Einen besseren Gegner hätte man für diesen Anlass kaum aussuchen können. Eine Woche nach dem geschafften Klassenerhalt trifft der 1. FC Union am Sonntagabend auf Mainz 05 (19.30 Uhr), und damit auf den einstigen Erfolgstrainer Urs Fischer. Und diesmal wird man das Wiedersehen auch richtig genießen können.
„Wenn man weiß, dass man in der Liga bleibt, dann wird diese Emotionalität ein bisschen anders erlebt“, sagte Fischer am Freitag. Als der heutige Trainer von Mainz im Januar erstmals an die Alte Försterei zurückkehrte, steckten sowohl er als auch Union noch im Abstiegskampf. Nun haben beide den Klassenerhalt geschafft und können in Ruhe auf die guten, alten Zeiten anstoßen.
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Wobei es für Union jetzt vielmehr um die Zukunft geht. Denn bei aller Freude über das erreichte Saisonziel haben die letzten Monate auch einige bittere Wahrheiten bloßgelegt. Zweieinhalb Jahre nach dem Ende der Ära Fischer sucht Union immer noch nach einem neuen Weg. Und in diesem Sommer stehen in Köpenick einige große Entscheidungen an.
Allen voran ist die Frage, wer als Nächstes in die großen Fußstapfen der Trainerlegende Fischer treten wird. Interimstrainerin Marie-Louise Eta wird ab dem Sommer die Profimannschaft der Frauen übernehmen. Noch ist unklar, wer ihr auf der Trainerbank der Männer folgen wird. Heißester Kandidat soll nach wie vor Christian Eichner sein, der aktuell den Karlsruher SC trainiert.
Union verliert zwei seiner zuletzt wertvolltsten Spieler ablösefrei
Ob Eichner oder ein anderer, steht der neue Trainer aber auf jeden Fall vor einem großen Umbruch. Besonders im Fokus steht dabei die Defensive. Die Verträge von Danilho Doekhi und Diogo Leite laufen zum Saisonende aus. Damit verliert Union zwei seiner zuletzt wertvollsten Spieler ablösefrei. Das ist eine finanzielle Niederlage, die aber vor allem sportlich eine große Lücke hinterlässt.
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In den vergangenen Jahren gehörten Doekhi und Leite schließlich zu den Leistungsträgern schlechthin bei Union. Ihre Abgänge machen die ohnehin schon wackelnde Abwehr zur größten Baustelle des Sommers. Entsprechend heiß wird es auch in der Gerüchteküche.
37
Treffer hat der 1. FC Union in 32 Bundesligaspielen in dieser Saison erzielt.
Nicht nur der bisherige Leihspieler Stanley Nsoki soll laut verschiedenen Medienberichten fest verpflichtet werden. Spekulationen gab es zuletzt auch über eine Rückkehr des einstigen Fanlieblings Marvin Friedrich. Zudem hat der Kicker über eine Verpflichtung des Schweizer Nationalspielers Eray Cömert vom FC Valencia berichtet. Jedenfalls scheint die Defensive aktuell höchste Priorität zu haben.
Die Bilanz des Union-Managers fällt mager aus
Dabei könnte es auch auf anderen Positionen zu großen Änderungen kommen. Rani Khedira, der einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach zuletzt nicht ganz ausschließen wollte, wäre der bedeutendste Verlust seit dem Verkauf von Sheraldo Becker vor zweieinhalb Jahren.
Und dann gäbe es noch das leidige Thema Angriff. Da hatte Union eigentlich gehofft, schon im vergangenen Sommer den längst überfälligen Umbruch geschafft zu haben. Mit Ilyas Ansah und Oliver Burke wurden damals zwei Verstärkungen geholt, die mehr Dynamik in die Offensive bringen sollten. „Wir sind jetzt in der Lage, flexibler Tore zu schießen“, hatte Unions Geschäftsführer Sport Horst Heldt im vergangenen September noch gesagt.
Die Realität sah am Ende anders aus. Trotz einiger guter Momente konnten weder Ansah noch Burke über die gesamte Saison überzeugen und gerade in der Rückrunde blieb Union im Angriff oft genauso stumpf und berechenbar wie früher. Das zeigt sich auch in der Statistik: 37 Treffer sind der drittschlechteste Wert vor dem 33. Spieltag, zusammen mit Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach. Nur der FC St. Pauli (26) und der Hamburger SV (36) standen schlechter da.
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Nicht nur deshalb steht Heldt in diesem Sommer besonders unter der Lupe. Zwei Jahre nach seiner Ankunft in Köpenick fällt die Bilanz des Union-Managers eher bescheiden aus. Spätestens seit der Entlassung von Baumgart wächst die Kritik. Und zur kommenden Saison dürfte der Druck auch nicht weniger werden.
In diesem Sommer geht Union schließlich in seine vorerst letzte Saison in der Alten Försterei, bevor man 2027/28 während des Stadionausbaus ins Olympiastadion umzieht. Spätestens dann wird eine ganz neue Ära in der Geschichte dieses Fußballvereins beginnen. Und auch dann will Union unbedingt noch in der ersten Liga spielen.