Nachdem Microsoft zuletzt mehrfach mit Entlassungswellen für Schlagzeilen sorgte, zieht das Xbox-Studio Double Fine jetzt Konsequenzen. Das Team hinter „Psychonauts“ leitet die Gründung einer Gewerkschaft ein – und schickt damit eine klare Botschaft nach Redmond.

Normalerweise entstehen Gewerkschaften in der Gaming-Industrie als Reaktion auf Missstände – man denke nur an die jüngsten Streikwellen bei Ubisoft aufgrund der harten Umstrukturierungen oder das Chaos bei Rockstar Games, nachdem dort Mitarbeiter im Zuge gewerkschaftlicher Bemühungen entlassen wurden.

Doch bei Double Fine ist die Lage anders: Das Studio von Branchen-Ikone Tim Schafer, das seit 2019 Teil der Xbox Game Studios ist, gilt seit jeher als eines der mitarbeiterfreundlichsten der Welt. Trotzdem hat die Belegschaft nun den Prozess zur Gewerkschaftsbildung gestartet und setzt damit ein deutliches Ausrufezeichen.

42 Mitarbeiter gegen den Tech-Riesen: Die Double Fine Workers formieren sich

Wie GamesRadar berichtet, hat das Studio, das vor allem für die beiden „Psychonauts“-Spiele bekannt ist und kürzlich den kreativen Töpfer-Brawler „Kiln“ veröffentlicht hat, offiziell einen Antrag auf Gewerkschaftsbildung bei den Communications Workers of America (CWA) eingereicht. 

Damit schließen sich die 42 fest angestellten Mitarbeiter unter dem Namen Double Fine Workers zusammen und sichern sich dadurch ein Mitspracherecht, das sie als Einzelpersonen gegenüber Microsoft nie hätten. 

In einem Statement gegenüber Aftermath verdeutlichte die CWA die Motive hinter diesem Schritt: Man wolle damit „das Engagement des Studios für kreative Exzellenz, Diversität und Inklusion sowie die Lebensqualität der Arbeitnehmer bewahren und ausweiten.“

Double Fine macht KI-Schutz zur Vertragssache

Ein zentraler Punkt der Petition ist außerdem die Sorge vor Künstlicher Intelligenz. Und hier schickt sich Double Fine an, Geschichte zu schreiben, indem der Schutz menschlicher Kreativität zur Vertragssache wird. 

Die künftige Gewerkschaft fordert Garantien, dass KI-Tools die Arbeit von Grafikern, Autoren und Sprechern lediglich unterstützen, aber unter keinen Umständen Arbeitsplätze ersetzen dürfen. Zudem soll die einzigartige Identität des Studios inmitten der starren Xbox-Strukturen bewahrt werden.

Ebenfalls bemerkenswert an diesem „Aufstand“ ist der Tonfall: Man setzt voll auf Kooperation statt Konfrontation. So unterstützt Studio-Gründer Tim Schafer die Bemühungen seiner Belegschaft ausdrücklich und strebt eine freiwillige Anerkennung der Gewerkschaft an.

Psychonauts: Remake denkbar? Double Fine meldet sich zu Wort

Microsoft selbst verhält sich bisher ebenfalls ungewohnt ruhig. Die CWA betonte hierzu: „Wir wissen es zu schätzen, dass Microsoft einen neutralen Ansatz gewählt und zugestimmt hat, die Rechte der Arbeitnehmer auf gewerkschaftliche Organisierung in keiner Weise zu behindern.“ 

Kein Wunder: Im Zuge der Activision-Übernahme hatte sich der Xbox-Hersteller zur Neutralität verpflichtet – und Double Fine testet nun aus, wie viel dieses Versprechen wert ist, wenn es hart auf hart kommt.

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