Einst war sie als Lockmittel gedacht, um zum Besuch des Filmemacherfrühstücks am Barniner See zu animieren: die Fischsuppe von Dieter Schumann. 2001 hat davon sogar Armin Mueller-Stahl gegessen, erinnert sich der Dokumentarfilmer, dessen neueste Produktion „Garten der Hoffnung“ zur Eröffnung des 35. Filmkunstfestes uraufgeführt wurde.

Die Schauspieler Andreas Anke (links) und Martin Neuhaus beim Filmemacherfrühstück. (Foto: Max-Stefan Koslik)
Als das Filmemacherfrühstück nach Schwerin umzog, endete die Suppentradition. Doch am Eröffnungsabend des diesjährigen Jubiläumsfestes versprach Schumann, noch einmal den Kochlöffel zu schwingen – und war daraufhin am Sonnabend schon lange vor den ersten Gästen am Schweriner „Ruderhaus“ in Aktion. Was seine Fischsuppe ausmacht? „Das ist ein Sud, der zwei Tage immer wieder aufgeköchelt wurde aus Mittelgräten, Bauchlappen und Köpfen. Das Ganze wird dann durchgeseiht, und das gibt die eigentliche Kraft“, verriet er. Im Sud gare er dann fein geschnittenes Gemüse, und ganz zuletzt komme der Fisch rein. „Da muss ich zirkeln, denn das darf ja nicht kochen – die kleinen Fischfiletstückchen dürfen nur ziehen, maximal fünf Minuten.“ Die Gewürze seien schwer abzuschätzen, denn das Gemüse nehme ja Salz und andere Dinge auf, „da muss ich dann noch mal nachwürzen, das ist das Komplizierte“. Die besondere Würze gibt der Suppe übrigens Liebstöckel – und Safran sorgt für die Farbe.
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Muss man noch gesondert erwähnen, dass der Suppenkessel bis auf den Grund geleert wurde?
Begegnung im echten Leben statt im Film
Sie spielen beide tragende Rollen in demselben Film, haben sich aber bei den Dreharbeiten nie getroffen: die in Rostock geborene Franziska Konieczny und Marc Limmer aus Mannheim. Erst auf dem Filmkunstfest in Schwerin sind sie sich nun persönlich begegnet: Der NDR hatte sie und weitere Protagonisten zur Aufführung des Dokumentarfilms „Warum wir wurden, wie wir sind“ eingeladen. Im Mittelpunkt steht die Rostocker Längsschnittstudie, die seit dem Beginn der 70er-Jahre Daten über Kinder sammelt, die damals als Risikogeburten galten. Dass fast zeitgleich in Mannheim die ähnlich gelagerte Kurpfalz-Studie angelaufen war, erfuhren die Rostocker erst nach der Wende.
Konieczny, heute Geschäftsfrau, und Limmer, der Anästhesist wurde, sind jahrzehntelang wissenschaftlich begleitet worden – und wären dazu auch weiter bereit, wie sie in Schwerin bekundeten. Und sie möchten sich von nun an öfter treffen.
Wer wissen will, wie viel in unserem Leben von Genen, Umfeld und eigenen Entscheidungen geprägt ist, findet die sehenswerte Dokumentation in der ARD-Mediathek.
Was Dankesreden ans Licht bringen
Erst die Laudatio, dann die Preisübergabe, dann die Dankesworte: Bei insgesamt 13 Preisen, die auf dem Filmkunstfest MV vergeben wurden, kann sich das ganz schön ziehen – zum Glück gab es immer wieder erhellende Einblicke. Tobias Nölle zum Beispiel, der den Preis für die beste Bildgestaltung im Dokumentarfilmwettbewerb erhielt, freute sich über die Auszeichnung genauso sehr wie über das von der Sparkasse Mecklenburg-Schwerin gestiftete Preisgeld in Höhe von 2500 Euro. Er gehe nämlich nächste Woche in Vaterzeit, verriet der Regisseur – und werde von dem Geld für seine Tochter nun die besten Windeln kaufen.

Jurymitglied Volker Langhoff (links) übergibt den Preis für die beste Bildgestaltung im Dokumentarfilmwettbewerb an Tobias Nölle. (Foto: Volker Bohlmann)
Lacher erntete auch Sabine Thalau, die die Hauptrolle in „Ich verstehe Ihren Unmut“ spielte. Der Spielfilm von Kilian Armando Friedrich erhielt den Förderpreis der DEFA-Stiftung im Spielfilmwettbewerb – und die Darstellerin der Heike, die ein Reinigungsunternehmen leitet, eine ausdrücklich lobende Erwähnung in der Laudatio. Dabei hatte sie sich vor gut einem Jahr mit 57 Jahren nur aus Spaß entschieden, zum ersten Mal bei einem Casting mitzumachen, erzählte Thalau auf der Bühne des Festivalkinos Capitol noch immer ganz ungläubig. „Und jetzt bin ich hier in Schwerin…“.
Letztes Jahr im Wettbewerb, dieses Jahr in der Jury
Sie gehört zu den bekanntesten Gesichtern, die in der Festivalwoche in Schwerin zu sehen waren: Schauspielerin Barbara Philipp. Seit 2010 verkörpert sie in den vom Hessischen Rundfunk produzierten „Tatort“-Folgen die Rolle der LKA-Verwaltungsangestellte Magda Wächter an der Seite von Ulrich Tukur als Felix Murot. Zu ihren zahlreichen anderen Filmrollen gehörte auch die der Mutter in „Ich sterbe. Kommst du?“ von Benjamin Kramme, der 2025 auf dem Filmkunstfest MV unter anderem mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde und für den Krammes Ehefrau Jennifer Sabel den Deutschen Schauspielpreis 2025 in der Kategorie „Dramatische Hauptrolle“ bekam. In diesem Jahr entschied Barbara Philipp nun in Schwerin mit über die Preisträger: Gemeinsam mit Aelrun Goette und Henk Handloegten saß sie in der Spielfilmjury.
Mit Geduld nach über 25 Jahren am Ziel
Auf einer Autofahrt durch Tschechien nach Wien hatte Ulrike Ottinger bereits Ende der 90er-Jahre die Idee zu ihrer Vampirkomödie „Die Blutgräfin“. Und sie hatte auch damals schon eine ganz genaue Vorstellung davon, wer die Hauptrolle der Vampirin Elisabeth Báthory spielen sollte: die französische Schauspielerin Isabelle Hupert. Doch während diese sofort zusagte, hatte Ottinger Probleme, Geldgeber für ihre Filmidee zu finden. So verging gut ein Vierteljahrhundert – und damit etwa dieselbe Zeitspanne, die in der Filmhandlung vergeht, bis die Blutgräfin und andere Wiedergänger Wien erneut aufsuchen – bevor der Film der inzwischen 84-jährigen Ottinger auf der diesjährigen Berlinale und etwas später jetzt auch auf dem Filmkunstfest in Schwerin gezeigt wurde.

Isabelle Huppert im Ulrike Ottingers Wettbewerbsfilm „Die Blutgräfin“ (Foto: Amour Fou Vienna)
Wer den hochkarätig besetzten Vampirspaß – u.a. mit Birgit Minichmayr, Lars Eidinger und in einer kleinen Rolle auch Conchita Wurst – auf dem Filmkunstfest verpasst hat, sollte sich den Kinostart Ende Oktober schon einmal vormerken. Kleines Schmankerl als Vorgeschmack: „Wir müssen kühles Blut bewahren. Wo immer wir einen Kühlschrank finden.“