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Der 88-jährige Künstler hat mehr als 20 Jahre gemalt. Seine Bilder gleichen einem Blick in die Vergangenheit.. Jetzt sind seine letzten Werke ausgestellt.

Lüdenscheid – Viele seiner Bilder zeigen Lüdenscheid, wie es einmal war: die alte Kreuzkirche an der Worthstraße, Stüttinghausen noch unbebaut, vertraute Straßen, Plätze und Gebäude, die sich im Laufe der Jahrzehnte verändert haben oder verschwunden sind. Für Hans-Werner Sobottka sind es mehr als Motive – es sind Erinnerungen. „Mir gefällt alles an Lüdenscheid“, sagt der 88-Jährige, dessen Werke derzeit im Gemeindehaus der Erlöserkirche zu sehen sind.

Hans-Werner Sobottka, der zum Erlöserkirchen-Jubiläum Drucke seiner Kirchengemälde beisteuerte, hat alle Gassen der Lüdenscheider Alttadt im Bild festgehalten. Hans-Werner Sobottka, der zum Erlöserkirchen-Jubiläum Drucke seiner Kirchengemälde beisteuerte, hat alle Gassen der Lüdenscheider Altstadt im Bild festgehalten. © Jakob Salzmann

Anlass ist das Jubiläumsfest „200 Jahre Kirchenschiff“ der Erlöserkirche. Dazu steuerte Sobottka eine Ausstellung aller Lüdenscheider Kirchen bei, dem Alter nach gestaffelt. 21 Kirchen hat er gemalt – genutzte ebenso wie ungenutzte, auch die Gebäude Freier christlicher Gemeinden. Die gezeigten Bilder sind Drucke; die Originalgemälde bewahrt er zu Hause auf. „Die Bilder hat vorher noch nie jemand gesehen“, sagt Sobottka. Es sind zugleich seine letzten Arbeiten. „Die Kirchen sind mein Abschluss der Malerei. Seitdem male ich nicht mehr.“ Dass ihm dies aufgrund nachlassender Sehkraft verwehrt ist, fällt ihm schwer.

Schreinerlehre mit 15 Jahren und Umschulung zum Bauzeichner

Geboren wurde Hans-Werner Sobottka in Elbing in Westpreußen. Der Vater führte dort einen großen Schreinerbetrieb. Über Lindau im Harz und Kierspe kam er schließlich nach Lüdenscheid. Nach einer Erholungszeit auf Borkum begann er mit 15 Jahren eine Schreinerlehre, schulte später aus gesundheitlichen Gründen zum Bauzeichner um und arbeitete zuletzt 31 Jahre im Vermessungsamt der Stadt Lüdenscheid. In Stüttinghausen, wo er heute lebt, fühlt er sich bis heute zu Hause.

Die Liebe zur Kunst begleitete ihn schon früh. „Ich habe schon in der Schule gern gemalt“, erzählt Sobottka. Seine künstlerischen Kenntnisse eignete er sich selbst an. Vorbild war für ihn der Maler Hein Hoppmann, bekannt für Landschaften in Spachteltechnik. Landschaften prägen auch Sobottkas Werk: Ausblicke von der Homert oder der Gasmert, immer wieder neu gesehen und festgehalten. Daneben reizten ihn Gebäude, Straßen und Plätze seiner Heimat – das Schloss Neuenhof, das in diesem Jahr 700-jähriges Bestehen feiert, die Altstadt, das Kindergässchen, Haus Rhade in Kierspe. Er arbeitete in Öl und Acryl, mit Feder, Aquarell oder Pastellkreide. Eine Zeit lang gehörte er dem Lüdenscheider Künstlerbund an und beteiligte sich an Ausstellungen.

Die Erlöserkirche mit der oberen Wilhelmstraße stand Pate für dieses Bild. Die Erlöserkirche mit der oberen Wilhelmstraße stand Pate für dieses Bild. © Jakob Salzmann

Mehrere Zimmer füllen seine Bilder. Sie zeugen von zeichnerischem Können, klarer Räumlichkeit, Gespür für Farbe und Komposition. Auch Urlaubsorte inspirierten ihn: Motive von Rügen, Ramsau oder Borkum entstanden teils vor Ort, teils später nach Fotografien. Blumen und Porträts gehören ebenso dazu – und hin und wieder wagte er sich auf seine eigene Art sogar an einen Kandinsky.

Zur Erlöserkirche hat Sobottka auch eine musikalische Verbindung. Beim Jubiläum saß er im Posaunenchor und wirkte an der festlichen Gestaltung des Gottesdienstes mit. Viele der bekannten Choräle spielt er auswendig. Die Malerei jedoch ruht. Geblieben sind Bilder, die Lüdenscheid bewahren – und ein Lebenswerk, das eng mit der Stadt verbunden ist.