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Uns auf Google folgenFußball, Männer, Bundesliga, VfB Stuttgart - Bayer 04 Leverkusen, 33. Spieltag, MHPArena. Deniz Undav (r, VfB Stuttgart) jubelt nach seinem Tor zum 3:1 mit Ermedin Demirovic (VfB Stuttgart). (zu dpa: „Leipzig in der Königsklasse - auch VfB mit guten Chancen“)Matchwinner unter sich: die Stuttgarter Himmelsstürmer Ermedin Demirovic (links) und Deniz Undav. © Tom Weller/dpa

Der VfB Stuttgart steht nach dem Sieg gegen Bayer Leverkusen kurz vor der Champions League. Nur noch ein Sieg in Frankfurt fehlt.

Samstag in der frühen Abendsonne im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt waren viele fröhliche Menschen zu besichtigen. Die einen, zumeist schick in gedeckten Farben und Schuhen mit hohen Absätzen unterwegs, freuten sich auf die Show „Lord of the dance“; die nächsten, in zünftigen Dirndln oder Lederhosen, freuten sich auf Achterbahn und Autoscooter beim Stuttgarter Frühlingsfest; und die deutliche Überzahl in Trikots mit dem Brustring des einheimischen VfB freute sich über den 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen.

Ihr Herzensklub hatte sich auch von einem Rückstand nach bereits 49 Sekunden nicht sonderlich beeindrucken lassen. Der Erfolg bedeutet, dass Stuttgart nun beste Chancen hat, in der kommenden Saison wieder Champions League-Standort sein zu dürfen. Nur ein Sieg am nächsten Samstag bei der schwächelnden Frankfurter Eintracht ist dafür noch nötig.

Eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff waren im Abstand von wenigen Minuten erst Stuttgarts Boss Alexander Wehrle und dann Bayers Fußballchef Fernando Carro aus dem Stadion geschlurft. Wehrle breit lächelnd, Carro mit grimmigem Blick. Wahrscheinlich aus Selbstschutz sah der feurige Spanier davon ab, das zuvor Gesehene zu kommentieren.

Bayer-Sportchef Simon Rolfes schiebt Frust

Das tat dann sehr deutlich Sportchef Simon Rolfes. Der war sichtbar not amused. Denn nachdem Leverkusen in den Wochen zuvor in fünf Spielen sieben Punkte auf den VfB gutgemacht und die Stuttgarter sogar überholt hatte, sind die Chancen auf das Kernziel Champions League-Teilnahme nun bescheiden. Rolfes’ Verdruss geriet größer als zuvor die Hingabe der Bayer-Profis: „Die Stuttgarter waren heiß, die waren giftig. Die haben sich in die Zweikämpfe wirklich reingehaun. Gegen so eine Mannschaft musst du alles rausholen, da musst du um jeden Ball fighten. Es ist sehr, sehr ärgerlich, dass wir das nicht gezeigt haben.“

Klingt nicht gut für Trainer Kasper Hjulmand. Sollten Stuttgart und/oder Hoffenheim Samstag in den Parallelspielen in Frankfurt und Mönchengladbach gewinnen, würde Bayer selbst ein Sieg gegen den Hamburger SV nur in die Europa League führen. Zu wenig für den Meister von 2024, zu wenig für den Trainer wohl auch. „Wir werden nicht aufgeben“, sagte Rolfes zwar, aber das dürfte auch in seinen Ohren verdächtig nach einer Durchhalteparole geklungen haben. Kapitän Robert Andrich packte seine Enttäuschung kompakt in einen Satz: „Ein Spiel der Offenbarung, dass wir dieses Jahr nicht gut genug für die Top Vier waren.“

VfB-Sportvorstand Wohlgemuth frohlockt

Der VfB Stuttgart dagegen könnte diese Saison gut genug für die Qualifikation zur Königsklasse (nächsten Samstagnachmittag) und den Pokalsieg (übernächsten Samstagabend) sein. Die Fans skandierten fröhlich: „Zieht den Bayern die Lederhosen aus.“ Frage an VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth: Hat die Anhängerschaft da schon sieben Tage zu weit gedacht? „Genau“, allerdings sei „das ein Gesang, der in jedem Stadion mal bedient wird, völlig unabhängig davon, welche Ereignisse anstehen.“

Der kluge Mann weiß natürlich, dass erst einmal Eintracht Frankfurt geschlagen werden muss. Trainer Sebastian Hoeneß, der in seiner Coachingzone fast so viele Meter machte wie seine fleißigen Spieler auf dem Platz, gab die Richtung vor: „Wenn wir diese Haltung haben, ist es verdammt schwer, gegen uns zu spielen. Das wollen wir auch nächste Woche auf den Platz bringen.“

Überragendes VfB-Duo Undav und Demirovic

Gegen Leverkusen gaben allen voran die beiden VfB-Angreifer Deniz Undav und Ermedin „Medo“ Demirovic die Taktung vor. Beide ergänzten sich nahezu perfekt und trafen jeweils entscheidend. Undav, dessen Vertragsverlängerung mit dem Sieg immer wahrscheinlicher wird, erklärte die Arbeitsteilung inhaltlich so: „Wenn Medo spielt, habe ich mehr Freiräume und kann mich mehr bewegen. Er bindet Spieler und ist in der Box eiskalt.“

Da wollte Fabian Wohlgemuth nicht nachstehen: „Medo hat gezeigt, wozu er im Infight fähig ist. Er behauptet den Ball wie eine Bulldogge.“ Und weil Begriffe aus dem Tierleben gerade so gut passten zu dem, was die entfesselten Schwaben zuvor auf den Rasen gepackt hatten, führte Hoeneß aus: „Wir haben gekämpft wie eine Wildsau.“ Genau genommen wie – inklusive eingewechselte Spieler – sogar 15 Wildsäue und eine Bulldogge.