierte starke Stimme für eine nachhaltige Verkehrspolitik in Hannover und der Region präsentiert. Und die ist gewollt, das zeigte der große Zulauf zur Debatte mit den Kandidat*innen für die Positionen Oberbürgermeister und Regionspräsident. Eingeladen in die Aula des Gymnasiums Limmer hatte das Bündnis aus Linden-Süd mit den schon länger im Thema aktiven Partnern BUND Region Hannover, der ADFC Region Hannover und dem Kreisverband Hannover des Verkehrsclubs Deutschland.
Alle Stühle besetzt in der Aula des Gymnasiums Limmer
Zwei Konzepte ein Ziel
Die Veranstalter
Mit ihrem Ausflug in die Fahrradstädte Utrecht, Konstanz, Seoul und Paris hatten die Verkehrsplaner Conrad Vinken und Wiebke Schepelmann die Messlatte für Eva Bender (SPD), Sinja Münzberg (Bündnis 90/Die Grünen), Belit Onay (Bündnis 90/Die Grünen), Peter Karst (CDU), Mizgin Cifti (Die Linke) und Bruno Adam Wolf (Piraten) hoch gehängt. Denn Hannover und die Region setzen sich zwar engagiert für eine nachhaltige Verkehrswende ein, wollen Menschen und Radverkehr mehr Raum geben, die Innenstädte klimafreundlicher gestalten und den öffentlichen Nahverkehr verbessern. Doch beim Abschied von den autofreundlichen Planungen aus der Vergangenheit geht noch mehr.
Push- und Pull-Angebote in Stadt und Region
Nur im Schulterschluss der 21 Kommunen in der Region ist die nachhaltige Verkehrswende für die Menschen machbar. Denn wenn die rund 180.00 pendelnde Berufstätige nicht verlässlich und zügig mit Bahn oder Bus nach Hannover kommen können, bleibt es beim Privatauto. „Wenn die S-Bahnen immer wieder ausfallen, kann ich Berufstätigen nicht auch noch sagen, dass es in Hannover für sie keinen Parkplatz gibt“, sagte Eva Bender. Die Kandidatin als Regionspräsidenten setzt sich für eine rasche Verpflichtung der Bürgermeister zur gemeinsamen Umsetzung des „Aktionsprogramm Verkehrswende“ 2035 ein und will die Zusammenarbeit der Fachleute aus den Kommunen, damit abgestimmte Konzepte entstehen, ausbauen.
Westschnellweg auf Tisch
Initiator und Mahner
Oberbürgermeister Belit Onay fiel die Doppelrolle des Initiators und Mahners zu. Denn als einziger der Kandidat*innen hat er praktische Erfahrungen mit der Umsetzung vereinbarter Verkehrswende-Konzepte. Er habe schon manchen Protest von Ladenbesitzern erlebt, wenn er vor einem Geschäft zwei öffentliche Parkplätze auflösen wolle. „Dabei hat niemand ein Anrecht auf öffentliche Parkplätze und meist finden sich in der Nähe Alternativen für autofahrende Kunden.“ Er bleibe aber bei seinem Kurs, die Innenstadt autofreier zu gestalten. Strittige Themen wie die Kontroverse zwischen der BI Wasserstadt und der Verwaltung wegen der Wunstorfer Straße waren kein Thema am Abend. Die Stadt hat den Wunsch der BI, eine durchgängige Tempo 30 Zone dort einzurichten, abgelehnt.
Seoul-Paris-Utrecht-Konstanz
Erklärtes Ziel Utrechts ist es, dem Rad- und Fußverkehr sowie den öffentlichen Verkehrsmitteln Vorrang einzuräumen – und das funktioniert: Täglich sind 125.000 Menschen per Rad in der Innenstadt unterwegs. Im größten Parkhaus der Welt am Hauptbahnhof finden 12.500 Fahrräder Platz.
Die Stadt Konstanz gehört zu den Städten mit dem höchsten Radverkehrsanteil in Deutschland. Der Masterplan Mobilität Konstanz 2020+ setzt konsequent auf die Strategie des „Push and Pull“, damit Konstanz auch in Zukunft attraktiv für Bürgerinnen und Bürger, einpendelnde Beschäftigte, Auszubildende und Studierende, BesucherInnen und Touristen bleibt. Oberstes Ziel bleibt dabei, in der Stadt eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität zu gewährleisten und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung zu beeinträchtigen.
Velos haben auch in Paris Unterstützung des Rathauses. 1000 Kilometer Radwege wurden seit 2014 ausgebaut. Der aktuelle „Fahrrad-Plan“ von 2021 bis 2026 mit einem Budget von mehr als 250 Millionen Euro sieht 180 Kilometer weitere Extra-Spuren vor. 130.000 zusätzliche Parkmöglichkeiten sollen entstehen, darunter 40.000 besonders gesicherte Plätze.
Das urbane Stadtgebiet im Zentrum von Seoul hat einen 983 Meter langen öffentlichen Grünraum erhalten. Der Stadtgarten war zwischen 1970 und 2017 eine innerstädtische Autobahn. Die hängenden Gärten dort haben den Namen »Seoullo« (Skygarden) bekommen.
Eine Dokumentation der Podiumsdiskussion mit den Beiträgen der Teilnehmenden wird demnächst auf der Homepage von Westprotest eingestellt.