So viel eindeutigen Sex gab es schon lange nicht mehr auf der Opernbühne. Dabei geht es in diesem Ballett gar nicht um Bettgeschichten. Es geht um Macht, breitbeinige Männlichkeit, gezierte Verführung, um zerbrochene Träume, verzweifelte Illusionen, um das Untergehen einer alten Welt. Alles ohne Worte. John Neumeiers Ballett-Meisterwerk „Endstation Sehnsucht“ spielt vordergründig in den USA und verhandelt doch allgemein Menschliches, das mehr als 40 Jahre nach der Uraufführung nichts von der Tragik eingebüßt hat.