Am Samstagvormittag (9. Mai) um Punkt 11 Uhr bebt in Gelsenkirchen die Erde. Zwei gigantische Kühltürme des alten Uniper-Kraftwerks im Stadtteil Scholven verschwinden dann endgültig aus dem Stadtbild. Mit gewaltigen Sprengladungen bringen Experten die 114 Meter hohen Bauwerke gleichzeitig zum Einsturz.
Dabei sollen die rund 15.000 Tonnen schweren Betonriesen der Blöcke D und E präzise aufeinander zukippen. Müssen Bewohner ihre Wohnungen verlassen?
📌 Gelsenkirchen
- Wie viele Menschen wohnen in Gelsenkirchen? Rund 265.000 bis 268.000 Einwohner
- Vielfalt: In der Stadt leben Menschen aus über 130 Nationen.
- Stadtteile: Der Stadtteil mit der größten Fläche und den meisten Einwohnern ist Buer.
- Struktur: Gelsenkirchen gehört zum Regierungsbezirk Münster und gilt als kleine Großstadt.
Gelsenkirchen: Trotz Sprengung – keine Evakuierung
Einst galt die Anlage in den 1960er Jahren als das größte Steinkohle-Kraftwerk in ganz Deutschland. Mit dem schrittweisen Abschied von der Kohle legte der Betreiber die meisten Blöcke jedoch nach und nach still. Bereits in den Jahren 2008, 2015 und 2025 machten Sprengmeister drei andere Kühltürme sowie diverse Industriegebäude auf dem riesigen Areal dem Erdboden gleich.
Für die spektakuläre Aktion richten die Verantwortlichen einen strengen Sperrbereich von 300 Metern rund um die Türme ein. Mehrere Straßen in der direkten Umgebung sperrt die Polizei für den Verkehr komplett ab. Trotz der enormen Sprengkraft müssen die Behörden allerdings keine Wohnhäuser evakuieren. Alle Anwohner dürfen während des Abrisses sicher in ihren eigenen vier Wänden bleiben.
Neue Pläne für das Kraftwerksgelände
Völlig verschwindet die Kohleverstromung aus Scholven aber vorerst nicht. Die Behörden stuften die beiden verbliebenen Blöcke B und C als systemrelevant für die Energieversorgung ein. Bis zum Jahr 2031 bleiben diese Anlagen weiterhin am Netz. Sie sollen das Stromnetz immer dann stabilisieren, wenn Wind- und Solaranlagen zu wenig Energie liefern.
Auf der frei werdenden Fläche in Gelsenkirchen plant Uniper in den kommenden Jahren den Bau einer modernen Turbinenanlage. Diese soll zunächst Strom aus Gas erzeugen. In der Zukunft könnte die Anlage laut Angaben des Unternehmens sogar mit klimafreundlichem Wasserstoff laufen. Dadurch behält der Standort Scholven seine wichtige Rolle für die regionale Stromversorgung und den Übergang zu erneuerbaren Energien.
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