Der 9. Mai ist in Russland längst mehr als ein Gedenktag. Er ist das Hochamt des politischen Putinismus: Militärparade, Geschichtskult, nationale Selbstvergewisserung und imperiale Drohkulisse in einem. Was ursprünglich an den Sieg über Hitlerdeutschland erinnern sollte, ist unter Wladimir Putin zu einer Propagandashow geworden, die Vergangenheit nicht erklärt, sondern instrumentalisiert. Der Kreml feiert nicht Geschichte, sondern Macht. Er erinnert nicht an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, sondern benutzt sie als moralisches Kapital für die Gegenwart.