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Millionen von Babyboomern werden im Ruhestand nur eine geringe Rente erhalten. Vor allem eine Entwicklung erhöht die Gefahr der Altersarmut zusätzlich.
Sarstedt – Altersarmut ist ein großes Problem in Deutschland. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) waren im Jahr 2025 rund 20 Prozent aller Rentner von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen. Und das Problem wird noch an Bedeutung gewinnen. Die Bertelsmann-Stiftung geht davon aus, dass das Risiko der Altersarmut von rund 16 Prozent in den Jahren 2015 bis 2020 auf etwa 20 Prozent in der ersten Hälfte der 2030er Jahre steigen wird.
Millionen Boomern droht Altersarmut: Steigende Mieten drängen in Wohnarmut
Auch nach Berechnungen des Pestel-Instituts wird die Altersarmut in Deutschland zunehmen. Laut einer im Auftrag der Gewerkschaft IG Bau erstellten Studie werden rund 5,1 Millionen Baby-Boomer nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben weniger als 800 Euro pro Monat aus der gesetzlichen Rente erhalten. Das entspricht etwa 40 Prozent der geburtenstarken Jahrgänge, die zwischen 2026 und 2036 in Rente gehen. Grund dafür ist, dass viele von ihnen für einen Niedriglohn gearbeitet haben und Phasen von Arbeitslosigkeit hinnehmen mussten.
Die Altersarmut in Deutschland soll weiter steigen, auch wegen steigender Mieten. (Symbolbild) © Wolfgang Maria Weber/IMAGO
„Mit so einer Niedrigrente werden viele Betroffene dauerhaft auf Hilfe vom Staat angewiesen sein”, sagt Robert Feiger, Vorsitzender der IG Bau. „Spätestens die Miete drängt einen Großteil der Baby-Boomer dann in die Wohnarmut.“ Die Schere zwischen Rente und steigenden Wohnkosten werde für die kommende Rentnergeneration immer weiter auseinandergehen.
Millionen Boomern droht Altersarmut: Niedrige Renten sollen steigen, hohe Renten sinken
Damit wird sich der Anteil der auf Grundsicherung angewiesenen Rentner weiter erhöhen. Laut Feiger ist der Anteil der Ruheständler, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, bereits in den letzten 15 Jahren von 2,5 auf 4,3 Prozent gestiegen.
„Die Rente muss im unteren Bereich steigen. Hohe Renten können im Gegenzug sinken“, fordert Feiger. Dies sei schon deshalb gerechtfertigt, da Menschen mit höheren Einkommen und damit besseren Renten auch eine höhere Lebenserwartung haben. Außerdem dürfe bei der anstehenden Rentenreform das Heranziehen hoher Vermögenseinkommen, etwa durch Dividenden oder Zinsen, zur Finanzierung der gesetzlichen Rente kein Tabu sein.
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Vor diesem Hintergrund bezeichnete Feiger bezahlbares Wohnen als „die soziale Frage Nr. 1“. In Deutschland fehlten 1,4 Millionen Wohnungen, zudem stiegen die Mieten weiter. Deshalb sprach er sich für mehr Neubau aus. Dieser sei „der Schlüssel zum Erfolg, um die Wirtschaft anzukurbeln“.
Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), sieht weitere Schritte als nötig an, damit die Bautätigkeit anzieht und die Baukosten sinken. Der sogenannte Bau-Turbo der Bundesregierung, der auf schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse abzielt, sei noch nicht der „große Wurf“, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Voigtländer wies darauf hin, dass Kommunen bei der Ausweisung von Bauland auch mit Widerstand von Bürgern rechnen müssen. „Und es gibt nach wie vor viele Umweltauflagen“, fuhr er fort. An diesen Widerstand sei man noch nicht richtig herangegangen.
(Quellen: IG Bau, afp, Bertelsmann-Stiftung)