Ungeachtet der Waffenruhe mit dem Libanon hat die israelische Armee Städte im Südlibanon angegriffen. Libanesische Staatsmedien bestätigten die Angriffe. Zuvor hatte das israelische Militär die Bewohner von neun Dörfern im Süden des Libanon aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. »Angesichts des Verstoßes der terroristischen Hisbollah gegen die Waffenruhe-Vereinbarung« sei die israelische Armee gezwungen, »kraftvoll« gegen die Hisbollah vorzugehen, begründete der arabischsprachige israelische Armeesprecher Avichay Adraee das Vorgehen.

Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete, israelische Kampfjets hätten nach der Warnung am Morgen die Stadt Srarijeh attackiert. Auch mehrere andere Ortschaften, die vorgewarnt worden seien, seien angegriffen worden. Zudem seien weitere, in der Warnung nicht genannte, Gebiete aus der Luft und mit Artillerie angegriffen worden.

Zuvor hatte die israelische Armee mitgeteilt, sie habe in den vergangenen 24 Stunden mehr als 85 Infrastruktur-Einrichtungen der Hisbollah »aus der Luft und vom Boden aus« getroffen. Darunter seien Waffenlager, Abschussvorrichtungen und Bauten gewesen, die von der Hisbollah genutzt worden seien, um »terroristische Aktivitäten gegen israelische Zivilisten und Soldaten voranzutreiben«.

In der Bekaa-Ebene sei eine unterirdische Anlage zerstört worden, die von der Hisbollah zur Herstellung von Waffen genutzt worden sein soll, hieß es weiter. Zudem griffen israelische Kräfte Kämpfer der Hisbollah-Miliz im Südlibanon an.

Die Armee wirft der Hisbollah vor, in den vergangenen Tagen mehrere Raketen auf Soldaten im Südlibanon abgefeuert zu haben. Es habe keine Verletzten gegeben. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.

Israel und Libanon verhandeln erstmals seit Jahrzehnten direkt über Frieden

Seit dem 17. April gilt eine Feuerpause zwischen Israel und dem Libanon. Dennoch setzten Israel und die Miliz Hisbollah ihre gegenseitigen Angriffe fort. Beide Seiten werfen einander Verstöße gegen das Waffenruhe-Abkommen vor. Parallel dazu laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte Friedensverhandlungen zwischen dem Libanon und Israel.

© Lea Dohle

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Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel Israels Vernichtung ist, lehnt sowohl die Waffenruhe als auch die direkten Gespräche zwischen den Nachbarländern ab. Die schiitische Miliz verübte seit Beginn der Waffenruhe nach eigenen Angaben mehrere Angriffe auf israelische Streitkräfte im Süden des Libanon sowie Angriffe auf Nordisrael.

Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei feuerte die vom Iran finanzierte Hisbollah Raketen auf Israel ab. Israel flog daraufhin zahlreiche Angriffe auf Teile des Libanon und schickte Bodentruppen über die Grenze.

Die internationale Hilfsorganisation International Rescue Committee (IRC) spricht von einer Million Vertriebenen im Libanon im Zuge der israelischen Angriffe. Die tatsächliche Zahl der Vertriebenen dürfte deutlich höher liegen, da die Angabe sich auf diejenigen bezieht, die sich bei der Regierung registriert hatten.

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