Zum Wehrdienst wollte er eigentlich nicht. Er sah es als „Zeitverschwendung“ an. Martin Roemers wollte Fotograf werden. Aber er absolvierte dennoch seinen Dienst beim niederländischen Militär. Und über den Wehrdienst fand er das, was sein Lebensthema werden sollte: Kriege und ihre Auswirkungen.
In einer Allwetterjacke kommt Roemers nach Gatow. Im Militärhistorischen Museum Berlin-Gatow zeigt er seine Ausstellung „War Zones“. 25 Jahre nach Beginn des Afghanistan-Einsatzes sind dort 35 großformatige Aufnahmen von Roemers zu sehen. Denn er war zwischen 1997 und 2002 mit den niederländischen Einsatzkontingenten der Friedensmissionen auf dem Balkan und zu Beginn der International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan. Er hat sie begleitet und fotografiert. Dabei ist er Soldaten und Zivilisten ganz nahe gekommen.
Roemers dokumentiert Soldatenleben ohne Scheu vor Tabus
Da ist zum Beispiel das Bild von Oberstabsfeldwebel Harrie. Er präsentiert sein Armeemesser, wirkt dabei freundlich, aber auch martialisch. „Ich wollte, dass die Soldaten einen ihrer persönlichen Gegenstände zeigen. Und Harrie erinnert mich an einen Piraten“, sagt Roemers lächelnd. Er freut sich noch heute über das Bild. Der Soldat bekam danach einen etwas aufgeregten Anruf vom niederländischen Verteidigungsministerium. „Ich verstehe das sogar, aber zum Glück hat es ihn nicht wirklich gekümmert“, erinnert sich Roemers.
Roemers begleitete die Truppen in Zivil. Anfangs war er noch der Fremde, irgendwann gehörte er dazu, passte sich ein. Immer ganz dicht an seinen Motiven. „Wie eine Fliege an der Wand.“ Die Frage, ob er nicht manchmal angesichts des Leids eingreifen wollte, bei weinenden Frauen, verschreckten oder aggressiven Menschen, versteht er zunächst gar nicht. Und antwortet dann schließlich nüchtern: „Nein, ich bin Fotograf, meine Aufgabe ist es, zu dokumentieren.“ Und so dokumentierte er wirklich viele Momente. Auch intime. Egal, ob russischer Soldat mit heruntergelassener Hose über der improvisierten Latrine hockend, halbstarke Plünderer oder albanische Kinder, die zum ersten Mal einen Soldaten mit dunkler Haut sehen und ihn neugierig umringen und berühren. Skrupel sind Roemers fremd.
Mumifizierter Kinderfuß und alte Fototechnik zeigen Kriegsfolgen
Der Schrecken des Krieges lässt sich meist nur erahnen, entfaltet dann aber eine ungeheure Wirkung. Wie beim Bild eines mumifizierten Kinderfußes in einem Schuh mit der Größe 22, der aus einem Massengrab stammt.

Die Bilder von Martin Roemers sind groß abgezogen. Auf Euro-Paletten geschraubt stehen sie vor dem ehemaligen Towergebäude des Flughafens Gatow.
© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
Ein anderes Mal arbeitete Roemers mit einer 70 Jahre alten Kamera aus Afghanistan. Aus Neugier hatte er sich von einem afghanischen Straßenfotografen fotografieren lassen. Und war begeistert von seinem ungewöhnlichen Passbild. „Belichtungszeit zehn Sekunden. Eine Fotografie wie bei unseren Großvätern. Die Bilder hatten Staub, Kratzer, nicht scharf – klassisch gesehen keine guten Fotografien, aber ich fand sie perfekt, um das Leben vor Ort zu zeigen.“ Er heuerte den Mann als Assistenten an und fotografierte.
Militärhistorisches Museum Berlin-Gatow: Kunst auf Paletten inszeniert
Die Bilder von Roemers sind groß abgezogen. Auf Euro-Paletten geschraubt stehen sie vor dem ehemaligen Towergebäude des Flughafens Gatow. Die Präsentation: eine Reminiszenz an die Kriegseinsätze, wo die Massen an Material für die Soldaten-Camps ebenfalls auf Paletten geliefert werden.
Militärhistorisches Museum Berlin-Gatow, Am Flugplatz 33, Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Eintritt frei, kostenlose Besucherführungen finden jeden Sonntag um 14 Uhr statt. Treffpunkt ist vor dem Towergebäude.