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Die Mannschaft von Eintracht Frankfurt zeigt insgesamt kaum mehr Gegenwehr, auch wenn Europa theoretisch noch möglich ist. Nach dem letzten Spiel ist Trainer Albert Riera Geschichte.
Frankfurt – Nach der erwartbaren Eintracht-Niederlage bei Borussia Dortmund, dieses Mal einigermaßen solide 2:3, ereignete sich ein ganz drolliger Dialog zwischen dem Sky-Reporter Patrick Berger und dem Frankfurter Altstar Mario Götze. Der TV-Mann wollte irgendwann wissen, wie denn so das Verhältnis zu Trainer Albert Riera sei, und da musste der erfahrene Fußballer erst mal kurz auflachen.
Und wieder mal verloren: die Eintracht-Mannschaft nach dem 2:3 in Dortmund. © IMAGO/Eibner-Pressefoto/Frank Zeising
Nur um dann in einer Art verbalen Übersprungshandlung an den Anfang jedes Satzes die Einleitung „am Ende“ zu kleben. Das hörte sich so an: „Am Ende will jeder spielen, am Ende will ich auch spielen, der Mannschaft helfen und Spiele gewinnen.“ Und weiter: „Am Ende ist das, was zählt. Heute konnten wir keine drei Punkte holen, das ist ärgerlich. Am Ende müssen wir im letzten Spiel drei Punkte holen und schauen, wo wir am Ende stehen.“
Die bitteren Tränen des Jonny Burkardt
Merke: Am Ende bekommt man als Profisportler offenbar eine Menge Routine darin, Fragen nicht zu beantworten und nur lange genug drumherumzureden. Sagt auch einiges. Insbesondere dies: Die brüchige Beziehung von Albert Riera zu großen Teilen der Mannschaft ist nicht mehr zu kitten. Mal bei Jonny Burkardt nachfragen.
Der Bursche wirkte nach Abpfiff sehr aufgewühlt. Nach seinem Anschlusstor zum 2:3 kurz vor Schluss blickte der Stürmer ungefähr in Richtung Trainerbank, schimpfte und legte sich den Finger demonstrativ auf die Lippen. Wen oder was er meinte? Coach Albert Riera? Oder doch die BVB-Fans auf der Tribüne? Offen.
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Nach dem Abpfiff hatte Burkardt sogar Tränen in den Augen, musste von den Mitspielern getröstet werden, Torwart Michael Zetterer nahm ihn liebevoll in den Arm. Nette Geste innerhalb einer Mannschaft, die vieles ist, aber ganz gewiss keine Mannschaft, in der auf dem Platz einer für den anderen einsteht.
Ob Jonny Burkardt enttäuscht war wegen seines abermaligen Bankplatzes unter den Augen von Bundestrainer Julian Nagelsmann? Weil ihm Albert Riera die letzte Chance nahm, sich livehaftig für die WM zu empfehlen und daher der Zug gen Amerika ohne ihn abfahren wird? Oder ob er über die Situation gefrustet ist, seine persönliche und die des ganzen Klubs? Oder alles in allem? Man weiß es nicht.
Riera-Aus scheint beschlossene Sache zu sein
So genau weiß man zurzeit nichts bei Eintracht Frankfurt, diesem so brachial abgestürzten Verein, der nur noch Fragezeichen hinterlässt und sich in die tiefste Krise seit vielen Jahren manövriert hat. Die Hessen sind vielleicht nicht zu einem Klub mutiert, in dem das Chaos regiert – das wäre Quatsch, die Verhältnisse an der Spitze sind zumindest personell geordnet.
Aber sehr wohl zu einer Sportgemeinde, dessen Aushängeschild, die Profifußballmannschaft der Männer, ein jämmerliches Bild abgibt. Nicht am Freitag in Dortmund, da ging es so halbwegs, sondern allgemein. Ein Bundesligist in Auflösung, im Zerfall.
Der aber kurioserweise noch immer die Chance hat, sich am letzten Spieltag unter gewissen Umständen fürs internationale Geschäft zu qualifizieren. Die Freiburger 2:3-Niederlage in Hamburg macht eine Frankfurter Conference-League-Teilnahme theoretisch noch möglich.
Verdient hätte es die Ich-AG-Truppe nicht. Auch ihr Trainer nicht. Für Albert Riera ist nach dem letzten Saisonspiel am Samstag gegen den VfB Stuttgart Schluss.
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Sportchef Markus Krösche beantwortet Fragen diesbezüglich nur noch ausweichend. Was soll er auch sonst tun? „Jetzt geht es darum, dass wir alle zusammen das Spiel gegen Stuttgart gewinnen“, sagte er. Nach der Saison werde man sich dann zusammensetzen, „so wie grundsätzlich immer“. Nur dass das Ergebnis jetzt schon feststeht.
Als Nachfolgekandidat gilt Ex-Coach Adi Hütter, der würde passen. Auch Matthias Jaissle ist im Gespräch, doch da gibt es leise Zweifel, ob er das richtige Profil mitbringt. Denn die Sportführung ist nach wie vor der Überzeugung, dass die Mannschaft eine harte Hand braucht, eine klare Führung.
Genau deshalb hat sie Albert Riera verpflichtet, als Gegenentwurf zu dem auf Ausgleich bedachten Dino Topmöller. Riera selbst wirkt so, als habe er sich in sein Schicksal gefügt, sich damit abgefunden. „Ich bin hier nicht der Boss, es ist nicht meine Entscheidung“, sagt er, rührt aber gleichwohl weiter die Trommel für sich.
Team wird ein anderes Gesicht bekommen
„Ich fühle mich stark, ich kann die Situation lösen. Ich brauche Vertrauen und Zeit.“ Doch genau da liegt der Hase im Pfeffer. „Fußball“, weiß er, „gibt dir manchmal keine Zeit.“ Zur Wahrheit gehört: Albert Riera und die Bundesliga sind inkompatibel, seine öffentlichen Auftritte sind wie der Elefant und der Porzellanladen. Auch mit den Führungsspielern hat er es sich verscherzt, er wollte zu schnell zu viel. Hat sich verzettelt. Auch seine taktische Sturheit und sein wöchentliches Personal-Roulette (in Dortmund spielte plötzlich Mo Dahoud nach Monaten auf der Tribüne) sind ihm zum Verhängnis geworden.
Doch er hat einiges offengelegt, Missstände erkannt und angeprangert, im Team und ums Team herum. Er hatte schon einen scharfen Blick und eine gewisse Klarheit, aber nur auf manchen Ebenen.
Die Hauptschuld an der Misere trägt die leblose Mannschaft. Viele sind überzeugt, dass die Eintracht froh sein kann, nicht um den Klassenerhalt kämpfen zu müssen. Denn von der Mentalität her betrachtet wäre diese Mannschaft eine, die sang- und klanglos absteigen würde. Weil sie sich nicht aufbäumen oder nur zusammenreißen kann, weil sie keine Widerstände überwinden – und nicht mal an ihren Grenzen kommen kann. Sie verschieben? Schon lange nicht! Das war einmal. Sie ergibt sich ihrem Schicksal.
Deshalb wird ein neuer Trainer das Problem nicht beheben können. Deshalb wird Markus Krösche die Mannschaft neu modellieren. Ob sie rein qualitativ besser wird, ist zu bezweifeln. Aber eines sollte sie haben: eine andere Einstellung und Bereitschaft. Ist das Mindeste.