St. Paulis Kapitän Jackson Irvine (v.) hält sich enttäuscht die Hände vor das Gesicht

Stand: 09.05.2026 • 17:59 Uhr

Dem FC St. Pauli droht mehr denn je der Gang in die 2. Liga. Eine 1:2 (0:1)-Niederlage bei RB Leipzig hat die Situation im Abstiegskampf weiter verschärft – die Hamburger haben die Rettung aber dennoch wohl in der eigenen Hand.


Sebastian Hochrainer

Nach den Toren von Xaver Schlager (45. Minute) und Willi Orban (54.) hat Leipzig die Champions League sicher und wird die Saison als Dritter beenden, St. Pauli, für das Abdoulie Ceesay (86.) zu spät verkürzte, bleibt Vorletzter in der Fußball-Bundesliga und konnte zumindest vorerst nicht am VfL Wolfsburg vorbeiziehen. Der unmittelbare Konkurrent spielt am Samstagabend noch gegen den FC Bayern München und würde bei einer Pleite mit fünf Toren Unterschied hinter St. Pauli zurückfallen.

„Ein Punkt wäre verdient gewesen, unser Plan ist ganz gut aufgegangen. Es ist bitter, weil mehr drin gewesen wäre“, sagte St. Paulis Trainer Alexander Blessin im Sportschau-Interview. „Wir sind in dieser Saison immer wieder aufgestanden, das müssen wir jetzt auch, wir müssen mit dem Druck umgehen. Die Leistung macht mir Mut, es ist alles möglich. Wir nehmen vieles Positives mit.“

Am letzten Spieltag kommt es zum direkten Duell zwischen den „Wölfen“ und den „Kiezkickern“, die sich mit einem Sieg in die Relegation retten würden, sofern Wolfsburg nicht gegen den FC Bayern gewinnt und der 1. FC Heidenheim nicht sechs Punkte aus seinen letzten beiden Spielen (Sonntag beim 1. FC Köln und zum Abschluss gegen Mainz 05) holt. Gewinnt St. Pauli nicht, ist der Abstieg ohne Bayern-Schützenhilfe besiegelt.

St. Pauli macht zu wenig aus Leipzigs Schwäche

Leipzig startete mit viel Ballbesitz und einer sehr kuriosen Torchance. Christoph Baumgartner bekam aus kurzer Distanz den Ball nicht an Nikola Vasilj vorbei, dann setzte Brajan Gruda drei Meter vor dem gegnerischen Gehäuse nach, aber ihm unterlief ein Querschläger, der direkt zu Ridle Baku ging, der vorm leeren Tor am Ball vorbeitrat (8.). Es wurde zwar auf Abseits entschieden, der Treffer hätte aber wohl gezählt.

So unglücklich Leipzig in dieser Aktion agierte, so unglücklich trat es auch in der ersten Halbzeit auf. Das eigentliche Spitzenteam leistete sich unzählige Fehler in der Offensive und war dann auch in der Rückwärtsbewegung richtig schwach. Die Folge waren viele St. Pauli-Konter, die zu oft nicht gut ausgespielt wurden – abgesehen von einem Fall, als nur Zentimeter zur verdienten Führung fehlten: Andreas Houtondji bediente nach einem Steilpass Martijn Kaars, der den Ball aus 13 Metern an die Latte schoss (34.).

Tor von Schlager weckt RB auf

St. Pauli ließ die große Möglichkeit liegen, in Leipzig in Führung zu gehen – und wurde dann durch ein Zufallsprodukt unmittelbar vor der Pause bestraft. Nach dem ersten RB-Eckball köpfte Baumgartner in die Kniekehle von Schlager, worauf der Ball vor dessen Füßen liegenblieb und er ihn ins lange Eck unter die Latte schoss (45.). Der Mittelfeldspieler krönte damit sein letztes Heimspiel in Leipzig, vor der Partie war er verabschiedet worden, da er seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern möchte.

Unmittelbar nach der Pause wurde es dann noch bitterer für St. Pauli. Zunächst traf Assan Ouedraogo aus 15 Metern den Pfosten, es folgte jedoch die zweite Ecke für RB – und das zweite Tor. Diesmal verwertete Orban die Hereingabe von David Raum direkt, sein eigentlich harmlos wirkender Kopfball landete genau im langen Eck zum 2:0 (54.). Und ab diesem Moment hatte Leipzig erstmal alles im Griff.

St. Pauli minimiert den Schaden

Das Spiel fand fast nur noch in der Hälfte der „Kiezkicker“ statt und bei den gegnerischen Kontern arbeitete Leipzig deutlich gewissenhafter nach hinten mit. RB stand aber unter keinerlei Zugzwang und machte immer weniger – diese Gelegenheit nutzte St. Pauli diesmal. Ceesay behielt nach einem langen Ball die Nerven und sorgte für den Anschlusstreffer (86.).

Und tatsächlich hatte Jackson Irvine noch die Chance auf den so wichtigen Punktgewinn – er schloss jedoch zu unplatziert ab (90.+3). So wird Leipzig wird Leipzig auch nach dem 34. Spieltag, an dem das Team von Trainer Ole Werner beim SC Freiburg spielen wird, Dritter sein, während es für St. Pauli im Saisonfinale um die Chance aufs Überleben in der Bundesliga geht.