Inhalt / Kritik

Als Sam (Alec Baldwin) den Neuen Jack (Clive Standen) in die Wälder bringt, wo die beiden als Holzfäller arbeiten, sieht das alles noch nach einem ganz normalen Tag aus. Das ändert sich aber schnell, als Jack während seiner Mittagspause das Drogenlabor von Bo (Lochlyn Munro) findet. Interessanter noch für Jack ist der Haufen Geld, den er im Truck des Drogenhändlers Eli (Jesse Metcalfe) entdeckt. Kurzerhand beschließt er, die Kohle einfach einzusacken. Dummerweise bemerken die anderen das und sind nicht sehr angetan von diesem improvisierten Besitzerwechsel. Also nehmen sie die Verfolgung auf und jagen den Holzfäller durch die Wälder. Doch Jack lässt sich nicht so leicht unterkriegen …

Action-Abstellgleis

Es scheint irgendwie das Schicksal alternder Schauspieler zu sein, dass sie zum Ende ihrer Karriere in der B-Movie-Actionthriller-Nische landen. Ob Bruce Willis, Nicolas Cage, John Cusack oder John Travolta, das war teilweise schon demütigend mitansehen zu müssen, was die früheren Stars alles so abdrehen, damit wieder Geld in die Kasse kommt. Nun scheint auch Alec Baldwin dieses Schicksal ereilt zu haben, der seit Rust: Legende des Westens sowieso zu kämpfen hat. Denn Clear Cut ist eine dieser besagten schrecklichen Billigproduktionen. Immerhin: Das Geld dürfte leicht verdient sein. Wie so oft bei diesen Actionthrillern handelt es sich um eine Mogelpackung. Baldwin und sein Kollege Stephen Dorff mögen ganz groß auf dem Artwork präsentiert werden. Im Film tauchen die beiden nur kurz auf.

Stattdessen ist Clive Standen (Patient Zero) der eindeutige Hauptdarsteller und muss den Film über weite Strecken allein tragen. Dafür ist an seiner Figur aber auch mehr dran, als man anfangs erwartet hätte. Genauer ist das einer dieser Filme, wo der Protagonist eine ebenso lange wie tragische Vorgeschichte hat. Von der ahnt man anfangs natürlich nicht, eingeführt wird Jack als ganz normaler Holzfäller. Clear Cut arbeitet zudem mit schönen Settings, wenn der Actionthriller im Wald spielt. Erst mit der Zeit erfährt das Publikum mehr über die Hauptfigur. Meistens sind solche alten Traumata ein billiger Ersatz für eine Figurenzeichnung. Hier wurde zumindest versucht, daraus etwas Relevantes zu machen und eine Verbindung aufzubauen – selbst wenn das Ergebnis alles andere als glaubwürdig ist.

Zerfleddert und billig

Doch die Schwächen in der Geschichte sind noch das kleinere Manko. Schlimmer ist die Umsetzung. Regisseur Brian Skiba macht es sich besonders einfach, indem er die Vergangenheit mittels Flashbacks wiedergibt. In Maßen ist das sicher legitim. Hier wird das aber so exzessiv gemacht, dass der Film streckenweise völlig zerfleddert und die eigentliche Handlung nicht mehr vorankommt. Aber es ist nicht allein der Umfang der Flashbacks, die problematisch sind, sondern dass diese in Clear Cut so billig inszeniert wurden. Da wird einfach eine Szene an die andere geklatscht, ohne für ansprechende Übergänge zu sorgen. Wenn man schon so viel über früher sprechen möchte, sollte man sich ein paar Ideen machen, wie so etwas aussehen kann.

Leider trifft das mit der billigen Inszenierung auch auf die Kämpfe zu. Die wurden in Clear Cut nicht nur unschön geschnitten, sondern zusätzlich mit fürchterlichen Effekten zugekleistert. Dass solche B-Movies nicht viel Geld haben, ist klar. Auch die geringeren Ansprüche des Publikums, das sich einen derartigen Film anschaut, sind eine Erklärung dafür, warum man nicht so viel investiert hat. Das macht die Sache aber nicht besser. Was ein netter Thriller über eine Jagd durch den Wald hätte werden können – siehe etwa Azrael – Angel of Death oder Apex –, wird hier zu einem wenig sehenswerten Stückwerk, mit dem Baldwin sich vielleicht das Bankkonto verschönert hat. Dem Rest der Welt hat er damit aber keinen Gefallen getan.

Credits

OT: „Clear Cut“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Brian Skiba
Drehbuch: Joe Perruccio
Musik: Eva King
Kamera: Gabriel Medina
Besetzung: Clive Standen, Alec Baldwin, Stephen Dorff, Lochlyn Munro, Jesse Metcalfe, Tom Welling

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