Spuk im Porzellanladen
Parapsychologe fiel auf 14-jährigen Lehrling herein
Aktualisiert am 10.05.2026 – 05:38 UhrLesedauer: 3 Min.
Parapsychologe Hans Bender: Er war überzeugt, dass der Azubi übernatürliche Kräfte hatte. (Quelle: ullstein bild Dtl.)
In einem Bremer Porzellanladen kam es in den Sechzigerjahren immer wieder zu gruseligen Vorfällen. War der 14-jährige Lehrling für den Spuk verantwortlich?
In den Sechzigerjahren betrieb Johann Surowitz seinen gleichnamigen Laden in der Bremer Vahr, wo er Lebensmittel, Haushaltsgegenstände sowie Porzellanware verkaufte. Doch der Geschäftsmann gruselte sich zunehmend: Er war sich sicher, dass es in seinem Laden nicht mit rechten Dingen zuging.
Im Jahre 1965 ging immer wieder Porzellan kaputt – scheinbar ohne Grund. Einmachgläser seien zerschellt, Vasen, Schalen und Schnapsgläser einfach so zu Bruch gegangen. Es entstand ein Schaden von rund 5.000 D-Mark.
Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr überprüften das Geschäft, auch das Bauaufsichtsamt und zuständige Wohnungsunternehmen machten sich vor Ort ein Bild. Doch es wurde kein plausibler Grund gefunden, warum das Porzellan scheinbar wie von Geisterhand immer wieder kaputtging.
Allerdings rückte ein Verdächtiger in den Fokus: der damals 14-jährige Heiner Scholz, Lehrling bei Surowitz. Er sei laut seinem Chef immer in der Nähe gewesen, wenn Porzellan zerbrach. Die Geschehnisse erregten die Aufmerksamkeit des Parapsychologie-Professors Dr. Hans Bender, der sich vor allem mit Geistererscheinungen beschäftigte. Er leitete damals das Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene in Freiburg im Breisgau.
Für Bender stand fest: Heiner Scholz besaß telekinetische Fähigkeiten – er konnte also Gegenstände rein durch geistige Kräfte bewegen. So wie es etwa in den Horrorromanen „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ und „Feuerkind“ von Stephen King passiert.
Bender, offenbar begeistert von dem Fall, kam nach Bremen, um Heiner Scholz unter die Lupe zu nehmen. Später nahm er den Jungen sogar mit zu seinem Institut, wo er Experimente mit ihm durchführte. Der Professor kam zu dem Schluss, der 14-Jährige sei Opfer eines „psychokinetischen Phänomens“ geworden, ausgelöst durch eine Erregung, die den natürlichen „Destruktionstrieb“ des Jungen „vom Normalen ins Paranormale“ befördert habe.
Dafür sprach nach Auffassung des Parapsychologen auch, dass kein Porzellan mehr zu Bruch ging, nachdem der Lehrling nach drei Monaten Probezeit bei Surowitz herausgeflogen war. Hatte Heiner Scholz tatsächlich gespenstische Fähigkeiten oder welcher Elefant im Porzellanladen war dort zugange? Erst 13 Jahre später wurde der Fall aufgeklärt – mit einer überraschenden Wendung.
1978 legte Scholz in einer Fernsehsendung ein „Geständnis“ ab: Mit einigen Tricks habe der damalige Lehrling seinen Chef Johann Surowitz und auch Hans Bender ordentlich verschaukelt –aus Spaß, aber auch weil sein Chef ihn bei Fehlern gedemütigt und sogar geschlagen hatte.
