Halle. Immer mehr Deutsche steigen auf Elektroautos um. Mehr als eine halbe Million batteriebetriebene Pkw wurden in der Bundesrepublik allein im vergangenen Jahr neu zugelassen. Da ist nicht so abwegig, dass sich der in Sachen Ökologie vorbildliche ÖPNV ebenfalls Gedanken macht, wie man noch grüner werden kann. Ein großer Schritt für den Altkreis: Der Haller Willem wird bald komplett elektrisch fahren.
Das Haller Kreisblatt hat den Träger, die „Nahverkehr Westfalen-Lippe“ (NWL) gebeten, die Details zu erläutern. Der NWL bestätigt die Pläne und setzt sogar noch eins drauf. „Westfalen-Lippe erhält die bislang zweitgrößte Batteriezug-Flotte in Deutschland“, heißt es aus der Presseabteilung.
Insgesamt 61 hochmoderne „Mireo Plus B-Batteriezüge“ von der Siemens-Verkehrs-Tochter „Siemens Mobility“ sollen ab Dezember 2029 auf den Schienen im Netz „Nördliches Westfalen“ und damit auch auf der Haller-Willem-Strecke RB75 zum Einsatz kommen. Die Züge werden nicht gekauft, sondern von der „Rock Rail NnW GmbH“ einer Tochter der britischen „Rock Rail Holdings“-Investorengruppe geleast.
OWL bekommt die zweitgrößte Batterie-Zug-Flotte
Die Bombardier-Talent-Wagen des Haller Willems haben bald ausgedient. Dann kommen Akku-Triebwagen von Siemens zum Einsatz.
| © Jonas Damme
Die neuen Züge werden mit Features wie obligatorischem WLAN, USB-Ladeports, niedrigen Einstiegen und ihrer nachhaltigen Bauweise beworben. „Ein umweltfreundliches und komfortables Reiseerlebnis“, verspricht Siemens-Mobility-CEO Michael Peters.
Das ist nicht nur für die Fahrgäste eine gute Nachricht, auch für die Anwohner. „Erfahrungsgemäß geht die Umstellung von Verbrennungsantrieb auf elektrische Technologie sowie von etwa drei Jahrzehnte alten Fahrzeugen auf moderne, fabrikneue Triebwagen mit deutlichen Verbesserungen der Geräuschsituation einher – sowohl für Fahrgäste als auch für Anwohner der Strecke“, kündigt NWL-Sprecherin Gwendolyn Dünner an.
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Der Bau von Oberleitungen zwischen Borgholzhausen und Bielefeld wird wohl nicht nötig sein, da die Mireo-Triebwagen große Akkus nutzen. „Diese Fahrzeuge laden ihre Batterien an Strecken mit bestehender Oberleitung sowie an speziell ausgerüsteten Bahnhöfen auf und überbrücken oberleitungsfreie Abschnitte mit der gespeicherten Energie“, erläutert Dünner. Dank intelligenter Energiemanagementsysteme fahren sie lokal emissionsfrei, besonders energieeffizient und deutlich leiser als herkömmliche Dieseltriebwagen.
Mireo-Triebwagen sind sauber und leise
Gleichzeitig nutzten die Züge ähnliche Reokkupationssysteme wie moderne Elektroautos. „Beim Bremsen wird Energie zurückgewonnen und wieder in die Akkus gespeist, was die Effizienz weiter steigert“, erklärt die Sprecherin. Die bisherigen Dieseltriebwagen vom Typ „Bombardier Talent, Baureihe VT 643“, die auf der Haller-Willem-Strecke eingesetzt werden, sollen ausgemustert werden.
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Derweil laufen im Hintergrund Pläne, den Halbstundentakt des Haller Willems, der derzeit nur vom Halle nach Bielefeld verkehrt, Richtung Osnabrück auszuweiten. „Derzeit werden durch die Verkehrsbetriebe Landkreis Osnabrück erste Planungen der für den Halbstundentakt notwendigen Infrastrukturausbauten durchgeführt. Zudem hat die Stadt Borgholzhausen vorsorglich bereits einige Grundstücke erworben, die für den Ausbau benötigt würden“, bericht die NWL-Sprecherin.
Am Ende sei die Umsetzung des Projekts jedoch von verschiedenen Faktoren abhängig, darunter Prioritäten beim Infrastrukturbetreiber, Finanzierungsfragen und Fördergelder. „Eine Finanzierung und Umsetzung des Infrastrukturausbaus und der Ausweitung des Angebots ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen“, bremst Dünner deshalb den Optimismus. Bei der Neuausschreibung der Zugverbindung RB75 ab 2029 sei der Halbstundentakt deshalb auch noch nicht eingeplant: „Für den Fall, dass entsprechende Infrastrukturausbauten umgesetzt werden, würden die Möglichkeiten für eine Zubestellung und Umsetzung der notwendigen Mehrleistungen konkret geprüft.“
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