Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“ soll einer der ausgeflogenen fünf französischen Passagiere auf dem Rückflug von Teneriffa nach Paris Symptome gezeigt haben. Wie Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu mitteilte, wurden daher alle fünf Passagiere sofort bis auf weiteres unter strenge Quarantäne gestellt. Sie würden medizinisch versorgt und würden Tests sowie einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Welche Symptome der Passagier entwickelt haben soll, präzisierte der Premierminister nicht.

„Noch heute Abend werde ich ein Dekret erlassen, das es ermöglicht, geeignete Isolationsmaßnahmen für Kontaktpersonen zu ergreifen und die allgemeine Bevölkerung zu schützen“, kündigte der Premierminister an.

Vier Deutsche ohne Hantavirus-Sypmtome

Vier deutsche Passagiere sind unterdessen mit einem Evakuierungsflug in den Niederlanden angekommen. Das von der Kanaren-Insel Teneriffa kommende Flugzeug mit insgesamt 26 Passagieren und Crewmitgliedern der „Hondius“ landete am Abend in Eindhoven. Neben Niederländern und Deutschen befanden sich auch Belgier und Griechen an Bord, alle ohne Symptome, wie das spanische Gesundheitsministerium vor dem Abflug mitteilte.

Die Kreuzfahrtgäste kommen in Eindhoven an.

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Am Flughafen warteten Spezialisten auf die Evakuierten, darunter Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie der Stadt Eindhoven. Wie die niederländischen Gesundheitsbehörden mitteilten, werden die Passagiere medizinisch untersucht. Die niederländischen Passagiere werden anschließend nach Hause gebracht, wo sie sich sechs Wochen lang in häusliche Quarantäne begeben müssen.

Die Deutschen sollen zunächst nach Frankfurt gebracht werden. Für den Transport wurden Einsatzkräfte der Feuerwehr Essen und der Feuerwehr Frankfurt angefordert, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Sie sollen die vier Passagiere am militärischen Teil des Flughafens Eindhoven abholen. Noch in der Nacht geht es in einem sogenannten Sonderisoliertransport nach Frankfurt und anschließend zur Quarantäne in die jeweiligen Bundesländer. Über die Maßnahmen entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.

Ein Passagier soll in die Berliner Charité gebracht werden

Einer der deutschen Passagiere des vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs „Hondius“ soll in die Berliner Charité gebracht werden. Nach Angaben der zuständigen Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit zeigt die Person bisher keine Symptome und kommt „aus der Region Berlin-Brandenburg“.

Eine symptomfreie deutsche Kontaktperson vom Kreuzfahrtschiff „Hondius“ soll in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Das teilte das Sozial- und Gesundheitsministerium in Stuttgart am Abend mit.

10.05.2026, Spanien, Teneriffa: Ein Beamter der Guardia Civil (r) in Schutzanzug und mit Gasmaske überwacht die Situation, während Personen vom Hantavirus befallenen Kreuzfahrtschiff MV Hondius im Hafen von Granadilla auf Teneriffa ausgeschifft werden. Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt im Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel. Foto: -/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Ein Beamter der Guardia Civil in Schutzanzug und mit Gasmaske überwacht die Situation auf Teneriffa.

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Die Ausschiffung der Menschen an Bord in Teneriffa hatte am Sonntagmorgen begonnen. Als Erste wurden die 14 Spanier am Hafen von Granadilla im Süden der Kanaren-Insel Teneriffa in kleinen Gruppen mit Booten an Land gebracht. Es handelt sich nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums um 13 Passagiere und einen Angehörigen der Crew.

Boats approach the Dutch flagged hantavirus-stricken cruise ship MV Hondius after it arrived at the industrial port of Granadilla de Abona on the island of Tenerife in Spain's Canary Islands on May 10, 2026. Repatriation flights for the nearly 150 passengers onboard the ship hit by a deadly hantavirus outbreak are planned to the United States, Britain, France,  and other countries, Spain's interior minister announced on Saturday. Most of the nearly 150 people on board will be transferred to shore on smaller vessels then by bus to the airport and then flown home after weeks at sea. (Photo by JORGE GUERRERO / AFP) Ein Boot liegt am Sonntagvormittag an der „Hondius“ an.

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Auf Bildern war zu sehen, wie die Menschen in den Booten Schutzbekleidung und Masken trugen. An Land stiegen sie bald in Busse der militärischen Nothilfeeinheit UME ein, um zum zehn bis 15 Minuten entfernten Flughafen gebracht zu werden.

10.05.2026, Spanien, Granadilla De Abona, Teneriffa, C: Einsatzkräfte der der Guardia Civil warten  neben Bussen, während das Kreuzfahrtschiff MV Hondius am Hafen von Granadilla ankert. Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius liegt im Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Urlaubsinsel. Die Evakuierung des Schiffs hat begonnen. Foto: Europa Press Canarias/EUROPA PRESS/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Busse bringen die Passagiere vom Hafen direkt zum Flughafen.

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Zuvor hatten medizinische Teams alle Menschen an Bord untersucht. Erst nach der Feststellung, dass keine akuten Krankheitssymptome vorliegen, wurde die schrittweise Evakuierung eingeleitet. An Bord befanden sich zwischen 140 und 150 Passagiere aus 23 Ländern.

30 Besatzungsmitglieder sollen an Bord bleiben, um das Schiff zur Desinfektion in die Niederlande zu fahren. Die Ausschiffung soll nach Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums bis Montagnachmittag dauern.

Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ war Sonntagmorgen vor der Küste von Teneriffa eingetroffen. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP beobachtete, näherte sich die „MV Hondius“ eskortiert von einem Schiff der Guardia Civil dem Hafen Granadilla de Abona im Süden der spanischen Kanareninsel, wo es dann ankerte.

Passengers of the cruise ship MV Hondius, which was affected by a hantavirus outbreak, wait on the tarmac at Tenerife Sud airport, in Tenerife, Spain, May 10, 2026. REUTERS/Borja Suarez Erste „Hondius“-Passagiere warten in Teneriffa darauf, ausgeflogen zu werden.

© REUTERS/BORJA SUAREZ

Auch wenn keiner der Menschen an Bord derzeit Symptome hat, gelten sie aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus als „Hochrisikokontakte“.

„Das ist nicht ein neues Covid“

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus 

Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und der Chef der Weltgesundheitsorganisation WHO waren eigens auf die Insel gekommen, um die komplizierte Aktion zu überwachen.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus versicherte, dass es sich beim Hantavirus nicht um einen mit dem Coronavirus vergleichbaren Erreger handele. In einer Botschaft direkt an die Bevölkerung von Teneriffa betonte er: „Das ist nicht ein neues Covid.“ Das Risiko für die Menschen auf der Insel sei gering – zumal auf dem Kreuzfahrtschiff kein neuer Verdachtsfall aufgetreten sei.

Virusausbruch löst international Besorgnis aus

Das Hantavirus wird in der Regel von Nagetieren übertragen, kann bei engem Kontakt aber auch von Mensch zu Mensch überspringen. Der Ausbruch der südamerikanischen Andes-Variante des Virus auf dem kleinen Kreuzfahrtschiff löste weltweit Besorgnis aus – auch und gerade wegen der Erinnerung an die Corona-Pandemie. Vor allem auf den Kanaren äußerten Menschen Angst wegen einer möglichen Infektion mit dem potenziell tödlichen Virus.

ARCHIV - 02.12.2004, Berlin: Eine Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren (Puumalaviren). (zu dpa: «Kann sich das Virus vom Kreuzfahrtschiff weiter ausbreiten?») Foto: Hans R. Gelderblom/RKI/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Eine elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren (Puumalaviren).

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Doch der jetzige Fall ist anders gelagert als der Beginn der Corona-Pandemie vor mehr als sechs Jahren. Auch wenn es zu einer Übertragung des Andesvirus durch evakuierte Schiffspassagiere käme, wäre das Virus laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC nicht leicht weiter übertragbar, „sodass es unwahrscheinlich ist, dass es zu vielen Infektionsfällen oder einem großflächigen Ausbruch in der Bevölkerung käme“. Das Risiko für die Allgemeinbevölkerung in der EU durch eine Ausbreitung des Andesvirus sei „sehr gering“.

Auch der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sieht derzeit keine Gefahr einer Pandemie durch das Hantavirus. „Die Lage ist für die deutsche Bevölkerung nicht gefährlich“, sagte er der „Rheinischen Post“. „Eine Pandemie droht nicht, weil die Übertragbarkeit des Virus dafür nicht ausreicht.“

Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm bestätigt. Drei Menschen sind bisher an dem Virus gestorben, darunter eine Deutsche. Ihre Leiche bleibt auf der Weiterfahrt in die Niederlande an Bord der „Hondius“.

Da bei Zwischenstopps des Schiffes insgesamt mehr als 30 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgestiegen sind, wird nun weltweit nach potenziellen Verdachtsfällen gesucht.

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Die WHO hatte Spanien gebeten, die Menschen auf den Kanaren vor der Westküste Afrikas an Land gehen zu lassen, weil die Inselgruppe das erste potenzielle Ziel auf der Route des Schiffes mit einer erstklassigen Gesundheitsversorgung ist. Kap Verde, wo die „Hondius“ zuletzt vor Anker gelegen hatte, wollte die Passagiere mit Verweis auf die unzureichenden Versorgungsmöglichkeiten dort nicht aufnehmen.

Die „Hondius“ hatte ihre Fahrt durch den Südatlantik am 1. April in Ushuaia im Süden Argentiniens begonnen. Zehn Tage später starb ein Niederländer, seine Frau verließ das Schiff bei einem Zwischenstopp auf St. Helena und flog am 24. April nach Südafrika, wo sie kurz darauf in einem Krankenhaus starb. Nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide starb die Deutsche dann am 3. Mai. (mit Agenturen)