
AUDIO: Skulpturenpark und Galerien: Gerisch-Stiftung feiert mit Jubiläumsschau (4 Min)
Stand: 10.05.2026 14:20 Uhr
Seit 25 Jahren ist das Gelände der Herbert Gerisch-Stiftung in Neumünster ein Ort für aktuelle und zeitgenössische Kunst. Bei einem Rundgang durch den Skulpturenpark und die Galerien zeigt Stifterin Brigitte Gerisch, was die Besucher bei der Jubiläumsausstellung erwartet.
Rein oder raus? Diese Frage stellt sich nicht wirklich, als Brigitte Gerisch von der Terrasse hinter der Jugendstil-Villa Wachholtz winkt. Gerade jetzt, wo es üppiger nicht grünen und blühen kann, zeigt sie Richtung Skulpturenpark. Also, warum nicht? Beginnen wir diesen Besuch dort, zwischen Kunst von Markus Lüpertz, Olaf Nicolai, Carsten Höller, Mimmo Paladino, Pit Kroke und vielen anderen.
Gerisch-Sammlung: 800 Werke von gut 150 Künstlerinnen und Künstlern
„Eine Jubiläumsfeier geht nur, wenn die Bäume Blätter haben und die Azaleen mindestens anfangen zu blühen – und das tun sie jetzt“, erklärt Gerisch. „Somit zeigen wir eigentlich zur schönsten Jahreszeit aus unserem Archiv, was wir mit der Zeit gesammelt haben.“

Manche Ausstellungen reichen noch weit ins neue Jahr. Was die Kunsthäuser darüber hinaus planen, zeigt ein Ausblick.
Die Herbert Gerisch-Stiftung wurde im Jahr 2001 von Brigitte Gerisch und ihrem Mann Herbert gegründet. Seit dessen Tod vor zehn Jahren führt Gerisch die Stiftung allein weiter – und erfindet diesen Ort jedes Jahr neu. Rund 800 Werke von gut 150 Künstlerinnen und Künstlern umfasst die Sammlung inzwischen.
Skulpturenpark in Neumünster: Kunst eingebettet in Natur
„Wo liegt Arkadien?“ haben die Gerischs sich und ihre Besucher einmal gefragt. Es wurde zum Motto ihres Skulpturenparks. Die vier Meter hohe Bronze „Kissing Birds“ des Israelis Menashe Kadishman sei natürlich nicht im Archiv gewesen, sagt sie. Genauso der übergroße Löwenzahn des Österreichers Thomas Stimm. Aber auch diese beiden Objekte würden den Park besonders machen.
„Es gibt hier verschiedene Rückzugsorte und überall schöne Sitzmöbel“, sagt Gerisch, als sie das Ambiente beschreibt. „Und was wir immer wieder als Kompliment hören: Ihr habt eure Skulpturen so gut eingebettet.“
Wie die erste Skulptur „Kissing Birds“ ihren Platz im Park fand
Nun schütteln sich drei Hektar Skulpturenpark nicht mal eben so zurecht. Da mäandert das Flüsschen Schwale, da stehen uralte Bäume. Gerisch lacht, als sie von den Anfängen erzählt. Es seien genau diese „Kissing Birds“ gewesen, gekauft auf der Art Cologne, mit Hilfe zweier Direktoren von Schloss Gottorf und dem Lehmbruck Museum.
Als das „Riesending“ dann ankam, hätten sie zunächst überlegt, wo es am besten stehe – am liebsten vom Wohnhaus aus immer im Blick. „Und dann sind wir ganz einfach mit Zollstock und Latten und Leisten los.“ Die zwei Museumsmänner und ihr Mann hätten auf der Wiese gelegen, während sie selbst oben am Fenster stand und dirigierte: „Ein bisschen nach links, ein bisschen nach vorne …“ So habe die erste Skulptur ihren Platz gefunden.
Tjorg Douglas Beer: verspielt, popkulturell, vielseitig
Vorbei an Karl Hartungs Flügelsäule von 1960 geht es dann hinein. Die Säule ist ein beeindruckendes Werk abstrakter Bildhauerei, das an Alexander Archipenko oder Henry Moore erinnert und gerade frisch poliert worden ist. Gerisch übergibt an ihre Assistentin Yanine Esquivel. Die Kunsthistorikerin zeigt im sogenannten Roten Bungalow nur Arbeiten von Tjorg Douglas Beer: leicht verspielt, sehr popkulturell, mit surrealen Wesen in seltsamen Landschaften.
Die Einzelausstellung sei natürlich eine Würdigung, sagt Esquivel. Beer sei für die Stiftung auch deshalb ein wichtiger Künstler, weil er so viele unterschiedliche Themen und Techniken bearbeite. „Er macht Keramik, Malerei, Grafik – er arbeitet sogar mit Textilien.“ Ein sehr umfangreicher und abwechslungsreicher Künstler eben.
Heinz Breloh: Körperabdruck als Kunstwerk

„Der sitzende Bildhauer ist müde“ heißt dieses Werk von Heinz Breloh – vielleicht auch, weil die Arbeit daran so anstrengend war.
Auch das Programm in der Galerie, einem modernistischen Bungalow mit viel Tageslicht, konzentriert sich zunächst auf einen Künstler: Heinz Breloh. Von ihm steht im engen Eingangsbereich eine lebensgroße Gipsarbeit. Es ist schwer zu sagen, wie sie in den Raum ohne Fenster und mit schmalen Türen reingekommen sein mag.
„Der sitzende Bildhauer ist müde“ heißt die sehr abstrakte Arbeit aus Gips. Breloh habe sich in den noch weichen Gips gesetzt und sich um das Objekt herumgedreht – so lange, bis sein Körperabdruck darin zu sehen war, erklärt Esquivel. Aus diesem Abdruck sei schließlich die Skulptur entstanden.
„Ein schmerzhafter Prozess“
Man sieht dann auch schnell die Leerstelle für das mit Gips umformte Bein mit Knie. Und man ahnt, wo der Bauch des Künstlers war. „Es ist auch ein schmerzhafter Prozess“, so Esquivel. „Man gräbt sich nicht einfach in den weichen Gips – irgendwann wurde er zum Widerstand, gegen den Breloh arbeiten musste. Sich in diesem Material zu bewegen, war anstrengend.“
Die Jubiläumsschau bei Gerisch hat noch mehr zu bieten: Von der zarten Kunst Leiko Ikemuras oder Thomas Judischs Maulwurfsinstallation „It’s a long way to heaven“ war hier noch gar nicht die Rede – ein Besuch lohnt sich.

Skulpturenpark und Galerien: Gerisch-Stiftung feiert mit Jubiläumsschau
Die Stiftung in Neumünster lädt zum Betrachten von Malereien, Skulpturen und Installationen ein – drinnen und im prächtigen Landschaftspark.
- Datum:
- 10.05.2026, 13:00 Uhr
- Ort:
-
Herbert Gerisch-Stiftung
Brachenfelder Str. 69
24536
Neumünster
- Öffnungszeiten:
- Mittwoch bis Sonntag: 12 bis 18 Uhr
Montag bis Dienstag: geschlossen - Preis:
- Wegen der Jubiläumsschau kostet der Besuch das ganze Jahr über keinen Eintritt.