Hoffenheims Andrej Kramaric (2. v. l.) und Bazoumana Toure bejubeln sein Tor gegen Werder Bremen

Stand: 11.05.2026 • 00:00 Uhr

Nach der schnellsten Roten Karte in Werder Bremens Klubgeschichte war der Weg in der Fußball-Bundesliga frei für einen Sieg der TSG 1899 Hoffenheim im Kampf um die Champions League. Spannend blieb es trotzdem.


Volker Schulte

Durch das glanzlose 1:0 (1:0) gegen Werder Bremen am Samstag hat 1899 Hoffenheim auch einen Spieltag vor Saisonschluss noch Chancen auf die Champions-League-Qualifikation. Auf den punktgleichen VfB Stuttgart (3:1 gegen Leverkusen) auf Platz vier fehlen nur fünf Tore in der Tordifferenz.

Werder musste nach der Niederlage noch ein paar Stunden auf den Klassenerhalt warten. Erst, als Wolfsburg am Abend 0:1 gegen den FC Bayern München verlor, war Bremen auch rechnerisch gerettet.

Touré mit dem entscheidenden Treffer

Der SVW musste fast die gesamte Spielzeit in Unterzahl spielen, weil Yukinara Sugawara wegen groben Foulspiels früh Rot sah (5. Minute). Bazoumana Touré (26.) erzielte das Tor des Tages. „Heute war mehr drin, auch mit zehn Leuten“, sagte Werder-Trainer Daniel Thioune der Sportschau.

Ein Kompliment gab’s von Hoffenheims Trainer Christian Ilzer: „Bremen hat das gut gemacht. Es hätte vielleicht das 2:0 gebraucht, um ihnen ein wenig die Energie zu nehmen. Aber Bremen war bis zum Schluss gut.“

Überflüssiger Tritt von Bremens Sugawara

Bremen hatte sich durch die schnellste Rote Karte der Klubgeschichte selbst geschwächt. 72 Sekunden waren erst gespielt, als Sugawara eine schwer erklärbare Bewegung im Mittelfeld machte: Mit einem Ausfallschritt trat er Touré von hinten mit der Sohle auf die Wade. Schiedsrichter Sören Storks ließ zunächst weiterspielen, entschied nach VAR-Eingriff am Bildschirm aber zurecht auf Rot.

Yukinari Sugawaras Tritt gegen Bazoumana Touré

„Dann sind natürlich viele Dinge, die man sich vorher überlegt hat, ein Stück weit Makulatur“, sagte Thioune. Er stellte taktisch um, brachte Isaac Schmidt für den 20-jährigen Salim Musah. Dessen Startelf-Debüt dauerte so nur zwölf Minuten.

Bremen hilft mit bei Hoffenheims Führungstreffer

Hoffenheim tat sich in Überzahl erstaunlich schwer, gefährlich vors Tor zu spielen. Erst in der 25. Minute hatte Klublegende Andrej Kramaric eine erste gute Chance, köpfte aber aus elf Metern vorbei.

Kurz darauf leistete Bremen erneut unfreiwillig Hilfe. Nach einem schlechten Rückpass von Jens Stage zögerte Amos Pieper einen Moment zu lange, erwischte den Ball erst hinter der Torauslinie und ließ sich auch dort unerklärlich viel Zeit beim Zurücklaufen. So konnte Hoffenheim die Ecke schnell und kurz ausführen, Kramaric legte ab für Touré und der 20-Jährige traf platziert in die rechte Ecke.

Werder-Kapitän Marco Friedl sprach im Sportschau-Interview von einem „maximal amateurhaften“ Defensivverhalten: „Wir haben unter der Wochen Analysen gehabt, dass die Hoffenheimer Freistöße teilweise unglaublich schnell ausführen. Dann ist es ein Eckball und drei Spieler schauen irgendwohin.“

Hoffenheims Lemperle köpft daneben

Doch selbst mit der Führung im Rücken wirkte Hoffenheim nicht dominant, ließ Bremen immer wieder zu Abschlüssen kommen – in der 29. Minute durch Olivier Deman, in der 30. durch Justin Njinmah.

TSG-Chancen waren eine Seltenheit, aber kurz vor der Pause hatte Tim Lemperle doch noch die große Gelegenheit zum 2:0: Aus fünf Metern köpfte der Angreifer links vorbei.

Werders Njinmah vergibt große Chance auf den Ausgleich

Im zweiten Durchgang war die Partie weiter ausgeglichen und Hoffenheim wirkte weiter anfällig. In der 50. Minute ließen die Gastgeber Njinmah völlig frei auf Oliver Baumann zulaufen, doch der Bremer schoss den Nationaltorwart kläglich an.

Nach einer Stunde schaltete die TSG einen Gang höher. Erst prüfte Alexander Prass Torwart Mio Backhaus mit einem Distanzschuss, dann klatschte eine aufs Tor gezogene Flanke von Wouter Burger an den Pfosten. Es war allerdings nur eine kurze Zwischenoffensive.

In der Schlussphase forderte Bremen lautstark Handelfmeter, aber der getroffene Arm von Robin Harnac befand sich nah am Körper. So verzichtete Storks auf einen Strafstoßpfiff und zog stattdessen Gelb für Njinmah und Werder-Trainer Thioune wegen Meckerns.

Hoffenheim in Mönchengladbach, Bremen gegen Dortmund

Hoffenheim ist am letzten Spieltag bei Borussia Mönchengladbach zu Gast, muss für die Champions League aber darauf hoffen, dass Eintracht Frankfurt dem VfB Stuttgart mindestens ein Remis abtrotzt. Bremen empfängt Borussia Dortmund, alle Spiele finden am Samstagnachmittag (16.05.2026) um 15.30 Uhr statt.