Alle diskutieren über die gegenwärtigen Probleme des Flughafens Leipzig/Halle, die Finanzlage und die hohe Lärmbelastung gerade durch den nächtlichen Frachtflugverkehr. Aber wie lange funktioniert dieses Modell Frachtflughafen eigentlich noch, wenn auch die Flughäfen und die Flugzeugflotten in wenigen Jahren klimaneutral sein müssen? Noch gibt es dafür weder die geeigneten Flugzeuge noch den klimaneutralen Treibstoff. Ein Thema, das Peter Büscher aus Schkeuditz-Wolteritz umtreibt. Er hat seine Fragen in einem Leserbrief artikuliert.

Er bezieht sich dabei auf den Gastartikel von Heiner Reimann, in dem sich dieser mit den aktuellen Schwächen des Flughafenbetriebs beschäftigte.

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Der Leserbrief

Ich würde dem Autor des Beitrags „Destination LEJ: Eine andere Flughafenpolitik muss möglich sein“ vorschlagen, die Sache vom Ende her anzugehen. Ab 2045 soll (muss) der Flugverkehr klimaneutral (einschließlich der Nicht-CO₂‑Effekte) funktionieren. Da a) Kerosin auch mit e-SAF Anteilen nicht klimaneutral sein wird b) die Nicht-CO₂-Effekte nur schwer zu verhindern sein werden c) H-Flugzeuge bis 2045, wenn überhaupt, nur in kleiner Stückzahl vorhanden sein werden d) reine e-Flugzeuge für den Großteil des Flugverkehrs nicht zur Verfügung stehen werden, benötigen wir für den dann noch stattfindenden Flugverkehr (einschließlich Frachtflugverkehr) viel weniger Flughäfen als bisher.

Leipzig wird sicherlich nicht zu den verbleibenden Flughäfen gehören. Also: keine zusätzlichen Steuergelder in die Aufrechterhaltung/Expansion des Flughafens Leipzig-Halle stecken – vielmehr sollten die jetzigen Nutzer des Flughafens die vollen Kosten des Flughafens mit ihren Ticketpreisen bzw. Start- und Landegebühren tragen.

Vielleicht reduziert sich durch diese Preissignale die Nachfrage nach Flugverkehren von selbst.
Der Autor bezieht sich ausschließlich auf die Klimawirkungen des Flugverkehrs und blendet die Gesundheitsgefährdungen durch Lärm und Verschmutzung völlig aus.

Die Anwohnenden werden sich bedanken, wenn, wie der Autor vorschlägt, die „Tagesrandstunden“ durch zusätzliche Passagierverkehre, die sich meistens in die Nacht verschieben,  noch mehr verlärmt werden.

Und die Übernahme der von der Flugindustrie sattsam bekannten und verlogenen Narrative vom kulturellen Austausch und völkerverbindenden Dialogen durch Flugverkehr geht mir so auf den Senkel, dass ich sie nicht mehr hören kann.

Ich bleibe dabei: Die Luftverkehrsbranche muss aus Gründen des Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes ihren Wachstumskurs schnellstmöglich verlassen, und dafür wäre ein Ausbau der Tourismusverkehre vom Flughafen Leipzig-Halle das denkbar schlechteste Signal.

Peter Büscher