Trotz Vollbrand und Krisen wollte Harald Sieder seinen Biergarten am Epplesee nicht aufgeben: Doch jetzt muss er. Eigentlich wollte er die Strandgaststätte bis 2027 aufbauen – jetzt wird er sich neue Ufer suchen. Im Gespräch mit ka-news spricht er über seine Enttäuschung und den unfreiwilligen Abschied von seinem Lebenswerk.
Für Harald Sieder sind die vergangenen Monate eine Abfolge von Herausforderungen. Ende September 2025 brannte sein Kult-Biergarten „Seegugger“ am Epplesee in Rheinstetten bis auf die Grundmauern nieder. Während er noch versuchte zu retten, was zu retten war, und auf den Trümmern seines Lebenswerks einen provisorischen Biergarten im Mai eröffnete, folgte der nächste Rückschlag: Die Stadt Rheinstetten teilte mit, dass sie ihn nach Ablauf des Pachtvertrags im Oktober 2026 nicht erneut als Pächter berücksichtigen werde.

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„Seegugger“ Rheinstetten am Donnerstagmorgen, 25. September 2025 (Archivbild).
Foto: Gerrit Lieb
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„Seegugger“ Rheinstetten am Donnerstagmorgen, 25. September 2025 (Archivbild).
Foto: Gerrit Lieb
Neueröffnung mit dem Imbisswagen
Seit über 35 Jahren prägt Harald Sieder den Epplesee in Rheinstetten. Bereits 1989 startete er mit einem Imbisswagen auf der Sanddüne – und baute dort Stück für Stück seine Kult-Gastronomie auf. Mit der Zeit wuchs ein stattlicher Biergarten heran: Sieder errichtete sanitäre Anlagen und etablierte den „Seegugger“ als überregionales Ausflugsziel.

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Seegugger am 27. April 2026.
Foto: Thomas Riedel
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Seegugger am 27. April 2026.
Foto: Thomas Riedel
Der Vollbrand im September 2025 traf ihn schwer. Für Sieder stand jedoch schon kurz danach fest, dass er seinen Biergarten wieder aufbauen will. Am 1. Mai war es dann so weit: „Wir haben wieder einen Imbisswagen, wie zu den Anfangszeiten“, sagt Sieder im Gespräch mit ka-news am 4. Mai. Mit der Resonanz ist er zufrieden. „Wir hatten super Stimmung – trotz der Plastikbecher.“ Langlebiges Geschirr war bereits bestellt.
Sieder wollte zehn Jahre weitermachen, plant den Wiederaufbau – doch sein Pachtvertrag endet am 15. Oktober 2026. Jetzt steht fest: Dieser wird nicht verlängert. Sieder fühlt sich nicht berücksichtigt, für die Stadt Rheinstetten hingegen ist die Sachlage klar. Er erfährt von seinem Pächter-Aus am Epplesee kurz nach der Seegugger-Wiedereröffnung.

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Seegugger am 27. April 2026.
Foto: Thomas Riedel
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Seegugger am 27. April 2026.
Foto: Thomas Riedel
Sieder wollte verlängern, Stadt Rheinstetten musste neu ausschreiben
Was war passiert? Sieder hätte seinen alten Pachtvertrag gerne verlängert, die Stadt Rheinstetten verneinte: Man musste Regelungen überarbeiten und vergaberechtskonform ausschreiben. Auf den neuen Vertrag hat sich Sieder nicht beworben. Aus rechtlichen Gründen hatte ihm sein Anwalt laut eigenen Angaben davon abgeraten.
Für die Stadt Rheinstetten kam die Absage von Sieder am Vorstellungstermin für den neuen Pachtvertrag überraschend: „Die Terminabsage wurde damit begründet, dass die Stadt vorher bestimmte Dinge am bestehenden Pachtvertrag anpassen müsse. Hierbei handelte es sich aus Sicht der Stadt ausschließlich um Punkte, die zum Teil schon durch den Brand ihre Bedeutung verloren hatten, bei einer Vergabe an einen anderen Pächter einzuhalten wären und die allesamt einem neuen Vertrag mit dem bisherigen Pächter nicht entgegengestanden hätten. Dass der neue Pachtvertrag noch auszuhandeln wäre und nicht mit dem alten identisch sein wird, war dem Pächter bekannt.“

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Die Gaststätte Seegugger nach dem Abriss im Dezember 2025 (Archivbild).
Foto: Thomas Riedel
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Die Gaststätte Seegugger nach dem Abriss im Dezember 2025 (Archivbild).
Foto: Thomas Riedel
Stadt und Sieder waren sich schon früher uneinig
Die Vorgeschichte zwischen Sieder und Stadt ist bewegt: Schon mehrfach gerieten die beiden Parteien aneinander. Sieder spricht von einer Kündigung 2013 – die Stadt Rheinstetten von einem „Konflikt“. Ursache laut Stadt waren „wiederholte Störungen und Vertragsverstöße“, laut Sieder handelte es sich um eine private, unangemeldete Weihnachtsfeier. Die Verpächter betonen gegenüber der ka-news-Redaktion: „Seitdem gab es jedoch keine nennenswerten Probleme mehr.“

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Harald Sieder, Betreiber vom Seegugger (Archivbild).
Foto: Harald Sieder
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Harald Sieder, Betreiber vom Seegugger (Archivbild).
Foto: Harald Sieder
Weitere Uneinigkeiten hat es in der Vergangenheit zu nicht genehmigten baulichen Anlagen gegeben. Auch hier gehen die Ansichten von Stadt Rheinstetten und Harald Sieder auseinander. Laut Sieder habe es mündliche Zusagen gegeben, laut Stadt darf keine Anlage ohne schriftliche Genehmigung errichtet sein.
Sieder plant neuen Seegugger
Ziel der Stadt Rheinstetten ist eine neue Gastronomie im Mai 2027. „Am bisherigen Standort mit neuen baulichen Anlagen und einer Gastronomie mit vergleichbarem Umfang und Ausrichtung wie bisher“, heißt es in der entsprechenden Pressemitteilung am 7. Mai. „Da die Bedingungen des Pächters somit nicht zu erfüllen waren und er nicht an der Vorstellung teilgenommen hat, kam er für den Gemeinderat und auch die Verwaltung nicht mehr als geeigneter Kandidat infrage.“

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Blick vom Seegugger auf den Epplesee (archivbild)
Foto: Harald Sieder
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Blick vom Seegugger auf den Epplesee (archivbild)
Foto: Harald Sieder
Für Sieder heißt das: Rückbau und Neuanfang. „Ich habe damit gerechnet“, sagt Sieder. Er habe zu keinem Zeitpunkt ein Interesse seitens der Stadt wahrgenommen, die Zusammenarbeit fortzusetzen. „Ich gehe hin, stelle alles vor und hinterher bekomme ich einen Tritt“, beschreibt er die zurückliegenden Gespräche mit der Stadt Rheinstetten. Bis zum Pacht-Ende will er weiterhin mit seinem Imbisswagen am Epplesee vor Ort sein. Wie es dann weitergeht?

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Die Gaststätte Seegugger nach dem Abriss im Dezember 2025 (Archivbild).
Foto: Thomas Riedel
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Die Gaststätte Seegugger nach dem Abriss im Dezember 2025 (Archivbild).
Foto: Thomas Riedel
„Den Namen Seegugger nehme ich mit“, sagt er. Die Marke, die er über die Jahre mit Herzblut aufgebaut hat, bleibt sein geistiges Eigentum. Und der 70-Jährige hat noch lange nicht genug: Für ihn ist klar, dass er weitermacht. „Ich gehe auf zu neuen Ufern“, kündigt er an. Wo diese liegen, wird sich zeigen – er hofft jedoch auf einen Biergarten in der Region, unter ähnlichen Bedingungen wie er sie am Epplesee jahrzehntelang hatte.