
Energie Cottbus hat einen ganz großen Schritt Richtung Zweitliga-Aufstieg gemacht. Gegen Wehen Wiesbaden sorgte Tolga Cigerci für den späten Sieg.
- Energie Cottbus gewinnt nach großem Kampf mit 2:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden
- Cigerci trifft kurz vor Schluss zum Sieg für Energie vor ausverkauftem Haus
- Die Lausitzer haben nun zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz
- Am letzten Spieltag muss Energie Cottbus nach Regensburg
Großer Jubel in der Lausitz: Energie Cottbus hat vor ausverkauftem Haus im Leag Energie Stadion mit 2:1 (1:1) gegen den SV Wehen Wiesbaden gewonnen. Tolga Cigerci sorgte – in einem lange ausgeglichenen Spiel – mit einem Hammer-Schuss aus der Distanz in der Schlussphase dafür, dass der Traum vom Zweitliga-Aufstieg ganz nah ist (89. Minute).
Der FCE steht nun vor dem abschließenden 38. Spieltag als Zweiter auf einem direkten Aufstiegsplatz. Die Verfolger MSV Duisburg und Rot-Weiss Essen haben jeweils zwei Punkte Rückstand. Cottbus tritt am letzten Spieltag in Regensburg an (Sa., 16.5., 13:30 Uhr, live im rbb Fernsehen und im Stream auf rbb24.de).
Der Spielverlauf
Bei Energie Cottbus fehlten mit Kapitän Axel Borgmann und Top-Scorer Tolcay Cigerci zwei Schlüsselspieler gelbgesperrt. Nach einer Gedenkminute für Dieter Krein und einer beeindruckenden Choreo der Energie-Fans begann die Partie direkt mit einem Paukenschlag: Moritz Hannemann setzte mit einem strammen Schuss von der rechten Strafraumkante den Ball an die Querlatte (3.).
Im Anschluss beruhigte sich die Partie. Wiesbaden kontrollierte das Spiel, Energie versuchte zu pressen, angepeitscht von der großartigen Atmosphäre, doch Balleroberungen und gute Umschaltmomente blieben aus. Deutlich bemerkbar machte sich der Ausfall von Tolcay Cigerci, denn das spielerische Moment fehlte.
Energie versuchte es zu häufig mit hohen Bällen auf die einzige Spitze Engelhardt. Der Schock folgte in der 37. Minute: Einen Schuss von Wehens Tarik Gözusirin konnte Energie-Keeper Marius Funk nur zur Seite abprallen lassen. Per Abstauber drückte der Ex-Nürnberger Lukas Schleimer den Ball zum 1:0 für Wiesbaden über die Linie.
Doch Energie schüttelte sich und antwortete prompt: Hannemann sorgte mit einem klasse Abschluss aus halbrechter Position für den umjubelten 1:1-Ausgleich. Die Fans im Stadion explodierten – und auch ihre Mannschaft blieb gefährlich: King Manu setzte seinen Kopfball nach einer Ecke nur knapp neben das Gehäuse. Der Pausenpfiff beendete die Drangphase der Gastgeber.
Wollitz wechselt vierfach, Cigerci trifft
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich Cottbus zwar in puncto Tempo verbessert, doch offensiv fehlten weiterhin die Ideen gegen kompakte Gäste, die durch Konter immer wieder Nadelstiche setzten. In der 48. Minute Glück für Energie: Kaya ging im Strafraum zu Boden, doch der Schiedsrichter entschied nicht auf Strafstoß. Justin Butler hatte auf der Gegenseite eine gute Schusschance (51.).
Auch in der Folge zeigten sich die Cottbuser bemüht, aber in aussichtsreichen Situationen wurde zu häufig überhastet abgeschlossen. Auch die vier offensiven Wechsel (Moustfa, Tolga Cigerci, Locoqui und Biankadi kamen in die Partie), die Claus-Dieter Wollitz vornahm, änderten zunächst nichts daran. Cigerci hatte noch die beste Chance, doch traf er den Ball aus acht Metern nach einer Hereingabe nicht richtig (77.).
Besser machte es der Mittelfeldspieler dann in der 89. Minute. Mit einem satten Schuss aus 20 Metern traf Cigerci zum 2:1 und verwandelte das Stadion in ein Tollhaus. Cottbus brachte die Führung gekonnt über die Zeit und hat nun am letzten Spieltag in Regensburg alle Trümpfe im Aufstiegsrennen in der eigenen Hand.
Cottbus-Profi Tolga Cigerci bejubelt mit King Manu seinen späten Siegtreffer.
Spieler des Spiels
Dank Tolga Cigerci machte Energie einen großen Schritt Richtung 2. Liga. Durch die beherzte Einzelaktion des Bruders vom gelbgesperrten Topscorer Tolcay Cigerci konnte Cottbus den Vorsprung auf die direkte Konkurrenz um den Aufstieg ausbauen. Tolga sprang also ein für Tolcay und ließ durch seinen Weitschuss in der 89. Minute ganz Cottbus eskalieren. Dabei war der 34-Jährige im Frühjahr noch vereinslos und erst im Februar von Energie fest unter Vertrag genommen worden. Drei Monate später erzielte er den bis dato wichtigsten Treffer der Saison für die Lausitzer. Das Tor widmete er übrigens seinem Trainer, Claus-Dieter Wollitz.
Was war denn da los?
Nachdem die Energie-Fans emotional Abschied von der verstorbenen Vereins-Legende und Ehrenpräsident Dieter Krein genommen hatten, kam es nach Anpfiff des Spiels zu einem weiteren Höhepunkt auf den Rängen: Auf der Nordwand und der Gegengerade zeigten die Fans eine Monster-Choreographie. „Alles für Energie“ war dort über mehrere Blöcke hinweg zu lesen. Dieser Ankündigung ließen die Fans Taten folgen und peitschen ihre Mannschaft über 97 Minuten bedingungslos nach vorne, so dass den Energie-Anhängern an dieser Willensleistung ihres Teams auch ein großer Anteil gebührte.
Zählbares
- Durch die beiden Tore von Hannemann und Cigerci kommt Cottbus mittlerweile auf 71 Saisontore. Nur Essen (75) und Verl (79) haben in der 3. Liga in dieser Saison häufiger getroffen
- 19.666 Zuschauer waren gegen Wehen Wiesbaden im Stadion zu Gast. Damit kommt Energie diese Saison auf einen Zuschauerschnitt von 12.858 Fans pro Heimpartie und liegt damit ligaweit auf dem 7. Platz.
- Ganze 40 Gäste-Fans hatten die 600 Kilometer lange Anfahrt nach Cottbus auf sich genommen. Der SV Wehen Wiesbaden verzichtete daraufhin auf einen Teil des Gästeblocks und so konnten noch einige Energie-Fans mehr der Partie beiwohnen
Stimmen zum Spiel
Claus-Dieter-Wollitz (Trainer, Energie Cottbus): „Wir haben nicht gut gespielt, zu viel mit langen Bällen agiert. Ich habe versucht, der Mannschaft in der Halbzeit den Druck zu nehmen. Wichtig ist, dass sich die Jungs jetzt drauf freuen, dass sie nächste Woche aus eigener Kraft in die 2. Bundesliga aufsteigen können.“
Tolga Cigerci (Energie Cottbus): „Ich kann es nicht in Worte fassen. Es waren sehr viele Emotionen in dem Spiel. Wir mussten gewinnen. Mit dem Tor – das ist unglaublich. Ein Teil dieser Mannschaft zu sein, das ist so ein Erlebnis mit diesen Fans hier, das ist etwas sehr Besonderes.“
Sendung: rbb Fernsehen, 09.05.2026, 13:55 Uhr
Video: rbb Fernsehen, 09.05.2026, Caroline Labes und Christian Dexne