(Motorsport-Total.com) – Der Grand Prix von Indianapolis, das seit Jahren Anfang Mai ausgetragene IndyCar-Rennen auf dem Indianapolis-Rundkurs, ist am Samstag mit dem ersten Saisonsieg für Christian Lundgaard (McLaren-Chevrolet) zu Ende gegangen. In einem turbulenten, teils chaotischen, Rennen lieferte sich Lundgaard im Kampf um den Sieg ein packendes Duell mit David Malukas (Penske-Chevrolet).
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Im Kampf um P11 übertrieb es Mick Schumachert drei Runden vor Schluss
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Mick Schumacher (Rahal-Honda) behielt im vorübergehend chaotischen Rennen lange Zeit kühlen Kopf. Von P18 gestartet lag der IndyCar-Rookie in Diensten von Rahal Letterman Lanigan Racing (RLL) drei Runden vor Schluss auf P12. Das wäre das beste Ergebnis seiner bisherigen IndyCar-Karriere geworden.
Dann aber wollte Schumacher im Kampf um P11 an Santino Ferrucci (Foyt-Chevrolet) vorbei. In Kurve 7 am Ende der Gegengerade kam Schumacher nicht vorbei, dann kam es zur Berührung in Kurve 9, bei der sich Ferrucci drehte. Schumacher kassierte für den späten Zwischenfall eine Durchfahrtsstrafe für vermeidbaren Kontakt. Diese warf ihn im Endergebnis des Rennens auf P20 zurück.
Schumachers Teamkollegen Graham Rahal und Louis Foster hatten das Rennen vom sechsten Startplatz (Foster) respektive siebten Startplatz (Rahal) aufgenommen. Mit P3 durch Rahal und P7 durch Foster, aber auch durch Schumachers lange Zeit souveräne Fahrt in den Top 12, hat das Rahal-Team einmal mehr eine starke Teamleistung auf seiner Paradestrecke, dem Indianapolis-Rundkurs, eingefahren.
Startcrash in Kurve 1 nach Rosenqvist-Verbremser
Als das 85-Runden-Rennen mit der grünen Flagge freigegeben wurde, krachte es gleich mehrfach. Im hinteren Mittelfeld gab es Irritationen beim Beschleunigen auf der Start/Ziel-Gerade. Die Folge war eine Kettenreaktion, in der sich Scott McLaughlin (Penske-Chevrolet) und Rinus VeeKay (Juncos-Chevrolet) ihre Frontflügel beschädigten, als sie auf ihren jeweiligen Vordermann – Santino Ferrucci beziehungsweise Christian Rasmussen – auffuhren. Aber auch ganz vorne krachte es, nämlich in Kurve 1.
Während Polesetter Alex Palou (Ganassi-Honda) als Erster in die erste Kurve einbog, verbremste sich der von P3 gestartete Felix Rosenqvist (Shank-Honda). Er schickte Patricio „Pato“ O’Ward (McLaren-Chevrolet) in einen Dreher, wobei sich Rosenqvist selber ebenfalls drehte. Der Schwede kassierte als Auslöser eine Durchfahrtsstrafe.
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Erster Saisonsieg für Christian Lundgaard (McLaren-Chevrolet) Zoom
Im dadurch ausgelösten Chaos in Kurve 1 fingen sich Scott Dixon (Ganassi-Honda) und Caio Collet (Foyt-Chevrolet) Beschädigungen an ihren Boliden ein, konnten das Rennen aber fortsetzen. Derweil gelang es anderen, darunter der spätere Sieger Christian Lundgaard sowie Josef Newgarden (Penske-Chevrolet) und auch Mick Schumacher, in Kurve 1 über den Rasen auszuweichen und somit nicht direkt in den Startcrash verwickelt zu werden.
Beim ersten Restart verteidigte Alex Palou die Spitzenposition. In seinem Rücken aber war es Kyle Kirkwood (Andretti-Honda) – Palous schärfster Verfolger in der Punktewertung – der mächtig Boden gutmachte. Von P9 gestartet nahm Kirkwood den ersten Restart als Vierter unter die Räder.
Alex Palou und Kyle Kirkwood von Gelbphase ausgebremst
Am ersten Bremspunkt nach Grün griff Kirkwood sich sofort Graham Rahal eine Runde später ein gleicher Stelle auch noch David Malukas. Damit fuhr der Andretti-Pilot an zweiter Stelle hinter Palou. Wenig später aber wurden beide von einer Gelbphase ausgebremst.
Alexander Rossi (Carpenter-Chevrolet) rollte auf der Start/Ziel-Gerade mit defektem Hybridsystem aus und blieb stehen. Es gab aber zunächst nur eine lokale Gelbphase, keine Full-Course-Yellow für die gesamte Strecke.
Einige Piloten kamen sofort zum ersten Boxenstopp, wohingegen Palou und Kirkwood zögerten und erst dann zum Service fuhren, als das Pace-Car auf der Strecke war. Damit fielen beide ans Ende der Führungsrunde zurück. Ins Ziel kam Palou letztlich noch auf P5. Kirkwood schloss nur auf P9 nachdem es beim ihm bei einem Boxenstopp am rechten Vorderrad geklemmt hatte.
Will Power nach Start von P25 plötzlich ganz vorn
Die Konfusion im Feld hatte zur Folge, dass beim zweiten Restart ausgerechnet derjenige in Führung lag, der nach verpatztem Qualifying vom letzten Startplatz (P25) ins Rennen gegangen war: Will Power (Andretti-Honda), der in seinen Jahren als Penske-Pilot fünfmal auf dem Indianapolis-Rundkurs gewonnen hatte.
In den Startcrash in Kurve 1 war Power zwar nicht verwickelt, dennoch hatte er im Sinne einer abweichenden Strategie direkt in der ersten Gelbphase seinen ersten Boxenstopp eingelegt, um von harten auf weiche Reifen umrüsten zu lassen.
Als alle anderen ihrerseits ihren ersten Boxenstopp eingelegt hatten, lag Power ganz vorne. Als es kurz darauf aufgrund einer Kollision im Hinterfeld wieder Gelb gab, kam Power zum zweiten Boxenstopp und übergab die Führung an seinen Nachfolger im Penske-Team: David Malukas.
Malukas fuhr ausgerechnet an diesem Wochenende ein Retro-Design, das an das Design von Powers Sieg beim Indianapolis-Grand-Prix 2018 angelehnt war. Jenes Rennen brachte damals den 200. IndyCar-Sieg für das Penske-Team.
David Malukas vs. Christian Lundgaard – Power mit Fauxpas
Malukas duellierte sich fortan mit Christian Lundgaard. Beide waren auf vergleichbarer Strategie unterwegs. Auf abweichenden Strategien fuhren indes Power, außerdem „Pato“ O’Ward und Scott Dixon, die beide direkt in Kurve 1 unverschuldet in den Startrcrash verwickelt waren, und auch Alex Palou, der sich infolge der Konfusion um die zweite Gelbphase großen Rückstand eingefangen hatte.
Power allerdings, der im Zuge seiner Strategie ein paar Führungsrunden verbuchte, leistete sich nach seinem letzten routinemäßigen Boxenstopp einen Fauxpas: Am Ausgang der Boxengasse überfuhr er die durchgezogene weiße Linie. Die Folge war eine Durchfahrtsstrafe, die ihn jegliche Chance auf ein Top-Ergebnis kostete. Am Ende wurde es für Power nur P13.
Die Vorentscheidung im Kampf um den Sieg fiel, als Christian Lundgaard seinen dritten Boxenstopp in der 65. von 85. Runde einlegte. Zu diesem Zeitpunkt lag der McLaren-Pilot direkt hinter Spitzenreiter David Malukas. Malukas blieb eine Runde länger auf der Strecke, hing auf dieser Runde aber hinter dem zur Überrundung anstehenden Rinus VeeKay fest.
Außen herum: Lundgaard knöpft Malukas die Führung ab
Nachdem Malukas in Runde 66 bei seinem letzten Boxenstopp war, kam er zwar noch knapp vor Lundgaard auf die Strecke zurück. Eine Runde später aber gab es dann doch den Führungswechsel – und wie! Lundgaard probierte es in den Kurven 3 und 4 (beides Rechtskurven) außen herum.
Das Manöver ging auf, denn in der folgenden schnellen Links-Rechts-Schikane eingangs der Gegengerade war es Lundgaard, der die bessere Linie am Eingang hatte. Damit nahm der McLaren-Pilot dem Penske-Piloten, der sauber mitspielte, die Führung ab.
Von da an ließ Lundgaard nichts mehr anbrennen. Der Däne holte sich seinen zweiten IndyCar-Sieg und seinen ersten in Diensten von McLaren mit 4,6 Sekunden Vorsprung. Seinen ersten Sieg hatte Lundgaard in der Saison 2023 auf dem Stadtkurs in Toronto eingefahren. Es ist bis heute der letzte IndyCar-Sieg von Rahal Letterman Lanigan Racing.
Alex Palou kämpft sich noch in die Top 5
David Malukas wurde hinter Lundgaard Zweiter, gefolgt von Graham Rahal auf P3, Josef Newgarden auf P4 und dem von der Pole gestarteten Alex Palou, der nach seinem unglücklichen Rückfall ans Ende der Führungsrunde immerhin noch Fünfter wurde. Scott Dixon brachte seine abweichende Strategie noch bis auf P6, hinggen sprang für „Pato“ O’Ward nicht mehr als P18 heraus. Bestplatzierter Rookie war Dennis Hauger (Coyne-Honda) auf P8, nachdem er vom 24. Startplatz losgefahren ist.
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Die einzigen Ausfälle im Rennen betrafen nicht etwa den Startcrash. Alexander Rossi, dessen Hybrid-Defekt nach 20 Runden die bereits erwähnte Konfusion ausgelöst hatte, war der erste Ausfall im Rennen. Auch Rossis Teamkollege Christian Rasmussen fiel mit technischem Defekt aus.
Außerdem musste derjenige aufgeben, der in Kurve 1 den Startcrash ausgelöst hatte: Felix Rosenqvists Rennen endete in Runde 29 in einer Kollision mit Kyffin Simpson (Ganassi-Honda) und Sting Ray Robb (Juncos-Chevrolet) in Kurve 13. Und nach 61 Runden strandete schließlich noch Marcus Ericsson (Andretti-Honda) mit Defekt.
In der IndyCar-Gesamtwertung 2026 hat Alex Palou mit P5 im Rennen die Tabellenführung verteidigt. Kyle Kirkwood ist weiterhin Zweiter. Dahinter sind sowohl David Malukas mit P2 im Rennen als auch Christian Lundgaard mit seinem ersten Saisonsieg näher an die Top 2 heran gerückt.
Im IndyCar-Kalender 2026 geht es nun direkt zum Saisonhöhepunkt über. Das berühmte Indy 500 auf dem Indianapolis-Oval steht zwar erst für übernächsten Sonntag (24. Mai) im Kalender. Die Freien Trainings beginnen aber bereits am kommenden Dienstag (12. Mai) und laufen täglich bis einschließlich Freitag (15. Mai). Das auf zwei Tage verteilte Qualifying findet am Wochenende 16./17. Mai statt. Die letzten zwei Freien Trainings gibt es in der Rennwoche am Montag (18. Mai) und am Freitag (22. Mai).