Sie übertragen Krankheiten und können erhebliche Schäden verursachen. Ob in Haus, Garten oder in Parks und Spielplätzen – Ratten gelten gemeinhin als Schädlinge und unerwünscht. Dennoch wird es ab Sonntag (26. April 2026) deutlich schwerer die lästigen Nager zu bekämpfen. Zumindest für Privatpersonen. Sieht die nationale Umsetzung der EU-Biozid-Verordnung doch vor, dass Rodentizide, also Rattengifte nicht mehr an Privatpersonen frei verkauft werden dürfen.

Zugelassene Schädlingsbekämpfer dürfen die Mittel zwar weiterhin verwenden. Doch Schädlingsbekämpfer Volker Skor, der in Essen die „Skor Schädlingsbekämpfung GmbH“ betreibt, sieht darin ein großes Problem. „In urbanen Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet sind die Rattenfälle stark angestiegen“, berichtet uns der 58-Jährige. Daran seien die Menschen selbst Schuld. Es werde Müll achtlos auf die Straßen geworfen, Sperrmüllhaufen achtlos in der Gegend verteilt, optimale Lebensbedingungen für die Nager. Das dürfte nun nicht unbedingt besser werden.

Rattengiftverbot für Privatpersonen

Einen Vorteil für sein Unternehmen sieht Skor darin jedoch nicht: „Wir gehen davon aus, dass ein Großteil der im Handel befindlichen Präparate nicht von den professionellen Anwendern wie uns verwendet werden, sondern dass der Großteil des Umsatzes dadurch gemacht werde, dass die Mittel auch für Normalpersonen zu kaufen sind. Da die Unternehmen, die die Präparate herstellen, natürlich aber auch Umsatz machen wollen, könnte es für sie irgendwann keinen Sinn mehr machen, die teuren Zulassungsverfahren zu beantragen, um die Präparate weiter laufen zu lassen“, so Skor.

Sprich: Irgendwann muss sich auch der professionelle Schädlingsbekämpfer etwas Neues einfallen lassen. „Wir würden sie ja gerne totstreicheln“, scherzt der Essener, „aber das geht nun mal nicht.“

Blieben fast nur noch Schlagfallen. Die jedoch würden ebenfalls strengen Vorschriften unterlegen, müssten alle 24 Stunden kontrolliert werden, was die Kosten in die Höhe treibe. „Das ist vernünftig“, sagt Skor, sind die Tiere doch nicht immer direkt tot und sollten schnellstmöglich von ihrem Leid befreit werden. Seine Firma würde sie in den seltenen Fällen, in denen sie diese nutzen, sogar alle zwölf Stunden kontrollieren. Dazu kommt die Gefahr, dass Schlagfallen, wenn sie nicht ordnungsgemäß verwendet werden, auch Katzen, Vögel oder gar Kinder verletzten könnten. Gift sei da deutlich sicherer einsetzbar.

Das Foto zeigt Schädlingsbekämpfer Volker Skor.Foto: Dominik Göttker

Noch problematischer könnte ein Verbot werden, das ab Juli 2026 in Kraft tritt. Dann ist es nämlich auch professionellen Schädlingsbekämpfern untersagt, befallsunabhängige Dauerbeköderung auszulegen. Sprich: Nur wenn es bereits einen Rattenbefall gibt, darf gehandelt werden. Besonders problematisch könnte das für Lebensmittellager oder auch Restaurants werden.

„Wenn uns genommen wird, befallsunabhängige Beköderung durchzuführen, also regelmäßig unsere Stationen mit entsprechend geeigneten Präparaten zu bestücken, dann wird das aus unserer fachlichen Sicht irgendwann explodieren“, so der Experte. Machen könne er dagegen nichts.

„Wir würden sie ja gerne totstreicheln“

„Wir sehen, was da draußen los ist, wir sehen, dass es immer mehr wird, aber wir sind eine zu kleine Branche, als dass wir eine Lobby hätten. Wenn die Öffentlichkeit vom Kammerjäger oder Schädlingsbekämpfer hört, ist das sofort eine negative Assoziation, die da stattfindet.“

📌 Ratten in NRW

  • Ratten pro Mensch: Als Faustregel gilt, pro Person kommen bis zu drei Ratten. In Köln wird mit einer Rattenpopulation von zwölf Millionen Tieren gerechnet
  • Ursachen: Viel Müll, starkes Nahrungsangebot
  • Probleme: Die Tiere können unterschiedlichste Krankheiten wie das Hantavirus (kann Fieber und Nierenschäden verursachen) oder Leptospirose (Weil’sche Gelbsucht) übertragen

Seine Befürchtung: Die Menschen werden sich nun Präparate aus anderen Ländern besorgen, oder noch schlimmer – Klebefallen aufstellen: „Aus Tierschutzgründen ist das für uns eine Vollkatastrophe. Das machen wir überhaupt nicht. Wenn von uns einer eine Klebefalle sieht, zeigen wir das an. Das ist eine perverse Geschichte, handelt es sich dabei doch um große Klebebretter, die mit starkem Leim versehen sind. Die Tiere gehen da drauf, bleiben hängen. Und wenn sie lange genug da drauf sind, nagen sie sich ein Körperteil ab, um da runterzukommen, oder verenden qualvoll. Das ist nicht, was wir möchten.“

Sein Rat: Der beste Schutz sei Prävention. Keine Lebensmittelreste frei herumliegen lassen, und sie auch nicht die Toilette herunterspülen, Sperrmüllhaufen nicht zu lange liegen lassen, bodendeckende Pflanzen zurückschneiden und falls es doch Befall gibt, einen seriösen Schädlingsbekämpfer zur Hilfe rufen.

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