In Berlin haben am Sonnabend zahlreiche Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs und zum russischen „Tag des Sieges“ stattgefunden. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz, um sowohl das Gedenken an die Befreiung vom NS-Regime als auch aktuelle politische Proteste zu begleiten.

Über 1000 Polizisten im Einsatz, 38 Versammlungen angemeldet
81. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus - Berlin

Der russische Botschafter Sergej Netschajew (M) nimmt an einem Gedenkmarsch für die gefallenen sowjetischen Soldaten des Zweiten Weltkriegs teil.
© Michael Ukas/dpa | Michael Ukas

Wie die Polizei am Morgen auf X mitteilte, waren anlässlich des „Tag des Sieges“ rund 1030 Polizistinnen und Polizisten im Stadtgebiet im Einsatz. Insgesamt seien 38 Versammlungen angemeldet, hieß es am Vormittag. Der Schwerpunkt lag dabei rund um die sowjetischen Ehrenmale im Treptower Park, im Tiergarten und in der Schönholzer Heide. Anlässlich des Kriegsendes in Europa vor 81 Jahren hatte der russische Botschafter Sergej Netschajew an einem Gedenkmarsch zum sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten teilgenommen, wo er auch bei einer Kranzniederlegung teilnahm. 

Viele Menschen hatten bereits am Freitag am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park in Berlin rote Blumen niedergelegt. Verschiedene russische und deutsche Gruppen und Initiativen erinnerten mit Kundgebungen und Demonstrationen am Freitag und Samstag an das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und die Befreiung von der Nazi-Herrschaft im Mai 1945. Auch Kränze wurden üblicherweise niedergelegt. Am Ehrenmal im Treptower Park wurde am Freitag ein Kranz in den Farben der Ukraine aufgestellt. „Gegen Invasoren gestern, heute, morgen“, stand dort zu lesen. 

Worldwide WWII Victory Day Celebrations

Einheimische und Geistliche nehmen an einer Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park im Rahmen der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges, dem 81. Jahrestag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg, in Berlin teil.
© IMAGO/SNA | IMAGO

Für die Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Kriegsendes an den drei sowjetischen Ehrenmalen hatte die Polizei wegen des Ukrainekrieges Uniformen und russische Fahnen verboten. Die Polizei argumentierte, wegen des Russland-Ukraine-Krieges sei mit einem Aufeinandertreffen unterschiedlicher politischer Positionen zu rechnen.

Strenge Auflagen: Russische Fahnen und militärische Symbolik verboten

Bereits im Vorfeld hatte die Polizei eine Allgemeinverfügung erlassen. Von Freitag, 6 Uhr, bis Samstag, 22 Uhr, galten in den Bereichen um die sowjetischen Ehrenmale strenge Auflagen: Verboten waren militärische Uniformen und Abzeichen. Das einzelne oder hervorgehobene Zeigen der Buchstaben „V“ oder „Z“ war untersagt. Russische und sowjetische Fahnen sowie St.-Georgs-Bänder durften nicht gezeigt werden.

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Mit den Maßnahmen sollten Provokationen im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verhindert und ein würdiges Gedenken ermöglicht werden. Ausgenommen waren diplomatische Delegationen sowie Veteraninnen und Veteranen des Zweiten Weltkriegs.

Motorradkorso der „Nachtwölfe“ fährt wohl nicht durch Berlin

Der befürchtete Motorradkorso aus Russland, der in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen sorgte, wird nach aktuellem Stand am Samstag nicht durch Berlin fahren, so die Polizei. Russische oder deutsche Mitglieder des prorussischen und nationalistischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ sind wie in den vergangenen Jahren zu dem Gedenktermin aus Osteuropa nach Deutschland gefahren.

Am Ehrenmal im Tiergarten kam es am Sonnabend zu einer spontan angezeigten Versammlung mit pro-ukrainischem Bezug, wie die Polizei weiter mitteilte. Entgegen kursierender Falschinformationen im Internet sei es einzelnen Personen weiterhin erlaubt, die Ehrenmale mit Ukraine-Fahnen zu betreten, betonten die Einsatzkräfte öffentlich.

Erinnern an 1945 – und Streit über aktuelle Wehrdienst-Pläne

Die Tage rund um den 8. und 9. Mai stehen traditionell im Zeichen der Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs. In Berlin-Karlshorst hatten Generäle der Wehrmacht in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die Kapitulation unterzeichnet. In Russland wird der Sieg über Deutschland bis heute am 9. Mai gefeiert.

Neben Gedenkzügen zu Ehren der gefallenen sowjetischen Soldaten prägten in diesem Jahr auch innenpolitische Proteste das Stadtbild. Bereits am Freitag waren bundesweit Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Schulstreik gegen die Wehrpflicht“ auf die Straße gegangen. Auch in Berlin war ein Zug mit mehreren Tausend Teilnehmenden vom Brandenburger Tor in Richtung Lützowplatz unterwegs.

Laut Polizei wurde bei einer Demonstration gegen die Wehrpflicht ein Beamter verletzt. Zu dem Vorfall kam es, als eine Frau am Mittag am Brandenburger Tor einem Mann eine Flagge mit einem Davidstern entreißen wollte. Die Polizei nahm sie fest. Dabei wurde der Polizist an der Hand verletzt. Auch kam es zu Gedränge.

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Ebenfalls auf Berlins Straßen unterwegs waren in mehreren Stadtteilen Fahrraddemos wie die Kinder-Fahrraddemos der „Kidical Mass“. Sie protestierten für sichere Radwege. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten in Berlin zudem für eine Überprüfung eines Verbots der AfD durch das Bundesverfassungsgericht. Aufgerufen hatte dazu die Initiative „Prüf!“.