An beliebten Bikestrecken kontrolliert die Polizei gezielt Motorradfahrer. Die Beamten setzen dabei eher auf Gespräche auf Augenhöhe als auf Strafzettel.

„Das ging jetzt aber schnell“, meint der junge Biker, als die Polizei ihn unterhalb des Tors zum Remstal in Kernen mit der Stoppkelle herauswinkt. Er hat den Motorradführerschein seit erst zwei Wochen, die nagelneue Yamaha hat er gerade vom Händler geholt. Gerade einmal 15 Kilometer zeigt der Tachostand an. Das bedeutet wenig Arbeit für den Polizisten, der das Motorrad unter die Lupe nimmt: An dem fabrikneuen Bike finden sich keine Umbauten, schon gar keine illegalen.

Die Wahrscheinlichkeit, kontrolliert zu werden, war am Freitag für Motorradfahrer hoch. An insgesamt vier Stellen im Präsidiumsbereich hat die Polizei Aalen an beliebten Bikestrecken Kontrollpunkte aufgebaut. Jedes Motorrad, das sich nähert, wird herausgewinkt. Auch wenn an manchen Stellen zudem gelasert wird: Im Fokus steht weniger die Geschwindigkeit der Biker. „Wir überprüfen die Motorräder vor allem auf ihre technische Verkehrssicherheit. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, auf was man beim Saisonstart beim Motorrad und bei der Fahrweise achten sollte“, erklärt der Polizeisprecher Robert Silbe.

Die Polizei setzt auf Gespräche mit den Bikern Polizeisprecher Robert Silbe Foto: Phillip Weingand

Viele der eingesetzten Polizistinnen und Polizisten sind selbst Motorradfahrer. Entsprechend leicht fällt es ihnen, mit den kontrollierten Bikern ins Gespräch zu kommen. „So etwas habe ich auch noch nicht gesehen“, staunt ein Beamter, als ihm eine junge Motorradfahrerin die Vorzüge ihrer Zweikomponenten-Reifen erklärt. „Damit habe ich mehr Grip in den Kurven“, meint sie.

Dass die Polizei immer wieder zu Schwerpunktkontrollen von Motorradfahrern ausrückt, hat triftige Gründe, auch wenn die aktuellen Unfallzahlen auf den ersten Blick erfreulich stimmen. Die Statistik des Polizeipräsidiums Aalen zeigt nämlich einen positiven Trend: Im Jahr 2025 sank die Zahl der Motorradunfälle um beeindruckende 16 Prozent auf einen Fünfjahrestiefstwert. Und im Rems-Murr-Kreis, einer bei Bikern beliebten Region, reduzierte sich sogar die Zahl der Schwerverletzten deutlich auf 25 Personen, ein Rückgang um über 43 Prozent.

Doch diese Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass rasante Geschwindigkeit weiterhin die größte Gefahr darstellt. Fast bei jedem dritten Motorradunfall ist sie die Ursache, und bei den tödlichen Verkehrsunfällen ist sie in knapp der Hälfte der Fälle ursächlich. Gerade Motorradfahrer ohne Knautschzone sind hier besonders gefährdet, trotz aller Schutzausstattung. Die gezielten Kontrollen an bekannten Motorradstrecken, so das Ziel der Polizei, sollen bei den Bikern das Bewusstsein für eine angemessene Fahrweise und für die Verkehrssicherheit ihres Motorrads schaffen.

Doch es gibt noch einen zweiten Grund. Je nach Bauart und Fahrstil der Bikes kann von ihnen eine enorme Lärmbelästigung ausgehen. Anwohner von beliebten Motorradstrecken wie der Sulzbacher Steige oder in Kirchberg an der Murr können davon ein Lied singen, wenn die Motorradfahrer ihre Maschinen hochdrehen lassen und die Strecken teils mehrmals am Stück abfahren.

Motorradkontrollen im Rems-Murr-Kreis: die Bilanz der Polizei

Immer wieder sind es illegale Manipulationen an Auspuffanlagen oder Motoren, die manche Bikerherzen zwar höherschlagen lassen, aber die gesetzlichen Lärmgrenzwerte massiv überschreiten. Um diesen – und anderen, potenziell unsicheren Umbauten – entgegenzuwirken, setzt die Polizei auf speziell geschulte Beamte, die solche getunten Maschinen gezielt aus dem Verkehr ziehen. Allein im Jahr 2025 deckten sie bei Kontrollen 236 technische Mängel auf.

Ganz so viele sind es bei den Kontrollaktionen am Freitag dann am Ende doch nicht. Der Polizeisprecher Jonas Ilg erklärt, an den insgesamt vier Kontrollstellen im Rems-Murr- und im Ostalbkreis seien knapp 30 Beamte im Einsatz. Bei insgesamt 171 kontrollierten Motorrädern stellen die Polizisten insgesamt 22 Verstöße fest (meist nicht korrekt eingetragene Umbauten) und erwischen zudem sechs Motorradfahrer, die zu schnell unterwegs waren.

Die Stimmung zwischen Beamten und Bikern ist überraschend gut Technische Veränderungen stehen im Fokus. Foto: Gottfried Stoppel

Teilweise bleibt es auch bei einer mündlichen Verwarnung. „Eigentlich wären jetzt 15 Euro fällig“, erklärt ein Polizist dem Fahrer eines imposanten Triumph-Choppers. Die Papiere seines seitlichen Nummernschild-Halters waren nicht einwandfrei.

Die Freude der meisten Biker, in die Kontrolle zu geraten, hält sich in Grenzen. Trotzdem sind die Verabschiedungen ausgesprochen höflich, in einem Fall sogar richtig herzlich. Bei der Kontrolle eines Paars um die 50, das zusammen auf einer Harley unterwegs ist, erklären die Beamten dem Fahrer, dass sein szenetypische Kleidung – T-Shirt plus Lederweste – in puncto Schutzwirkung zu wünschen übrig lässt. „Da geben Sie 4000 Euro für die Auspuffanlage aus, aber für die Schutzausstattung reicht es wohl nicht“, meint ein Beamter und grinst. Die Sozia wirkt über den Hinweis an ihren Mann sehr dankbar – von ihr gibt es zum Abschied eine Umarmung für die Beamten.