- Matthias Barth hat mehr als zwei Jahre an der Dokumentation „Wege ans Willms“ gearbeitet; Protagonist ist Mani Khuda Dadi mit Fluchterfahrungen aus Afghanistan.
- Die Filmpremiere findet am Dienstag, 12. Mai, um 19 Uhr im Maxx-Kino Delmenhorst statt; am Morgen gibt es schulinterne Vorführungen, abends eine öffentliche Aufführung.
- Der Eintritt kostet fünf Euro; die Einnahmen abzüglich Kinokosten kommen dem Förderverein des Willms-Gymnasiums zugute. „Jeder kann kommen“, so Barth im Originalwortlaut.
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Mit einer Tüte Popcorn in der Hand saß Matthias Barth am Donnerstag mutterseelenallein im Kinosaal vom Maxx in Delmenhorst. Es war die technische Probe für die Filmpremiere von „Wege ans Willms“, die am Dienstag, 12. Mai, um 19 Uhr ansteht. „Ich bin der Einzige, der den Film bisher in voller Länge gesehen hat“, sagt der Lehrer des Willms-Gymnasiums. Und das wird bis zum Premierentag auch so bleiben. Am Vormittag gibt es zunächst schulinterne Vorführungen, am Abend steht dann die öffentliche Aufführung an. „Das zeigt, welch großes Vertrauen die Schulleitung in mich hat“, merkt Barth dankbar an.
Rund zweieinhalb Jahre hat der Deutsch- und Geschichtslehrer an dem Film gearbeitet. Es ist das erste große Filmprojekt, das Barth umgesetzt hat, seit er 2020 nach Delmenhorst kam. Als betreuende Lehrkraft hatte er zusammen mit der Schülerfirma VAD zwar schon einige Filme gedreht, vornehmlich jedoch kurze Spots. „Mein Wunsch war ein eigenes, großes Projekt“, sagt Barth.
Worum es in dem Film geht
Herausgekommen ist eine Dokumentation, die einen authentischen und facettenreichen Einblick in die Vielfalt der Schulgemeinschaft am Willms geben soll. Der Film versucht, den Bogen vom alltäglichen Schulweg bis hin zu tiefgreifenden biografischen Erfahrungen zu spannen. Im Zentrum steht die Geschichte von Mani Khuda Dadi – von seiner Flucht aus Afghanistan bis zu seinem erfolgreichen Abitur.
Kennengelernt haben sich Barth und Khuda Dadi 2022. Der Jugendliche hatte seinen Abschluss an der Realschule Lilienstraße gemacht und wechselte ans Willms, um dort sein Abitur abzulegen. Barth war sein Klassenlehrer. „Ich hatte damals professionelle Zweifel, ob das der richtige Weg für ihn ist“, gesteht der Lehrer. Doch er irrte sich. Der mittlerweile 21-Jährige hat 2025 sein Abi geschafft und studiert inzwischen an der Hochschule Bremen Bauingenieurwesen.
Die Flucht von Afghanistan bis Delmenhorst
Der Weg dahin war für Khuda Dadi kein einfacher. Mit seinen Eltern und vier jüngeren Schwestern war er im Alter von zehn Jahren aus Afghanistan geflohen. „Wir sind ins Auto gestiegen und sehr lange gefahren“, erzählt der 21-Jährige. Zunächst sei die Familie in den Iran gegangen, wo sie einige Monate bei Angehörigen blieben. Als sie versuchten, die Grenze zur Türkei zu passieren, wurde die Familie von Räubern gefangengenommen. „Ich habe geweint und gebettelt, als sie meinem Vater eine Waffe an den Kopf hielten“, erinnert sich Khuda Dadi. Der Vater konnte die Familie mit dem wenigen Geld, das sie noch besaßen, freikaufen.
Nach einem kurzen Aufenthalt in der Türkei ging es mit einem Schlauchboot über das Mittelmeer auf eine griechische Insel. „In dem Boot waren viel zu viele Menschen, das Wasser schwappte hinein“, erzählt der 21-Jährige. Dann sei der Motor ausgefallen. Zum Glück sei man schon relativ nah an der griechischen Küste gewesen, sodass sie gerettet wurden. Ohne einen Cent in der Tasche schlug sich die Familie bis nach Deutschland durch. Welche Strecke sie fuhren, weiß Khuda Dadi nicht mehr. Er erinnert sich aber noch genau, dass sie ab und zu Stopps machten: „Wir haben dann in Restaurants die Essensreste von anderen Leuten gegessen, weil wir kein Geld hatten.“ Irgendwann 2015 sei die Familie schließlich in Delmenhorst angekommen.
Ohne Deutschkenntnisse in die Schule
Im Mai 2016 ging Khuda Dadi, der damals noch seinen Geburtsnamen Munir trug, zur Schule. Es war die fünfte Klasse an der Realschule Lilienstraße. „Ich habe nichts verstanden. Ich konnte nur ‚Moin‘ sagen“, berichtet der 21-Jährige. Doch seine Eltern hätten darauf geachtet, dass er und seine Schwestern Deutsch lernen und Bildung bekommen. Sie selbst seien Analphabeten gewesen, haben inzwischen aber Schreiben und Lesen gelernt. „Vor allem meine Mama ist sehr ehrgeizig“, sagt der Sohn. Sie arbeitet inzwischen im Krankenhaus in Delmenhorst. Und auch der Vater geht arbeiten.
Auf ihren Sohn sind sie sehr stolz, wie Mani Khuda Dadi bestätigt. Sein Ziel ist es, das „Beste aus seinem zweiten Leben“ zu machen, das er dank der Flucht nach Deutschland bekommen hat. Außerdem möchte er seinen Eltern etwas zurückgeben.
Als Matthias Barth 2022 kurz vor einem Konzertbesuch seiner Klasse bei den Zollhausboys von der Fluchtgeschichte von Khuda Dadi erfuhr, kam ihm die Idee zu seinem Film. Er wollte anlässlich des 125-jährigen Schuljubiläums 2026 eine Dokumentation über ihn und andere Schüler vom Willms produzieren. Der damalige Arbeitstitel lautete „Wege ans Willms“ – und blieb.
So liefen die Dreharbeiten
Die Dreharbeiten mit Mani Khuda Dadi begannen im März 2024. In einem zweistündigen Interview berichtete er nicht nur von seiner Flucht, sondern auch von seinem Ankommen in Deutschland, seiner Schullaufbahn und seiner Identität. Jedem dieser Aspekte widmet Barth einen eigenen Block in seinem Film. Dazu gibt es verschiedene Animationssequenzen, die der Delmenhorster Sören Meinke, den Barth von dem Wettbewerb „Filmklappe“ kennt, zusammen mit Kommilitonen von der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe beisteuerte. Anschließend folgten noch weitere Drehs, unter anderem bei den Khuda Dadis zu Hause, am Tag seiner mündlichen Abiturprüfung und bei der Entlassungsfeier.
An weiteren Drehtagen wurden rund 170 Willms-Schüler gefilmt. Deren Statements ergänzen und kontrastieren die Aussagen des Protagonisten und sorgen in Summe für einen Einblick in die Schülerschaft vom Willms, erklärt Barth. Er ist gespannt, wie der Film bei ihnen und den Lehrern ankommt.
Einnahmen sollen Förderverein zugutekommen
Nicht nur Menschen, die mit dem Willms in Verbindung stehen, sind eingeladen, sich die Vorführung am Dienstagabend anzuschauen. „Jeder kann kommen“, so Barth. Der Eintritt kostet fünf Euro. Die Einnahmen kommen nach Abzug der Selbstkosten des Kinos dem Förderverein des Willms zugute. Der Lehrer ist dem Kinobetreiber dafür äußerst dankbar. „Er hat extra einen anderen Film vom Programm gestrichen“, sagt Barth. Das sei nicht selbstverständlich.
Diese Fragen und Antworten wurden mit KI basierend auf unseren Artikeln erstellt.
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