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Frankfurt – Das ging ihm sichtlich nah! Als am späten Freitagabend die 2:3-Pleite von Eintracht Frankfurt bei Borussia Dortmund besiegelt war, konnte Jonathan Burkardt (25) seine Gefühle nicht mehr zurückhalten. Der Angreifer war völlig aufgelöst. Ihm schossen die Tränen in die Augen. Immer wieder vergrub er sein Gesicht, mal in einer Jacke, mal in den Händen. Burkardt war am Boden zerstört. Die Mitspieler, vor allem Torwart Michael Zetterer (30), mussten ihn trösten. Es war offensichtlich: Die Eintracht-Lage nimmt ihn richtig mit.
Nagelsmann schaut zu – Burkardt auch
Doch von vorn: Spielen durfte Burkardt in Dortmund erst ab der 82. Minute. Selbst als Frankfurt 1:3 hinten lag und Albert Riera (44) in der 77. Minute mit Arnaud Kalimuendo (24) den einzigen Stürmer vom Feld nahm, brachte er ihn noch nicht. Der nächste herbe Rückschlag für Frankfurts Top-Torjäger. Vor allem, weil unter den über 80 000 Zuschauern auch Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) saß. Burkardt wusste: Bei der letzten Chance, seine Mini-Hoffnungen auf die WM noch anzufeuern, schmorte er zu lange auf der Bank.
Nicht nur die persönliche Situation geht ihm nah. Seit Kindestagen ist Burkardt Eintracht-Fan. Er brennt darauf, seinem Herzensklub aus der schwierigen Lage herauszuhelfen. Will unbedingt mit Frankfurt nach Europa. In so einem Spiel so lange zusehen zu müssen, wird den hoch ehrgeizigen Angreifer förmlich aufgefressen haben.

Michael Zetterer (30/l.) und Jean-Matteo Bahoya (21/r.) trösten Burkardt
Foto: picture alliance/HMB Media
Gefühlsausbruch nach Joker-Tor
Als er dann auf dem Feld war, dauerte es nur Minuten, bis Burkardt traf. In der 87. Minute schob er zum 2:3 ein. Schon direkt nach seinem 11. Saisontor (mit Abstand Bestwert bei Eintracht) sprudelten die Emotionen aus ihm raus. Burkardt schnappte sich den Ball und rannte zurück in die eigene Hälfte, schrie und gestikulierte dabei wild. Hielt sich außerdem den Zeigefinger auf die Lippen. Ob es Zufall war, dass der Trainer ganz in der Nähe stand? Es war jedenfalls eine Mischung aus Erleichterung, Hoffnung, aber vor allem auch Wut und Frust. Letzteres schiebt Burkardt ohne Zweifel. Auch wegen Riera.

Burkardt nach seinem Tor
Foto: picture alliance/HMB Media
„Ich brauche meine Führungsspieler mehr denn je“, kündigte der Trainer noch vor Dortmund an. Burkardt zählt er offenkundig nicht dazu. Obwohl der Stürmer vom Team zu einem der Kapitäne gewählt wurde. Schon in Augsburg saß der Ex-Mainzer 88 Minuten auf der Bank. Zuvor hatte es bekanntlich zwischen ihm und Riera gekracht. Sich öffentlich dazu äußern wollte der Torjäger von Eintracht Frankfurt bisher nicht. Stattdessen ließ er in Dortmund seinen Gefühlen freien Lauf.