Hohe Inflation und politische Spannungen prägen Togo. Der Vorsitzende der Togofreunde schildert die Lage und die Folgen für Jugendliche. Wie der Verein helfen möchte.

Seit Jahrzehnten unterstützt der Verein Togofreunde Jockgrim Menschen in dem westafrikanischen Staat mit Bildungs- und Gesundheitsprojekten. Die 25-Jahr-Feier fiel 2021 wegen der Corona-Pandemie aus und wird nun nachgeholt.

Der Vereinsvorsitzende Samuel Husunu, der aus Togo stammt und seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, kam vor wenigen Tagen von einer sechswöchigen Reise in sein Heimatland zurück. Zusammen mit der Schriftführerin des Vereins, Mireille Mathey, flog er auf eigene Kosten nach Afrika. Vor Ort besuchte das Paar Projekte, die durch den Verein initiiert wurden und seit Jahren mit Geld und Material unterstützt werden. „Die Mitgliedsbeiträge unserer Vereinsmitglieder reichen bei Weitem nicht aus, um Hilfe wie bisher in Togo zu leisten“, informiert Samuel Husunu. Jährlich fließen etwa 50.000 Euro in die Projekte. Deshalb seien die Togofreunde auf Sponsoren, Sachspenden oder sogar praktische Mithilfe vor Ort angewiesen.

Schwierige Lage im LandDie Schule in Kpota Djoquime. Die Schule in Kpota Djoquime.Foto: Togofreunde/Samuel Husunu/oho

Die Lage im Land beschreibt Husunu als schwierig: Hohe Inflation belastet die Bevölkerung, viele Jugendliche finden trotz Ausbildung keine Arbeit. Dazu kommt die politisch instabile Lage. Obwohl in 2024 ein Regimewechsel stattfand und Togo bemüht ist, eine demokratische Regierungsform dauerhaft im Land zu etablieren, gebe es Repressalien gegenüber den Anhängern der Opposition und gegenüber Journalisten. „Viele junge Menschen wollen deshalb auswandern, in westliche Länder wie Kanada oder Frankreich.“

Eine Station war das seit 1997 bestehende Ausbildungszentrum in Gbalavé. Dort können junge Menschen 13 Berufe erlernen. Die Schule unterrichtet aktuell 351 Schüler. Seit dem Bestehen durchliefen über 5000 Menschen eine handwerkliche Ausbildung, etwa als Schreiner, Maurer oder Schneider. Zum Schuljahresbeginn im Sommer 2024 übernahm der togolesische Staat das Zentrum und möchte es für bis zu 500 Schüler ausbauen. Es ist jetzt auch ein technisches, staatlich anerkanntes Gymnasium. „Wir unterstützen dieses Projekt immer noch.“ Im März erhielten Schulabgänger Starterpakete mit Handwerkszeug. Der Verein organisiert zudem den Transport von Maschinen und Werkzeugen einer aufgegebenen Schreinerei nach Togo.

Erfolgreich bestanden: Junge Menschen bei der Diplomübergabe. Erfolgreich bestanden: Junge Menschen bei der Diplomübergabe.Foto: Togofreunde/Samuel Husunu/oho

„Unsere Hilfe-Schwerpunkte waren und sind Bildung und Ausbildung, die Gesundheit der Menschen sowie die allgemeinen Hygienebedingungen.“ Einige Grundschulen wurden mit pfälzischer Hilfe gebaut, zum Teil wurde für extrem arme Kinder das Schulgeld bezahlt. Eine Grundschule erhielt im März eine Toilettenanlage, die von Schülern des technischen Gymnasiums gebaut und in Anwesenheit von Husunu und Mathey eingeweiht wurde. „Weitere Toilettenanlagen haben wir an Schulen in der Küstenregion, im Süden des Landes, geplant.

Feuerwehrautos aus Jockgrim

Die Sozialstation, die schon 1986 in der Zeit vor Vereinsgründung gebaut wurde, wird bis heute unterstützt. Im letzten Jahr erhielt sie einen neuen, modernen Gebäudeflügel mit zwei Räumen, so der Vorsitzende stolz. In der Hauptstadt des Landes fahren ausgemusterte Feuerwehrautos aus der Verbandsgemeinde Jockgrim, die Atemluftgeräte werden mit einem großen Kompressor aus der Pfalz befüllt.

Die nächste Schulstunde steht an ... Die nächste Schulstunde steht an …Foto: Togofreunde/Samuel Husunu/oho

Ein weiteres Projekt gilt Menschen mit Hörproblemen. In Togo und Nachbarländern sei es schwer, Hörgeräte zu bekommen. In Kooperation mit der deutschen Hörgerätefirma Iffland reisen deshalb einmal im Jahr Spezialisten nach Togo und passen wie am Fließband Hörhilfen an; ein Togolese betreut die Geräte unterjährig. Die Kosten für die Patienten sind symbolisch, helfen jedoch, dass deren Träger darauf aufpassen und sie wertschätzen.

Info

Gefeiert wird das Jubiläum am Samstag, 6. Juni, 18 Uhr, in der katholischen Kirche St. Georg in Jockgrim mit einem Pontifikalamt unter Leitung von Weihbischof im Ruhestand Otto Georgens. Der Chor „Amicanta“ singt. Anschließend gibt es eine Feierstunde. Wer für die Projekte spenden will, kann Geld auf folgende Konten einzahlen: Sparkasse Südpfalz, IBAN: DE32 5485 1440 0006 0042 38 und VR Bank Südpfalz, IBAN: DE39 5486 2500 0007 1314 45. Infos unter www.togoverein-jockgrim.de

Mittelschule MittelschuleFoto: Togofreunde/Samuel Husunu/oho