Alter Israelitischer Friedhof – verwaistes Kulturdenkmal

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Leipziger Nordfriedhof befindet sich der Alte Israelitische Friedhof. Er ist die zweite belegte Ruhestätte für die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Leipzigs und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet. Zur damaligen Zeit wuchs die jüdische Gemeinschaft in der Messestadt stark an, was den Ersten Israelitischen Friedhof im Leipziger Johannistal bald an seine Grenzen brachte. Nach jüdischem Ritus haben Verstorbene ewiges Ruherecht, was bedeutet, dass ihre Grabstätten nicht neu vergeben werden sollen. 

Der Alte Israelitische Friedhof erstreckt sich auf einer Fläche von ca. zwei Hektar. Eine Mittelallee sowie verschiedene Quer- und Zwischenmauern unterteilen ihn in insgesamt fünf Abteilungen. In den einzelnen Grabfeldern stehen die Grabmale dicht an dicht und machen mit ihren Inschriften und Ornamenten deutlich, wie vielfältig das jüdische Leben in Leipzig einst war: Ortsangaben wie Krakau, Lemberg, Tarnopol und Odessa verweisen auf die Herkunft derjenigen Menschen, die das wirtschaftliche, kulturelle und geistige Leben der Stadt einst prägten. Dazu gehören neben der Pädagogin, Frauenrechtlerin und Gründerin der ersten Hochschule für Frauen in Leipzig, Henriette Goldschmidt unter anderem der erste jüdische Professor der Leipziger Universität, der Orientalist und Sprachgelehrte Julius Fürst, sowie der Stifter und Förderer der Leipziger Messe Jacob Plaut.

Während der Zeit des Nationalsozialismus erlebte der Alte Israelitische Friedhof unruhige Zeiten. Davon zeugen nicht zuletzt die Grabmale und Grabfelder derjenigen Männer, Frauen und Kinder, die in Sachsenhausen, Ravensbrück, Theresienstadt, Buchenwald, Dachau oder Riga Opfer der Gewaltherrschaft geworden sind. Anders als der Erste Israelitische Friedhof wurde der Alte Israelitisch Friedhof nicht dem Erdboden gleich gemacht, sondern Anfang 1945 lediglich geschlossen. Als anerkanntes Kulturdenkmal wird er mit Unterstützung des Bundes von der Stadt Leipzig gepflegt.