Samstagmittag, der Moment ist gekommen: Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König betätigt dreimal eine Hupe, damit ist der Bikepark eröffnet, unter großem Beifall der anwesenden Gäste. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel starten rund vierzig Showfahrer ganz oben am Berg. Sie haben Helme auf, Schutzpads an den Armen und Knien – und geben direkt Vollgas.
Die Strecke des Bikeparks liegt in der Schneise unter den Stromlinien, es gibt Schanzen für Sprünge, langgezogene Slowtrails und viele weitere Elemente, wo Fahrer ihre Künste zeigen können. Durch Schilder wird der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Streckenabschnitte gekennzeichnet: blau = leicht, rot = mittel, schwarz = schwer.
Zusammenarbeit nach langem Streit
Der Bikepark ist ein gemeinsames Projekt, mit dabei unter anderem die Stadt Nürnberg, die Bayerischen Staatsforsten, der Freistaat und lokale Mountainbiker. Denn schon seit vielen Jahren nutzen Mountainbikefahrer den Reichswald. Allerdings gab es immer wieder Streitigkeiten um illegal errichtete Schanzen und Trails im Wald.
In Zeiten von Corona habe das überhandgenommen, Mountainbiker und andere Waldnutzer kamen sich immer mehr in die Quere. Für die Staatsforsten war ein Punkt erreicht, da gab es „einfach viel zu viele Mountainbike-Trails“, erinnert sich Johannes Wurm, Leiter des Nürnberger Forstbetriebs. Es sei zu gefährlich gewesen, sowohl für die Mountainbiker als auch für Spaziergänger und Natur: „Rechtlich, naturschutzrechtlich, waldrechtlich ein großes Problem und wir haben da handeln müssen.“ Aber: Kein Mountainbike war auch keine Lösung: „Der Bedarf ist da, die Nachfrage ist wahnsinnig groß“, weiß Wurm.
Gut für Wanderer und Mountainbiker
Deshalb kam es nach langem Streit zur Zusammenarbeit mit den Mountainbikern. Einer von ihnen ist Markus Bader. Er gehört zur lokalen Gruppe der Deutschen Initiative Mountainbike e.V. (DIMB), sie hat sich seit Jahren für dieses Projekt eingesetzt. Man habe die Situation auf eine harmonische Weise gelöst. Und: „Wir bekommen durchaus positives Feedback, auch von Wanderern, die hier sind und diese Lenkungswirkung als sehr, sehr positiv betrachten“, dass es jetzt Strecken primär für Mountainbiker gebe und Wanderwege in Ruhe gelassen würden.
Geld kommt von der Stadt und dem Freistaat
Unterstützung gab es dafür auch von der Stadt, die Ende 2020 mit einem Stadtratsbeschluss 200.000 Euro aus dem Haushalt für den Bau des Bikeparks und des dazugehörigen Trailnetzes bewilligte. Für OB König eine klare Sache, denn Nürnberg sei eine Sportstadt. Dazu sei der Reichswald eine Naherholungszone. „Wenn sich die Leute hier gerne aufhalten, wenn sie sich wohlfühlen, wenn sie ein Angebot finden neben ihrem Job, neben ihrer Berufung, neben ihrer Familie, dann ist es ja auch eine Attraktivitätssteigerung für Nürnberg.“
Am Ende hat der Park rund 450.000 Euro gekostet, finanziert durch die Stadt und eine Förderung des Freistaats Bayern, betreut durch das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg. Gedacht ist der Park für alle Interessierten, aber auch die Schüler der nahegelegenen Berthold-Brecht-Schule sollen davon profitieren: ein Bundesstützpunkt für Mountainbike.