Am 8. Mai 1945 unterzeichnete der deutsche Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel in Berlin-Kalkhorst die Urkunde, die die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht und gleichzeitig das Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland bedeutete. Ein Tag, der gleichzeitig das Ende des Nazi-Terrors markierte. Ein Datum, das der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker als „Tag der Befreiung“ bezeichnete und das auch 81 Jahre später als Anlass zum Gedenken und zur Mahnung diente.

Schweigeminute
für Bombenopfer

Wie in jedem Jahr, und nun schon zum 41. Mal, war der Friedhoff Norrenberger Straße und hier die Gedenkstätte der Gräber der 184 verstorbenen russischen und polnischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Ort der Besinnung. Die evangelische Kirchengemeinde Langerfeld hatte eingeladen, und Gemeindepfarrerin Judith Denker führte auch durch die würdige Feier, bei der die rund 30 Besucherinnen und Besucher auf dem Weg zur Feierstunde eine Schweigeminute für die Opfer der Bombenangriffe in Heckinghausen einlegten. Am Ort des Geschehens hatte sich schon nach Vorarbeit der Vorbereitungsgruppe mit Jochen Vogler die Gamshornbläsergruppe Carmina venti versammelt, die das Gedenken auf ihren außergewöhnlichen Instrumenten musikalisch begleitete. Judith Denker bat zunächst Oberbürgermeisterin Miriam Scherff um ihren Wortbeitrag. Das Stadtoberhaupt sah im 8. Mai 1945 das Ende der beispiellosen Nazidiktatur mit ihren unbeschreiblichen Untaten an Minderheiten und Andersdenkenden und erteilte denen, die einen Schlussstrich unter die unselige Vergangenheit ziehen wollen, eine deutliche Absage. Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass Kriege nur im Interesse weniger, aber nicht für die Menschen geführt würden. „Angesichts der zivilen Opfer der derzeitigen Konflikte dürfen wir Kriege nie als Alltag akzeptieren“, so Miriam Scherff. Deutlich sagte sie: „Krieg ist niemals eine Alternative zum Frieden“ und „Es hat lange gedauert, bis die Bedeutung des 8. Mai 1945 ins Bewusstsein der Menschen gedrungen ist.“ Die Oberbürgermeisterin rief zur Wachsamkeit gegen Ausgrenzung von Minderheiten und zur Solidarität in einem friedlichen Miteinander auf, ehe sie das Mikrofon weitergab an den Heckinghauser Bezirksbürgermeister Stefan Kühn.

Kühn sprach vor den niedergelegten Kränzen der meisten im Rat vertretenen Parteien, von den 40 Millionen Toten, die der von den Nazis angezettelte 2. Weltkrieg gefordert hatte, vom unvorstellbaren Grauen und den Kriegsverbrechen vorwiegend an der Zivilbevölkerung und von der Befreiung vom Hitler-Regime. Den ersten Satz des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, erweitere Kühn durch den Zusatz „Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar“ und appellierte an die Umstehenden, nicht nur den 8. Mai als Tag der Mahnung zu betrachten, sondern sich an 365 Tagen im Jahr an diesen Anlass zur Besinnung zu erinnern. Nach einem weiteren Musikstück der Gruppe Carmina venti erzählte die Autorin Marina Jenkner die bewegende Geschichte von „Opa Albrecht“, der als schwer Verwundeter in Russland von einer barmherzigen Russin gefunden und voller unvoreingenommener Nächstenliebe gesund gepflegt wurde. Ein Beispiel für Empathie frei von Freund-Feind-Denken. Auch Felix Wiese von der Kreisvereinigung Wuppertal der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, dem Bund der Antifaschisten, kam zu Wort und erinnerte daran, dass auch nach dem Krieg Anhänger oder stille Dulder der Nazi-Diktatur an einflussreicher Stelle in der jungen Bundesrepublik Deutschland tätig gewesen seien und rief zur Wachsamkeit und zum Widerstand gegen jegliche Anfänge eines neuen Faschismus auf.

Unterschiedliche
Gedenktage

Superintendentin Katharina Pött stellte in ihrem Beitrag fest, dass Krieg nie mit dem ersten Bombenabwurf, sondern viel früher beginnt, nämlich mit offensichtlichem Unrecht, Unfrieden und Ausgrenzung. „Krieg soll nach dem Willen Gottes nicht sein“, war die These, die Katharina Pött nachdrücklich betonte, ehe sich die Versammlung auflöste.

Während man sich in Westeuropa eher still und nachdenklich an den 8. Mai 1945 erinnert, wird in Moskau am 9. Mai des Kriegsendes jährlich mit einer militärischen Siegesparade gedacht. Die Unterzeichnung zur bedingungslosen Kapitulation durch Wilhelm Keitel in Berlin erfolgte am 8. Mai 45 um 23.01 Uhr, zu einer Stunde also, in der es wegen der Zeitverschiebung in Moskau schon nach Mitternacht, also schon der 9. Mai war.