Fluss ist bedroht
Klimakrise: Wird der Rhein komplett verschwinden?
Aktualisiert am 10.05.2026 – 07:23 UhrLesedauer: 3 Min.
Deutschlands größter Fluss (Archivbild): Wird der Rhein in Zukunft so oder sogar noch schlimmer aussehen? (Quelle: IMAGO/Kadir Ilboga/imago)
Trocknet der Rhein völlig aus und wird Deutschlands größter Fluss bis zum Ende des 21. Jahrhunderts verschwinden? Auch diese Fragen wirft die Klimakrise auf.
Die Klimakrise wird auch in Deutschland immer deutlicher spürbar. In den gemäßigten Breiten häufen sich Extremwetterlagen: Sowohl Hitzewellen als auch Starkregen nehmen zu – mit Folgen wie steigender Hochwassergefahr.
Das betrifft auch den Rhein, die Lebensader im Westen Deutschlands – und es wirft eine bange Frage auf: Kann der Fluss irgendwann gänzlich verschwinden? Der Rhein, der von der Schweiz bis in die Nordsee fließt und zu den meistbefahrenen Wasserstraßen weltweit zählt, wird unter anderem durch die jährliche Gletscherschmelze gespeist. Nach der Schneeschmelze im Frühjahr strömen jedes Jahr große Wassermengen in den Fluss. Sie sorgen dafür, dass die Pegelstände auch in den oft trockeneren Sommermonaten stabil bleiben.
Doch diese Wasserquelle hat ein Ablaufdatum. Wissenschaftler prognostizieren, dass bereits zur Mitte des 21. Jahrhunderts kein Gletscherwasser mehr in den Rhein fließen wird – die Alpengletscher werden bis dahin schlicht verschwunden sein. Diese Einschätzung äußerte Meteorologe Andreas Wagner im Sommer 2023 gegenüber dem SWR. Optimistischere Berechnungen räumen den Alpengletschern immerhin noch bis zum Jahr 2100 eine Rolle als Wasserlieferant ein. Doch spätestens zu diesem Zeitpunkt könnte kein Schmelzwasser mehr den Rhein speisen.
Während die Niederschlagsmengen in den Hochgebirgslagen vergleichsweise hoch bleiben werden, wird sich die Situation im Flachland zuspitzen: Hohe Temperaturen, ausbleibender Regen und fehlendes Gletscherwasser lassen die Flusspegel drastisch sinken. Auch die Zuflüsse des Rheins könnten den Wassermangel nicht kompensieren – sie kämpfen selbst mit den Folgen von Hitze und geringen Niederschlägen.
Im Hochsommermonat August könnte die Wassermenge im Rhein um ein Drittel oder sogar bis zur Hälfte sinken. Das hat die Internationale Kommission für die Hydrologie des Rheingebiets (KHR) berechnet. Zwar sind sich Forschende einig, dass der Rhein nicht vollständig verschwinden wird – doch die Folgen für die Menschen am Rhein und darüber hinaus dürften gravierend sein.
Enno Nilson, Wissenschaftler an der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), warnt im Magazin „National Geographic“ vor „erheblichen Änderungen der Umwelt- und Wirtschaftsbedingungen“.
