Archivbild: Passagiere werden im Hafen von Granadilla auf Teneriffa (Kanarische Inseln, Spanien) von dem vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiff MV Hondius ausgeschifft. (Quelle: dpa/Fernandez)

Stand: 10.05.2026 • 21:38 Uhr

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff bereitet sich Berlin auf die Rückkehr einer Person vor. Bislang ist sie nach Angaben der Behörden ohne Symptome.

  • Kreuzfahrtschiff wurde nach Ausbruch des Hantavirus evakuiert
  • vier Personen am Sonntagabend in Eindhoven (NL) gelandet
  • eine Person soll in die Berliner Charité gebracht werden
  • Person zeigt bisher keine Symptome, muss aber in Quarantäne

Einer der deutschen Passagiere des vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ soll in die Berliner Charité gebracht werden. Derzeit werde die Ausgestaltung des Transports beraten, teilte ein Sprecher der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.

„Für diesen Fall ist die Aufnahme auf die Infektiologie der Charité sowie die Anordnung einer Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt vorgesehen“, hieß es.

Bisher keine Symptome

Den Angaben zufolge zeige die Person bisher keine Symptome und komme „aus der Region Berlin-Brandenburg“. Das Land Berlin befinde sich derzeit in enger Abstimmung mit allen Beteiligten.

Nach aktuellem Stand werde darüber hinaus keine weitere Person nach Berlin gebracht. Zuvor hatte es vom Brandenburger Gesundheitsministerium geheißen, dass sich unter den Betroffenen keine Personen aus Brandenburg befänden.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren (Puumalaviren). (undatiertes Handout: RKI/Handout RKI/dpa-Bildfunk)

Was ist das Hantavirus?

In Deutschland erkranken jährlich wenige Hundert Menschen an dem von Nagetieren übertragenen Virus. Laut Robert-Koch-Institut [rki.de] gab es in den vergangenen 25 Jahren hierzulande nur einen Todesfall.

  • Hantaviren werden über Speichel, Urin und Kot von Nagetieren (z. B. Mäuse, Spitzmäuse, Fledermäuse) übertragen; auch Staub oder Bisse können Infektionen auslösen. Daher empfiehlt das RKI ein nagerfreies Zuhause.
  • Lebensmittel und Abfälle sollten in dicht verschlossenen Behältern gelagert werden, Kompost ohne Essensreste bleiben. Zugangspunkte ins Haus sind zu verschließen, mögliche Nistplätze wie Sperrmüll oder Altreifen zu entfernen.
  • Bei Befall helfen Fallen und Gifte; tote Tiere nur mit Handschuhen entsorgen, bei Staub ggf. FFP3-Maske tragen. Flächen vorsichtig reinigen, keinen Staubsauger verwenden, um Virusverbreitung zu vermeiden.
  • Bei Verdacht auf Infektion sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Symptome sind grippeähnlich mit Fieber, Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen; in schweren Fällen können Nierenfunktionsstörungen auftreten.

Reisende vom Kreuzfahrtschiff wurden am Sonntag ausgeflogen

Am Sonntagabend sind laut Deutscher Presse-Agentur vier deutsche Passagiere des von einem Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ mit einem Evakuierungsflug in den Niederlanden angekommen. Das von der Kanaren-Insel Teneriffa kommende Flugzeug mit insgesamt 26 Passagieren und Crewmitgliedern der „Hondius“ landete am Abend in Eindhoven. Neben Niederländern und Deutschen befanden sich auch Belgier und Griechen an Bord – alle ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte [tagesschau.de].

Am Flughafen warteten Spezialisten auf die Evakuierten, darunter Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie der Stadt Eindhoven. Wie die niederländischen Gesundheitsbehörden mitteilten, werden die Passagiere medizinisch untersucht. Die niederländischen Passagiere werden anschließend nach Hause gebracht, wo sie sich sechs Wochen lang in häusliche Quarantäne begeben müssen.

Erst Sonderisoliertransport, dann Quarantäne

Die Deutschen sollen zunächst nach Frankfurt (Main) gebracht werden. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Sie sollen die vier Passagiere am militärischen Teil des Flughafens Eindhoven abholen. Noch in der Nacht geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.

Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson der Person aus Berlin-Brandenburg vom Kreuzfahrtschiff „Hondius“ soll in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Sonntagabend mit.

Kreuzfahrtschiff fährt weiter nach Rotterdam

Laut den jüngsten Angaben der WHO gibt es sechs bestätigte Hantavirus-Fälle und zwei Verdachtsfälle. Drei dieser acht Personen sind gestorben. Bei ihnen handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden und eine Frau aus Deutschland. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.

Sobald die Menschen von Bord sind, soll die „Hondius“ ihre Fahrt mit einem Teil der Crew sofort fortsetzen und Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll der Leichnam der an Bord gestorbenen Deutschen vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen. Bis nach Rotterdam ist die „Hondius“ rund fünf Tage unterwegs. Wann sie dort ankommen soll, ist noch nicht bekannt.

Sendung: rbb|24, 10.05.2026, 17:01 Uhr

Audio: rbb|24, 10.05.2026, Axel Hofmann

Rundfunk Berlin-Brandenburg