„Diese Dinge schauen mich an, und ich weiß, was daraus wird“, soll die Weißenhorner Ikone Robert Bachinger einst zum Fotografen Helmut Moßner gesagt haben. Mit den „Dingen“ meinte Bachinger alte Geräte, Metallteile und allerlei Ausrangiertes, das sich über 33 Jahre hinweg auf seiner Wiese nahe der Roth, am Rand von Weißenhorn, angesammelt hatte.
Was für andere Menschen bloßer Schrott war, wurde für den „Grafen“ zum Material seiner Fantasie: Unterwegs mit seinem Traktor sammelte er die Fundstücke von Bürgerinnen und Bürgern ein. Und einigem von diesem „Gerümpel“ gab er eine neue Form, machte aus alten Pfannen, Fahrrädern und Schildern Kunstwerke, in denen sich sein ganz eigener Blick auf die Welt zeigte.
Zu seinen Lebzeiten blieb viel von seiner Kunst in seinem eigenen Reich verborgen, verschlossen und gut gehütet. Doch nun wird sie, drei Jahre nach dem Tod des Grafen, erstmals in der Ausstellung „Robert Bachinger: Kunst und Leben“, ab dem 12. Mai im Rathaus Weißenhorn, öffentlich gezeigt.
Weißenhorner Ausstellung zeigt Kunstwerke, Gedichte und Fotos von Robert Bachinger
Diesen Einblick haben die Stadt Weißenhorn in Zusammenarbeit mit dem Heimatmuseum und dem Heimat- und Museumsverein möglich gemacht. Federführend: Helmut Moßner und Andreas Kierndorfer, die den stadtbekannten Aussteiger teilweise seit Jahrzehnten kannten. Für Kierndorfer ist die Ausstellung, wie er sagt, deshalb eine echte „Herzensangelegenheit“. Dass Bachingers Kunst nun überhaupt aus ihrem Versteck treten kann, begann mit einem Zufallsfund im Internet.
Nach seinem Tod wurde dessen Wiese geräumt, sein Sohn stellte viele der Skulpturen online zum Verkauf ein. Kierndorfer entdeckte die Anzeige: „Ich wollte eigentlich nur eine Skulptur kaufen und fuhr hinaus auf das Gelände.“ Doch dort, im Gespräch mit Sohn Meik Krause, wurde aus einem Kunstwerk bald ein zweites, dann ein drittes … und irgendwann war klar, dass man diese Sammlung nicht auseinanderreißen sollte.
„Dann habe ich gesagt: Gut, ich kauf alles ab zum Pauschalpreis.“ Bachingers Sohn habe das zunächst kaum glauben können. „Kisten an Kisten waren das.“ Alles wurde eingelagert, viele Arbeiten hätten zuvor 25 bis 30 Jahre im Freien gestanden, waren verstaubt, verwittert und mussten deshalb ersfachkundigch gereinigt werden.
Der Weißenhorner Graf schnitzte auch Figuren aus Seife
Nun werden sie im Treppenhaus des Rathauses zu sehen sein, Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen. Dazu Schnitzereien aus Seife. „In seinem Wohnwagen hatte er viel Zeit und künstlerische Muße“, sagt Kierndorfer. Die Kunstwerke, so viel sei vorab verraten, sind oft überraschend fein, manchmal rau, dann wieder spielerisch und beweglich, wie zum Beispiel ein mittelgroßes Karussell, das Robert Bachinger aus alten Fahrradteilen zusammengeschweißt hatte. Titel tragen die meisten Arbeiten nicht. Häufig findet sich stattdessen seine Signatur: „GRB“, Graf Robert Bachinger.
Helmut Moßner zeigt auch ausgewählte Fotografien und tiefgründige Texte, die Bachinger selbst schrieb. Seine Fotostrecke führt nah an den Grafen heran: Sie zeigen ihn, seinen Wohnraum, seinen berühmt-berüchtigtenen Traktor und damit viele Seiten eines Menschen, der in Weißenhorn Spuren hinterlassen hat. Und weil Bachinger nicht nur baute, sammelte und gestaltete, sondern auch zur Gitarre griff, sind bei der Eröffnung zudem kurze Songsequenzen von ihm zu hören.
Wenn ich heute ein Werk schweiße, ist das mein Schönst … Und wenn ich alle meine Werke angucke, dann freut mich das Leben.
Graf Robert Bachinger
Was die Ausstellung, die auch als Hommage gedacht ist, zeigen soll? Dass Bachinger eine „kreative, künstlerische Breite hatte, die eigentlich kaum jemand erahnen konnte, weil seine Werke ja eingesperrt waren“, erklärt Kierndorfer. Viele hätten ihn nur oberflächlich wahrgenommen, als Schrottsammler. „Aber er war eigentlich schon mehr. Und als Künstler muss man sagen: alle Achtung, großen Respekt.“
Die Ausstellung ist nicht nur für die Weißenhorner Kulturnacht gedacht. Sie bleibt auch darüber hinaus zu sehen, bis zum 19. Juni zu den Geschäftszeiten des Rathauses. Und selbst dann muss noch nicht Schluss sein. „Wir spielen mit dem Gedanken, die Ausstellung über die Region weiterzutragen“, sagt Kierndorfer. Ganz einfach sei das nicht, denn so bekannt der Aussteiger in Weißenhorn war, so wenig weiß man andernorts über ihn und sein Leben.
Wenn die Werke aber wirklich weiterziehen würden, passt das zu einem Leben, das von Bewegung geprägt war: Bachinger stammte aus einer Schaustellerfamilie und gehörte zum fahrenden Volk der Jenischen. Er war deshalb selbst viel unterwegs, in fremde Länder, und suchte so auf seine Weise immer wieder die Freiheit.
Info: Die Ausstellung wird am Dienstag, 12. Mai, um 19 Uhr eröffnet und ist auch am 13. Mai während der Weißenhorner Kulturnacht zu sehen. Darüber hinaus bleibt sie bis zum 19. Juni geöffnet. Am Abend der Kulturnacht wird außerdem der preisgekrönte Hochschulfilm „Am Ende der Wiese“ gezeigt. Vorführungen sind um 19 Uhr, 20.30 Uhr und 22 Uhr.