Anfang Juni startet die Saison für feine Klänge mit ihrem jährlichen Großereignis High End. Die schönsten Plattenspieler, die raffiniertesten Streamer, die mächtigsten Lautsprecher präsentieren sich dann wieder auf der traditionsreichen Fachmesse vor den Ohren der Audiophilen, und zwar diesmal in Wien. Ihren gewohnten Standort München haben die Veranstalter aufgegeben. Das macht die Schau der schönen Töne in diesem Jahr für alle Beteiligten besonders spannend, und wir bekamen Lust, uns schon ein wenig einzustimmen. Dazu kam uns ein neues Gerät der badischen Manufaktur AVM gerade recht, ein Elektronikbaustein, der uns mit seinem chromglänzenden Gehäuse ein wenig an die frühen Design-Traditionen des Hauses Burmester erinnerte.

Seiner Funktion nach ist der CS 8.3 S genannte Apparat eine Komplettanlage: Streamer, Vorverstärker samt Phono-Vorstufe, CD-Laufwerk, Leistungsverstärker – alles, wofür ambitionierte High-Ender früher aus puristischer Überzeugung etliche Einzelkomponenten stapelten, steckt in diesem einen Baustein. Ist das denn überhaupt noch Edel-Hi-Fi?

Mechanik offenbart sich

Zweiflern empfehlen wir einen Blick auf das Preisschildchen. Dort steht ein Betrag knapp oberhalb von 20.000 Euro. Das brachte uns ein wenig ins Grübeln: Mit welchen Qualitäten muss ein Gerät denn aufwarten, um diese Tarifklasse zu rechtfertigen? Mit seinem gediegenen Äußeren beeindruckt der flache, aber gewichtige Bau schon mal, auch mit den ersten haptischen Eindrücken, die sein Betreiber gewinnt, wenn er an den dicken Knöpfen für Lautstärke und Quellenwahl kurbelt. Es offenbart sich, keine Frage, Mechanik vom Feinsten.

Wichtiger aber ist ein Blick auf die Rückseite. Dort versammelt sich eine Auswahl an Schnittstellen, die keine Wünsche übrig lässt. Die Vorstufen der Verstärker-Sektion lassen sich zum Beispiel nach Profi-Art über symmetrische Anschlüsse bespielen. Symmetrische Buchsen dienen auch als Vorverstärker-Ausgänge. Für den asymmetrischen Signaltransfer halten sich die üblichen Cinch-Buchsen als Alternativen bereit.

Symmetrisch, asymmetrisch oder per Funk: Anschlüsse der Kompaktanlage CS 8.3 S von AVMSymmetrisch, asymmetrisch oder per Funk: Anschlüsse der Kompaktanlage CS 8.3 S von AVMAVM

Digitale Signale finden über zwei koaxiale und zwei weitere optische Eingänge Zugang zum System, entsprechende Digitalausgänge gibt es ebenfalls. Soll ein Fernseher mitspielen, so bietet sich die Verdrahtung über die eingebaute HDMI-Buchse an. Sie nimmt den digitalen Ton über den Audio-Rückkanal vom Bildschirmgerät entgegen. Mobile Geräte können an der USB-C-Schnittstelle andocken, aber sie dürfen natürlich drahtlos über Bluetooth mitspielen. Die Streamingsektion der Anlage verbindet sich mit der Netz-Welt über die LAN-Buchse oder drahtlos über W-LAN.

Ein paar Details aus dem Innenleben der Anlage fanden wir besonders interessant, etwa die Art der Digital-Analog-Wandlung: AVM setzt hierzu ein steckbares Modul aus vier Wandlerchips je Kanal ein, die parallel arbeiten und somit jede Ungenauigkeit kompensieren können. Der Charme dieser Lösung: Die komplette Wandler-Gruppe lässt sich mit einem Handgriff austauschen, wenn der Markt eines Tages Wandler mit noch größeren Fähigkeiten hergibt.

Man kann in die Röhre gucken

Gleich nach der Wandlerstufe durchlaufen die Musiksignale eine kleine Röhren-Vorstufe, die für eine gewisse Wärme im Klangbild sorgen soll. Die Röhren leuchten nicht nur aus innerem Antrieb: AVM hat ihnen ein kleines LED-Lichtchen zur Seite gestellt, das, vielleicht ein bisschen selbstironisch, auf die Retro-Baugruppe aufmerksam machen soll. Eindrucksvoller fanden wir den Technikbeitrag der Phonostufe: Die App zum System kann ihre Anschlussparameter für MC- und MM-Tonabnehmer jedweder Bauart justieren: Je sieben Impedanzwerte und kapazitive Lasten stehen zur Wahl. Die Hauptaufgabe der App aber ist natürlich die Musikauswahl aus dem Universum der Streamingdienste und aus dem Angebot der angeschlossenen Geräte. Dazu präsentiert sie eine übersichtliche, einfach zu bedienende Oberfläche.

Für einen konzertanten Testauftritt verkabelten wir die Anlage mit den Lautsprechern SN70 von Fischer & Fischer, die, wie alle Schallwandler des Herstellers, in einem schweren Schiefergehäuse stecken. Sie erwiesen sich als großartige Spielpartner, konnten sie doch die ganze Dynamik aus den mehr als 500 Watt starken AVM-Endstufen souverän in den Hörraum wehen und gleichzeitig die ganze akribische Detailfreude aus den Elektronikabteilungen des Systems reproduzieren. So geht High End, dachten wir und beschlossen, alle Gedanken über das Preisschildchen einfach einer passenden Kundschaft zu überlassen.