Der Sänger Axel "Aki" Bosse brauchte keine 5 Sekunden, um das Publikum mitzureißen. (Foto: Claudia Feldmann)Der Sänger Axel „Aki“ Bosse brauchte keine 5 Sekunden, um das Publikum mitzureißen. (Foto: Claudia Feldmann)

Wer am gestrigen Abend an der Halle Münsterland vorbeispazierte, spürte den Asphalt unter seinen Sohlen vibrieren. Was das war? BOSSE. Ein Künstler, der es wie kein Anderer versteht, Poesie, Haltung und Power in seiner Musik zu vereinen.

Aktuell tourt Axel „Aki“ BOSSE durch Deutschland, um sein 10. Album „Stabile Poesie“ zu präsentieren. Ein Werk, in dem er sich ausschließlich mit Themen und Gefühlen auseinandersetzt, die ihn wirklich bewegen, erzählt er im Interview mit ALLES MÜNSTER. „Vorher war es manchmal so, dass ich mich zu sehr angestrengt habe, viele Themen in einen Song zu packen oder zu gucken, was könnte den Leuten gefallen“, so der Musiker. „Stabile Poesie“ habe er musikalisch und textlich genauso umgesetzt, wie er wollte, unabhängig von den Gedanken, wie erfolgreich das wird. Neben den schönen Dingen im Leben behandelt das Album auch dessen gesellschaftliche Schattenseiten wie Hass im Netz.

Support-Act mit Tiefe
Der Liedermacher Marlo Grosshardt spielte das Vorprogramm. (Foto: Claudia Feldmann)Der Liedermacher Marlo Grosshardt spielte das Vorprogramm. (Foto: Claudia Feldmann)

Die Bezeichnung „ausverkauft“ erscheint nicht ausreichend für das Bild, welches sich an diesem Abend im Saal bot. Ganze Menschengruppen stehen in den Türrahmen rechts und links neben der Bühne. Kurz gesagt: Die Halle platzt aus allen Nähten. Der Support-Act Marlo Grosshardt wird von BOSSE persönlich anmoderiert und für die „krass tollen politischen Texte“ gelobt. Und tatsächlich erfüllt schon das Vorprogramm die an den Abend erwartete Tiefgründigkeit. Auf der politischen Ebene („Kriege ohne mich“) und der persönlichen. In seinem Song „Astronaut“ besingt Marlo seine Kindheit, die er aufgrund von starkem Asthma größtenteils im Krankenhaus verbrachte – angeschlossen an einen Stauerstoffschlauch.

Für seinen Show-Auftakt wählt BOSSE den Song „Lass Dich nicht ficken“, allerdings in der jugendfreien Version „Lass Dich nicht zwicken“, – es sind schließlich Kinder anwesend. Eine Ballade über Hass im Netz, die er für eine befreundete Journalistin geschrieben hat, die Opfer eines Shitstorms wurde. „Sie hat mir Bildschirmfotos der ersten etwa 300 Kommentare wortlos weitergeleitet. Das Hauptwort, mit dem sie beschimpft wurde, war das F-Wort. Und da habe ich ihr ein kleines Chanson geschrieben, was empowernd gemeint war. Sie meinte, ich solle den Song veröffentlichen, weil er es auf den Punkt bringe,“ erzählt BOSSE.

Akustisches Feuerwerk

„Und der Bass war’n wir, unser Schmerz das Klavier, der halbe Mond war der Beat und die Drinks Violinen“, lauten die ersten Zeilen von „Ouvertüre“. Begleitet von vibrierendem Bass und den besungenen Instrumenten erhöhen blitzartige Lichter den Spannungsbogen …bis der riesige Vorhang hinter BOSSE fällt und seine Band enthüllt. Der Musiker und seine Band tragen die bekannten Hits nicht einfach vor, sie interpretieren die Stücke neu. Die nostalgischen Zeilen von „Alter Strand“ gehen durch Salsa-Rhythmen gleichermaßen in Herz und Bein. Die trostspendenden Worte von „Dein Hurra“ werden zunächst nur vom Klavier begleitet, bevor sie sich mit einem Knall in eine akustisches Feuerwerk verwandeln. Die Energie des 46-Jährigen ist akut ansteckend. Er wirbelt leichtfüßig über die Bühne, dreht sich immer wieder mit weit ausgestreckten Armen um die eigene Achse.

Durch satte Technobässe und Lichtspektakel herrschte in der Halle zeitweise Clubatmosphäre. (Foto: Claudia Feldmann)Durch satte Technobässe und Lichtspektakel herrschte in der Halle zeitweise Clubatmosphäre. (Foto: Claudia Feldmann)

Es ist aber ganz gleich, welche Töne BOSSE anschlägt – das Publikum schwingt mit. Es klatscht, hüpft, wiegt sich gedankenvoll oder singt lauthals den Lieblingssong mit. Viele von uns hat der Sänger durch die Jugend begleitet. Der Freund, der immer die richtigen Worte findet. Der kürzlich veröffentlichte Song „Peu à peu“ ist ein solcher Seelenwärmer und ein gutes Beispiel für sein wundervolles Talent, Melancholie mit Optimismus zu verweben.

Wie gelingt es einem Mann, der seit 20 Jahren in einer Beziehung lebt, den Trennungsschmerz so glaubhaft zu transportietren? „Für mich geht es eher darum, wie man Schmerz verarbeitet, wie man auseinander geht und was man dabei fühlt. Der Liebeskummer könnte im Grunde auch jeder andere Kummer sein. Es ist einfach besser spürbar, wenn es um die Liebe geht,“ verrät der Sänger im Gespräch mit ALLES MÜNSTER. Sowohl „Peu á peu“ als auch „Ein Traum“ wird am Freitag zu brummenden Technobeats serviert. Inklusive Konfetti.

Das Konzert war musikalisch eine wahre Konfetti-Kanone. (Foto: Claudia Feldmann)Das Konzert war musikalisch eine wahre Konfetti-Kanone. (Foto: Claudia Feldmann)
Da geht noch mehr!

Die Zeilen „Es gab nur dich und mich da draußen…“ sorgten für den stimmungsvollen Siedepunkt in der prallgefüllten Konzerthalle. Es gab kaum einen Mund, der sich nicht textsicher zu dem Hit „Schönste Zeit“ bewegte. Das Damoklesschwert der Vergänglichkeit schwebt leider auch über der Halle Münsterland an jenem Abend. Und so wird es Zeit für den letzten Song, eine ekstatische Extended-Version von „Letzter Tanz“. Das bedeutet es wohl, wenn man von „süßem Abschied“ spricht.

Das ganze Interview lest ihr am Montag auf ALLES MÜNSTER.

Gebürtig bin ich vom Niederrhein, aber als ich 2018 zum ersten Mal auf dem Prinzipalmarkt stand, wusste ich sofort, wo mein Herz hingehört. Durch ALLES MÜNSTER darf ich mehr über die Stadt, ihre Menschen und Geschichten erfahren und Euch davon erzählen. Wie schön ist das denn? 🙂