„Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche lässt sich der Wohlstand unseres Landes in Zukunft nicht erhalten“, glaubt Kanzler Friedrich Merz. Gleichzeitig sagt man über die Generation Z, die jetzt auf den Arbeitsmarkt strömt, dass sie lieber weniger als mehr arbeiten möchte – und ihr Glück lieber in anderen Lebensbereichen findet. Die in Düsseldorf lebende Illustratorin und Comic-Zeichnerin Nele Jongeling ist mit ihrem Geburtsjahr 1996 Vertreterin der Gen Z, und passenderweise heißt ihre lesenswerte neue Graphic Novel „Ich will nicht arbeiten“.

Nach dem Debüt „Emil:ia“, in dem sie halbautobiografisch von einer Detransition, also dem Rückgängigmachen einer Geschlechtsumwandlung, erzählt, ist „Ich will nicht arbeiten“ ihr zweiter Comic in Buchlänge und beim renommierten Verlag Reprodukt erschienen. Die Geschichte erzählt sie als Hybrid aus Mediensatire und melancholischem Generationenporträt: Edith Feder, die von ihrer menschlich anmutenden Tiergestalt her auch aus dem Kosmos des französischen Zeichners Lewis Trondheim stammen könnte, nimmt nach dem Studium an einer Fernsehsendung teil und spielt um ihren Traumberuf.

Aber eigentlich ist Frau Feder gar nicht sicher, ob sie arbeiten will: 40-Stunden-Woche, Teamwork, Verantwortung – diese Begriffe machen ihr Angst. Als wiederkehrendes visuelles Motiv verbiegt und zerfasert ihr Körper unter den Anforderungen von außen. Im trotz der satirischen und witzigen Momente eher ruhigen Erzählfluss gerät die Sehnsucht nach dem Traumberuf mehr und mehr aus dem Fokus – Arbeit ist eben auch Frau Feder nicht das Wichtigste.

Nele Jongeling stammt aus Bremerhaven und kam 2014 zum Studium Kommunikationsdesign nach Düsseldorf. Eigentlich war sie kein Comic-Nerd, kannte eher die bekannten Serien wie „Donald Duck“, „Lucky Luke“ oder „Asterix“ aus der Kindheit. In einem „coolen Blockseminar“, in dem der Dozent seine private Comic-Sammlung mitbrachte, lernte sie die Form der Graphic Novel kennen. „Da habe ich gesehen, wie toll das Genre ist, wie man sich da ausprobieren kann. Ich dachte: Ich hab Bock, fang mal damit an.“ Das Herumprobieren gefielt ihr so gut, dass sie schließlich einen Teil ihres Studiums in Brüssel absolvierte – der Hauptstadt der berühmten frankobelgischen Comics.

Auf die Idee zu „Ich will nicht arbeiten“ kam sie während der Corona-Zeit. „Damals brach alles Soziale weg, es blieb nur noch die Arbeit übrig. Irgendwann war ich echt ausgebrannt, gleichzeitig musste ich natürlich weiter meine Miete zahlen.“ Damals merkte sie, wie das Thema Arbeit die meisten Menschen stark beschäftigt: „Es ist ganz normal, Arbeit nicht zu mögen – durch alle Generation hindurch.“

Info Nele Jongeling: „Ich will nicht arbeiten“, Reprodukt, 304 Seiten, 29 Euro