Die KI-Collage zeigt die Globalfoundries-Chipfabrik in Dresden mit einem gedachten digitalen Schutzschirm. Foto: Globalfoundries, Collage: KI ChatGPT, Prompt: hwDie KI-Collage zeigt die Globalfoundries-Chipfabrik in Dresden mit einem gedachten digitalen Schutzschirm. Foto: Globalfoundries, Collage: KI ChatGPT, Prompt: hw

Kunden aus Rüstungsindustrie, Luftfahrt & Co. sollen sicher sein, dass ihre Chipdesigns und digitalen Geheimnisse Europa nicht verlassen

Dresden, 06.05.26. Um Unternehmen aus der Rüstungsindustrie, Luft- und Raumfahrt besser gegen Industriespione zu schützen, knüpft Globalfoundries (Glofo) gemeinsam mit der Deutschen Telekom an europäischen Datenpfaden in der Mikroelektronik-Produktion. Das hat Globalfoundries Dresden heute angekündigt. Das Konzept dahinter: Die Kunden des Chip-Auftragsfertigers sollen sicher sein, dass ihre Schaltkreisentwürfe und Technologiekonzepte weder von den „Freunden“ in Amerika noch von Staatshackern aus Fernost ausgespäht werden können.

„Schaffen neuen Goldstandard für digitale Souveränität in der Halbleiterfertigung“

„Mit dem Projekt schaffen wir einen neuen Goldstandard für digitale Souveränität in der Halbleiterfertigung“, verspricht Glofo-Standortchef und Vizedirektor Manfred Horstmann. „Unsere Kunden aus Aerospace & Defense sowie kritischen Infrastrukturen erhalten damit eine belastbare Antwort auf die Frage, wie sie ihre zentralen Systeme unabhängig von außereuropäischen Lieferketten planen können, von denen sie aktuell noch abhängig sind.“

Manfred Horstmann ist seit Oktober 2020 Geschäftsführer von Globalfoundries Dresden. Foto: GF DresdenManfred Horstmann. Foto: GF Dresden

„Made in Europe“-Konzept flankiert Glofo-Einstieg in die Sicherheitsindustrie

Hintergrund: Anfangs war die Glofo-Fab in Dresden ganz auf die Prozessor-Produktion für die einstige Mutter AMD spezialisiert. Dieser Fokus hat sich inzwischen gewandelt: Inzwischen stellt das Werk Heimelektronik-Chips genauso her wie Automobilelektronik, Funkschaltkreise, künstliche Neuronen oder Chip-Kleinserien für Institute und Mittelständler. Nun plant Globalfoundries einen milliardenteuren Ausbau seiner Dresdner Fab und will in diesem Zuge neue Kundenkreise erschließen. Dazu gehören Rüstungsunternehmen, Satellitenhersteller, Flugzeugwerften, Ausrüster für sicherheitsrelevante Infrastrukturen und dergleichen mehr. Ähnlich wie beim Einstieg in die Autochipproduktion, die erst zahlreiche Zertifizierungen erforderte, brauchen auch diese nun anvisierten neuen Geschäftsfelder einigen Vorlauf – nicht nur technologisch, sondern eben auch mit Blick auf Datensicherheit und Geheimnisschutz.

Klaus Werner. Foto: Deutsche Telekom/GlobalfoundriesKlaus Werner. Foto: Deutsche Telekom/Globalfoundries

„Wir zeigen, wie sich hochsensible Daten- und Lieferkettenströme innerhalb Europas absichern lassen.“
Klaus Werner, Telekom-Geschäftsführer für Geschäftskunden

Daher zielt die nun verkündete Kooperation von Glofo und Telekom darauf, sensible Kundendaten ausschließlich in europäischen Netzen, Datenzentren und Rechnerwolken („Clouds“) zu senden, verarbeiten und speichern – verschlüsselt und abgeschirmt. „Digitale Resilienz entscheidet über Europas Wettbewerbsfähigkeit“, meint Telekom-Manager Klaus Werner. Dafür braucht es hochsichere Netze, Cloud-Infrastrukturen und Security Schutzschirme.

Auch Mittelstand und Uni-Ausgründungen sollen gehärtete Digitalketten bekommen

Dabei denken die Manager und Ingenieure indes nicht nur an Rüstungsriesen oder Raumfahrtkonzerne, sondern auch an Mittelständler, Uni-Ausgründungen und andere regionale Kunden: Die teilen sich für ihre Kleinserien-Aufträge oft in sogenannte „Multi-Projekt-Wafer“ hinein. Und sie sollen sich dann eben sicher sein, dass ihre Geschäftsgeheimnisse mindestens ebenso gut geschützt sind wie die der Großkunde. Und dass der Produktionsauftrag von Globalfoundries nach all jenen Sicherheitsstandards erledigt wird, die die Türen zu manch besonderem Staatsauftrag öffnen. „So können vor allem Start-ups in der Frühphase und hochspezialisierte Player sichere ,Made in Europe’-Lösungen entwickeln, um ihre Lieferketten innerhalb Europas aufzubauen“, betont der Chip-Auftragsfertiger.

Autor: Heiko Weckbrodt

Quellen:Globalfoundries, Oiger-Archiv

Repro: Oiger, Original: Madeleine Arndt