Viel zu sehen gab es auf dem Roten Platz in diesem Jahr nicht.

Viel zu sehen gab es auf dem Roten Platz in diesem Jahr nicht.

Foto: AFP/ALEXANDER NEMENOV

Viel Aufregung um fast nichts. Nachdem Russland und die Ukraine sich im Vorfeld des 9. Mai eine Propagandaschlacht samt gegenseitiger Vernichtungsfantasien geliefert hatten, vermittelte US-Präsident Donald Trump am Freitag eine dreitägige Waffenruhe, damit Russland seine traditionelle Parade zum Tag des Sieges über Nazideutschland abhalten konnte.

Die fiel aus Sicherheitsgründen kleiner und langweiliger aus als sonst. Keine Panzer und Raketen und zwei Drittel weniger marschierende Soldaten als 2024. In seiner Rede zog Präsident Wladimir Putin erneut Parallelen zwischen dem Großen Vaterländischen Krieg und dem Ukraine-Krieg. Er zeigte sich überzeugt, den aktuellen Krieg doch gewinnen zu können. »Ich bin fest davon überzeugt: Unsere Sache ist gerecht, wir stehen zusammen, der Sieg war immer und wird immer auf unserer Seite sein«, sagte Putin auf dem Roten Platz.

Verbindung zwischen Weltkrieg und Ukraine-Krieg

Die russische Armee werde bei ihrem Einsatz in der Ukraine heute inspiriert von der »Generation der Sieger« im Zweiten Weltkrieg, meinte der Kreml-Chef. »Sie stellen sich einer aggressiven Macht entgegen, die vom gesamten Nato-Block bewaffnet und unterstützt wird«, sagte Putin. Trotz der westlichen Unterstützung »marschieren unsere Helden vorwärts.«

Russische Beobachter sprachen von einer absolut leeren Rede, die keinerlei Botschaft aussende. Lediglich zum Ende seiner kurzen Ansprache wurde Putin emotional und sogar sehr wütend.

Videos ersetzen Waffenschau

Im Anschluss an Putins Rede bekamen die Zuschauer anstelle der üblichen Waffenschau ein siebenminütiges Video zu sehen mit der neuesten Militärtechnik aus dem Ukraine-Krieg.

Man habe sich für Videos entschieden, traue sich aber nicht, die Technik auf dem Roten Platz zu zeigen, merkte Kirill Martynow, Chefredakteur der »Nowaja Gaseta Jewropa« im Fernsehsender »Doschd« an. Zudem zeigten die Videos eine neue Tendenz. Normalerweise werde am 9. Mai erinnert. Die Technik solle zeigen, dass man friedlich sei, sich aber wehren könne. Die jetzt gezeigte Technik zeige hingegen die Bereitschaft zu kämpfen, ordnet Martynow ein.

Bereitet sich Moskau auf Kriegsende vor?

Der Krieg in der Ukraine ist momentan beinahe zum Stillstand gekommen. Keine Seite kann nennenswerte Geländegewinne erzielen. Auch diplomatisch bewegt sich seit dem Beginn des Iran-Kriegs nichts mehr. Nun vermittelte Trump zumindest einen neuen Austausch von jeweils 1000 Kriegsgefangenen – verbunden mit der Botschaft: »Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Kriegs.« Die Gespräche über ein Ende des Kriegs – »des größten seit dem Zweiten Weltkrieg« – gingen weiter, schrieb Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social.

Angesichts hoher Verluste und den zunehmend spürbaren Auswirkungen auf die Wirtschaft scheint man sich im Kreml mittlerweile Gedanken über ein Ende zu machen. Wie das Zentrum »Dossier« herausfand, wurde in der Präsidialverwaltung bereits im Februar damit begonnen, ein »Bild des Sieges« auszuarbeiten – Propaganda-Narrative, mit deren Hilfe den Russen ein Friedensabkommen mit der Ukraine »verkauft« werden könne.

Zu den Vorschlägen gehört laut »Dossier« die radikalsten Kriegs-Blogger dazu zu zwingen, öffentlich »umzuschwenken«, die Tötung ukrainischer Soldaten auf dem Schlachtfeld als »Entnazifizierung« zu bezeichnen und darauf zu bestehen, dass Russland nie vorhatte, Kiew einzunehmen. Medial sollen vor allem wirtschaftliche Erfolgsgeschichten über Unternehmen, denen es dank der Sanktionen gelungen sei, neue Märkte zu erschließen, verbreitet werden. Zudem plant man, ein »kontrolliertes Tauwetter« in Film und Literatur zu veranstalten, politischen Humor wieder ins Fernsehen zu bringen, das Wort »Frieden« zu rehabilitieren und sogar eine begrenzte Amnestie durchzuführen. Die Internetblockaden hingegen sollen bleiben.