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Ausfälle, zu dünner Kader, Trainer in der Kritik – BILD erklärt, was beim einstigen Abo-Meister der Daikin Handball-Bundesliga schiefläuft. Der Handball-Riese wankt – und klammert sich an seine letzte Chance. Der THW Kiel steckt in einer Saison, die anders laufen sollte. Drei Ziele hatte der Klub vor dem Start. Zwei sind weg. Nur eines ist noch erreichbar: der Titel in der European League.

Foto: Dyn

Geschäftsführer Viktor Szilagyi (47) auf die Frage, ob er aktuell seine schwerste Phase seit Amtsantritt 2019 erlebt: „Ja, das ist so.“

2023 wurde Kiel zuletzt Meister, inzwischen ist der Abstand zu Spitzenreiter Magdeburg gewaltig. Statt Titelrennen heißt der Alltag Kampf um Platz 5. Heute (15 Uhr, WELT TV und live bei Dyn/Anzeige) kommen die Füchse Berlin zum Handball-Kracher in den Norden. In der Liga ist die Champions League nicht mehr aus eigener Kraft drin. Und im Pokal ist ebenfalls Schluss. Geblieben ist nur noch die European League – samt Final4 in Hamburg.

Kiels sportliche Führung (v.r.) durchlebt eine schwere Phase: Viktor Szilagyi (47), Trainer Filip Jicha (44) und Co‑Trainer Christian Sprenger (43)

Kiels sportliche Führung (v.r.) durchlebt eine schwere Phase: Viktor Szilagyi (47), Trainer Filip Jicha (44) und Co‑Trainer Christian Sprenger (43)

Foto: picture alliance/Eibner-Pressefoto

Zuletzt quälte sich der Rekordmeister gegen Nasice ins Siebenmeterwerfen, zog dramatisch ins Halbfinale (gegen Montpellier) ein. Szilagyi: „Wir hatten drei Ziele vor der Saison, eines war das European-League-Final4 – das haben wir erreicht. Jetzt können wir uns neue Ziele setzen: am letzten Mai-Wochenende den Titel zu holen. Dafür haben wir die ganze Saison gearbeitet.“

Der Plan war ein kontrollierter Umbruch in dieser Saison. Die Realität: Kiel ist im Dauer-Reparaturbetrieb. Langzeit-Ausfälle (Pekeler, Perez de Vargas, Bilyk, Madsen, Ellefsen á Skipagötu) rissen Lücken. Szilagyi: „Diese Weiterentwicklung war kaum möglich, weil wir ständig mit dem Tagesgeschäft beschäftigt waren. Der Trainerstab musste immer wieder basteln, die vorgesehenen Rollen einzelner Spieler haben sich verändert.“

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Der THW-Boss spricht von einem Dominoeffekt: „Wenn mehrere Rückraumspieler gleichzeitig fehlen, ist man nicht mehr konkurrenzfähig.“ War der Kader zu dünn? Szilagyi: „Im Nachhinein, unter diesen Gegebenheiten: ja. Aber man kann nicht alle Eventualitäten abdecken. In dieser Häufigkeit war das nicht zu erwarten.“

Die Folgen der Krise: Diskussionen um Trainer Filip Jícha (44), Unruhe im Umfeld, Druck von außen. Szilagyi bleibt ruhig: „Es braucht immer eine sachliche Analyse und nicht nur eine emotionale. Ich glaube, unser Handeln zeigt, dass wir an unseren gemeinsamen Weg glauben.“

Klar ist für den Geschäftsführer: „Trotzdem haben wir klare Ziele und wollen keinen Rucksack in die nächste Saison mitnehmen.“